Kein signifikanter Nutzen von Hydroxychloroquin oder Lopinavir-Ritonavir bei COVID-19

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In einer randomisierten klinischen Studie haben weder Hydroxychloroquin noch Lopinavir-Ritonavir einen signifikanten Nutzen in Bezug auf eine Verringerung von COVID-19-assoziierten Krankenhausaufenthalten oder sekundären klinischen Endpunkten gezeigt.

Durchgeführt wurde die Untersuchung in Brasilien zwischen dem 02.06. und dem 30.09.2020, die Teilnehmer waren Erwachsene mit kurz zuvor aufgetretenen Atemwegssymptomen aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion.

Die Autoren hatten geplant, 1476 Patienten zu rekrutieren, doch wurde die Studie nach einer geplanten Zwischenanalyse der Daten von 500 Patienten wegen Vergeblichkeit mit einer Stich­probengröße von 685 Patienten abgebrochen. Die statistische Analyse wurde im Dezember 2020 durchgeführt.

Die Patienten erhielten nach Randomisierung Hydroxychloroquin (800 mg Aufsättigungsdosis, dann 400 mg täglich über 9 Tage), Lopinavir-Ritonavir (Aufsättigungsdosis von 800 mg bzw. 200 mg alle 12 h gefolgt von 400 mg bzw. 100 mg) oder ein Placebo. Die primären Endpunkte bildeten ein COVID-19-assoziierter Krankenhausaufenthalt und Tod innerhalb von 90 Tagen nach der Randomisierung. COVID-19-assoziierte Krankenhausaufenthalte wurden mit einem Cox-Proportional-Hazard-Modell analysiert. Außerdem umfasste die Studie als sekundäre Endpunkte Hospitalisierungen aufgrund jedweder Ursache, Virus­Clearance, Abklingen von Symptomen und unerwünschte Ereignisse.

Von 685 Teilnehmern gaben 632 (92,3%) an, von mehreren Ethnien abzustammen. Frauen machten 55,0% (n=377) der Studienpopulation aus, und das mediane Alter betrug 53 Jahre (Altersspanne 18–94) Jahre. Insgesamt 214 Teilnehmer erhielten nach der Randomisierung Hydroxychloroquin, 244 Lopinavir-Ritonavir und 227 ein Placebo.

Bei der Zwischenanalyse empfahl das Datensicherheitsüberwachungsgremium, die Rekrutierung sowohl der Hydroxychloroquin- als auch der Lopinavir-Ritonavir-Gruppe wegen Vergeblichkeit zu beenden. Der Anteil der wegen COVID-19 hospitalisierten Patienten betrug 3,7% (n=8) in der Hydroxychloroquin-Gruppe sowie 5,7% (n=14) in der Lopinavir-Ritonavir-Gruppe und 4,8% (n=11) in der Placebo-Gruppe.

Die Studienautoren beobachteten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Interventionen in Bezug auf COVID-19-assoziierte Krankenhauseinweisungen (Hydroxychloroquin: HR 0,76; 95%-KI 0,30–1,88; Lopinavir-Ritonavir HR 1,16; 95%-KI 0,53–2,56) sowie für den sekundären Endpunkt Virus-Clearance bis Tag 14 (Hydroxychloroquin: OR 0,91; 95%-KI 0,82–1,02; Lopinavir-Ritonavir: OR 1,04; 95%-KI 0,94–1,16). Am Ende der Studie mussten 3 Todesfälle verzeichnet werden: 1 in der Placebogruppe und 2 in der Lopinavir-Ritonavir-Gruppe.

Fazit
In der Studie haben weder Hydroxychloroquin noch Lopinavir-Ritonavir einen signifikanten Nutzen in Bezug auf eine Verringerung von COVID-19-assoziierten Krankenhausaufenthalten oder sekundären klinischen Endpunkten gezeigt. (ac)

Autoren: Reis G et al.
Korrespondenz: Gilmar Reis; [email protected]
Studie: Effect of Early Treatment With Hydroxychloroquine or Lopinavir and Ritonavir on Risk of Hospitalization Among Patients With COVID-19: The TOGETHER Randomized Clinical Trial
Quelle: JAMA Netw Open 2021;4(4):e216468.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2021.6468