KBV: Digitalisierung mit weniger Tempo und durchdachter vorantreiben9. Dezember 2020 Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands (© axentis.de, Georg J. Lopata) Gesetzlich, organisatorisch und technisch durchdachte und ausgereifte Lösungen in sämtlichen Bereichen der Digitalisierung hat Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), beim Online-Treffen der Mitglieder der Vertreterversammlung am 4. Dezember gefordert. Aus der Digitalisierung müsse Tempo rausgenommen werden. „Das Tempo rauszunehmen heißt nicht: Alles auf Stopp! Wir erwarten eine realistischere Zeitplanung und Produkte, die ausreichend getestet sind“, sagte Kriedel und berichtete, dass dies für die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gelungen sei. „Wir haben beim Bundesgesundheitsministerium erfolgreich interveniert und konnten mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung ein späteres Start-Datum vereinbaren: zum vierten Quartal 2021.“ Kritisch ging er auf die elektronische Patientenakte (ePA) ein, die zum Jahreswechsel starten sollte. „Davon sind die Konnektoren-Hersteller noch weit entfernt. Das schiebt die Praxen gefährlich nah an das Sanktionsdatum. Aber wie sollen sie die Applikation anwenden, wenn dafür die Technik noch nicht da ist?“, kritisierte Kriedel. Mehr Tempo forderte er hingegen bei der Weiterentwicklung der sicheren Übermittlung von Dateien, Ton und Bild. „Das sieht das Digitale Versorgungs- und Pflege-Modernisierungsgesetz erst ab September 2023 vor. Solche nützlichen Messaging-Anwendungen brauchen wir viel schneller!“ Diese Anwendungen seien es, die den Nutzen der Digitalisierung in der Praxis endlich spürbar machen könnten. Eine Neuheit präsentierte Kriedel mit dem MIO Viewer. Die Anwendung macht es möglich, definierte Medizinische Informationsobjekte wie den Impfpass und das Zahn-Bonusheft online sowie mobil anzusehen. Die Software-Hersteller von ePAs, Praxisverwaltungssystemen oder auch Krankenhaus-Informationssystemen können diesen Viewer per frei verfügbarem Code integrieren. „Das Schlagwort ist Open Source – denn Integrieren ist sicherlich immer der beste Weg für alle Beteiligten“, so Kriedel. „In aller Deutlichkeit“, forderte er zudem, „eine angemessene und umfassende Finanzierung des Digitalisierungsaufwandes.“ Die Praxen blieben häufig mit dem unguten Gefühl zurück, dass die Hersteller ihnen für jede Komponente mehr in Rechnung stellten, als durch die mühsam errungenen Finanzierungsvereinbarungen abgedeckt werde. Die KBV wolle daher ihren eigenen KIM-Dienst kv.dox, der noch in diesem Jahr an den Start gehen soll, zu einem Preis anbieten, „der – so unsere Hoffnung – auch die Mitbewerber zu angemessenen und fairen Preisen drängt“. Zufrieden zeigte sich Kriedel über einen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konsentierten Vorschlag für die IT-Sicherheitsrichtlinie: „Aus unserer Sicht ist hier ein Kompromiss gefunden worden, der jetzt für die Praxen gut umsetzbar scheint und ihnen die erhoffte Rechtssicherheit und Klarheit gibt.“
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