Keine Entwarnung für COVID-19 bei Krebs23. März 2022 Bild: © Padrinan, Pixabay Die aktuelle Diskrepanz zwischen den sehr hohen Infektionszahlen und den geplanten Lockerungen im öffentlichen Leben führt bei vielen Krebspatientinnen und -patienten zu großer Verunsicherung. In einer gemeinsamen Stellungnahme rufen die onkologischen Fachgesellschaften zusammen mit der Selbsthilfe dringend zur fortgesetzten Wachsamkeit zum Schutz vor COVID-19 und zur Nutzung der neuen Behandlungsmöglichkeiten auf. Patientinnen und Patienten mit aktiver Krebserkrankung sowie unter immunsuppressiver Therapie haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 und eine erhöhte Sterblichkeit. Gleichzeitig stehen durch die zentrale Beschaffung durch das Bundesministerium für Gesundheit jetzt mehrere wirksame Arzneimittel zur Verfügung. Die Empfehlungen sind:• Schützen: Tragen von Mund-Nasen-Masken, Händedesinfektion, Abstand halten, Schutzimpfung einschließlich Auffrischimpfung für alle Patient*innen und deren Angehörige bzw. Kontaktpersonen• Testen: Antigentestung und ggf. PCR-Test bei charakteristischen Symptomen und nach Kontakt mit infizierten Personen• Frühzeitig behandeln: Therapie mit antiviralen Arzneimitteln oder Antikörperpräraten innerhalb von 3-5 Tagen nach Symptombeginn für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-VerlaufProf. Dr. med. Torsten Bauer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V., erinnert: „Die geplanten Lockerungen, unter anderem bei Menschen mit aktiver Krebserkrankung oder unter immunsuppressiver Therapie dürfen nicht zum Nachlassen der Achtsamkeit und zur Aufgabe der bei dieser Personengruppe dringend gebotenen Schutzmaßnahmen führen. Dies gilt sowohl für die Patientinnen und Patienten selbst als auch für Angehörige und Kontaktpersonen.“ Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg, ergänzt: „Eine hohe Infektionsrate gefährdet auch das medizinische Personal und damit die gesamte Versorgung in Krankenhäusern und Praxen.“Krebspatientinnen und -Patienten haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion. Das Vorliegen weiterer Faktoren steigert dieses Risiko. Dazu gehören u. a. höheres Alter, Adipositas mit BMI >30, schwere kardiovaskuläre Erkrankung, chronische Lungenerkrankung, chronische Nierenerkrankung, einschließlich Dialyse, Diabetes mellitus, Immunsuppression und der Status „nicht geimpft“. Bei dringendem Verdacht auf COVID-19 und einem positiven Testbefund (Antigentest oder PCR-Test) empfehlen wir bei Risikopersonen die frühzeitige Einleitung einer gezielten Therapie.Die Fachgesellschaften weisen auch auf die neuen Therapiemöglichkeiten bei Risikopatient*innen für einen schweren Verlauf von COVID-19 hin. Durch die zentrale Beschaffung seitens des Bundesministeriums für Gesundheit stehen aktuell zwei monoklonale Antikörper als Injektion bzw. Infusion (Sotrovimab (Xevudy®), Tixagevimab/Cilgavimab (AZD7442, Evusheld™) und drei Virostatika in Tablettenform (Molnupiravir (Lagevrio®), Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®), Remdesivir (Veklury®)) zur Verfügung. Welches Arzneimittel jeweils am besten geeignet ist, muss im Einzelfall entschieden werden.Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 sollen sich bei Krankheitszeichen sofort mit ihren Ärztinnen bzw. Ärzten in Verbindung setzen. Einsele fasst zusammen: „Wir sind jetzt in einer besseren Situation als zu Beginn der Pandemie, haben aber auch viel höhere Infektionsraten. Es ist weiterhin höchste Wachsamkeit zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion geboten. Im Falle einer Erkrankung muss sofort über eine gezielte Behandlung entschieden werden. Die zunehmend gute Prognose bei Krebs darf nicht durch COVID-19 gefährdet werden.“
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