KI ermittelt Zeitpunkt von Schlaganfällen17. Dezember 2024 CT-Scans vom Gehirn (Foto: © piai – stock.adobe.com) Nach einem Schlaganfall lassen sich bleibende Schäden oft reduzieren, wenn schnell gehandelt wird. Dabei ist es entscheidend, den Zeitpunkt des Schlaganfalls zu kennen. Ein Forschungsteam unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem sich dieser Zeitpunkt besonders exakt feststellen lässt. Bei den meisten durch Blutgerinnsel verursachten Schlaganfällen können medikamentöse Interventionen innerhalb von viereinhalb Stunden den neurologischen Schaden begrenzen. Chirurgische Eingriffe sind in den ersten sechs Stunden nach dem Schlaganfall noch erfolgsversprechend. Wird erst später interveniert, richten die Maßnahmen im schlimmsten Fall sogar zusätzlichen Schaden an. Den Zeitpunkt eines Schlaganfalls festzustellen, ist allerdings oftmals schwierig. Beispielsweise können Schlaganfälle während des Schlafs auftreten oder die Betroffenen haben durch die Schlaganfallsymptome Schwierigkeiten, zu kommunizieren. Derzeit schließt das Krankenhauspersonal meist anhand von CT-Scans auf den Zeitpunkt des Ereignisses: Je dunkler die betroffene Region erscheint, desto länger liegt dieser zurück. Dies wird durch die einzigartige Struktur jedes Gehirns jedoch erschwert. Selbst wenn Ärztinnen und Ärzte den ungefähren Beginn des Schlaganfalls benennen können, kann der individuelle Blutfluss oder die Blutgefäßstruktur dazu führen, dass die Schäden schneller oder langsamer voranschreiten. Algorithmus an 2000 Patientinnen und Patienten erprobt Ein Team aus Forschenden des Imperial College London, der Universität Edinburgh und der TUM konnte die Einschätzung des Zeitpunktes des Schlaganfalls jetzt durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich verbessern. Das Modell wurde mit einem Datensatz von 800 Gehirnscans trainiert, bei denen der Zeitpunkt des Schlaganfalls bekannt war. Dadurch ist die Software in der Lage, die betroffenen Regionen in CT-Scans selbständig zu identifizieren und eine Einschätzung zum Zeitpunkt des Schlaganfalls abzugeben. Für ihre Studie, die im Fachmagazin „NPJ Digital Medicine“ erschienen ist, haben die Forschenden den Algorithmus an Daten von knapp 2000 weiteren Patientinnen und Patienten erprobt: Die Software erwies sich als doppelt so genau wie die Einschätzungen menschlicher Experten. Auch bei der Einschätzung des biologischen Alters einer Hirnschädigung war der Algorithmus besonders präzise. Dieser Wert beschreibt, wie stark sich die Schädigung seit ihrem Entstehen verändert hat und ob sie reversibel ist. Präziser durch zusätzliche Informationen „Wir vermuten, dass unser Modell so leistungsstark ist, weil es nicht nur bewertet, wie dunkel die geschädigte Region ist, sondern auch zusätzliche Informationen aus den Scans in Betracht zieht – etwa die Textur des Gehirns und Variationen innerhalb der geschädigten Partien“, erklärt Leibniz-Preisträger Daniel Rückert, Professor für Artificial Intelligence in Healthcare and Medicine an der TUM. Studienleiter Dr. Paul Bentley vom Imperial College London ergänzt: „Unsere Software kann Ärztinnen und Ärzten im Notfall helfen, Entscheidungen zu treffen, welche Behandlungsschritte bei Schlaganfällen durchgeführt werden sollen. Sie ist nicht nur doppelt so genau wie das gängige Verfahren, sie kann auch vollständig automatisiert ausgeführt werden, sobald der CT-Scan auf dem Bildschirm erscheint.“ Erstautor Marcus schätzt sogar, dass durch die neue Software bei bis zu 50 Prozent der Schlaganfallpatienten die Behandlung optimiert werden könnte.
Mehr erfahren zu: "Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen" Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen Nach einer Infektion kann das Ebola-Virus monate- bis jahrelang unbemerkt im menschlichen Körper überleben, unter anderem im Zentralen Nervensystem. Mithilfe von Hirnorganoiden haben Forschende nun wertvolle Einblicke in die Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen" Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson gezeigt, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, patientenrelevante Therapieerfolge wie verbesserte Alltagsfunktionen besser vorherzusagen.
Mehr erfahren zu: "Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie" Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.