Kinder als COVID-19-Indexfälle in Familien

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Wie eine Untersuchung aus Frankreich zeigt, war während der COVID-19-Pandemie die Anwesenheit von Kindern – ­insbesondere von sehr kleinen Kindern – mit einem erhöhten Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei anderen Angehörigen desselben Haushaltes verbunden.

Dies traf, wie die Studienautoren betonen, insbesondere während der Pandemiewellen zu, die von den SARS-CoV-2-Varianten Delta und Omikron BA.1 dominiert wurden. Zu verstehen, wie Kinder zur Verbreitung von SARS-CoV-2 innerhalb von Familien beitragen, sei von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Entscheidungen in der Gesundheitspolitik und Strategien zur Eindämmung von Infektionen gehe, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Forschungsergebnisse könnten als Leitfaden für Maßnahmen dienen, die auf erkrankte Kinder und immungeschwächte Mitglieder desselben Haushaltes abzielen.

Die Fall-Kontroll-Studie, deren Resultate kürzlich veröffentlicht wurden, umfasste die Auswertung von Online-Fragebögen, die französische Erwachsene zwischen Oktober 2020 und Oktober 2022 ausgefüllt hatten. Für die Analyse infrage kamen Erwachsene mit anhaltender SARS-CoV-2-Infektion und einer E-Mail-Adresse, die beim nationalen Krankenversicherungssystem hinterlegt war, wo alle Neudiagnosen in Frankreich zusammenliefen.

Kontrollpersonen bildeten Erwachsene, die noch nie positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren, bis im Februar 2021 die Teilnahmeberechtigung auf alle Erwachsenen ohne bestehende SARS-CoV-2-Infektion ausgeweitet wurde. Positive Selbsttests (also nichtüberwacht) wurden bei den diagnostizierten SARS-CoV-2-Infektion nicht berücksichtigt.

Die Wissenschaftler nahmen 682.952 Fälle in die deskriptive Analyse auf (68,8% Frauen, medianes Alter 44 Jahre). Unter diesen Fällen identifizierte man 45.108 (6,6%), bei denen ein im selben Haushalt lebendes Kind als Indexfall identifiziert wurde. Der Anteil dieser Fälle war während der Omikron-BA.1-Welle (20.12.2021—08.04.2022) mit 10,4% am größten. Für die Fall-Kontroll-Analyse glichen die Forschenden 175.688 Fälle (Verhältnis 4:1) hinsichtlich demografischer Merkmale mit 43.922 Kontrollen ab.

In der multivariablen logistischen Regressionsanalyse erwies sich die Exposition von Haushalten gegenüber Kindern vor allem am Ende des Sommers 2021 (rückläufige Delta-Welle) und im Winter 2022 (Omi­kron-BA.1-Welle) als mit einem erhöhten Infektionsrisiko assoziiert. In der Subgruppenanalyse nach Schulpflichtigkeit bzw. Alter des Indexfalles war das Zusammenleben mit Kindern im Alter von <6 Jahren während des gesamten Studienzeitraumes mit einer erhöhten Infek­tionswahrscheinlichkeit verbunden, wobei der Höchstwert bei einer OR von 1,8 (95%-KI 1,6–2,1) für Kinder in professioneller häuslicher Betreuung (z.B. Tagesmutter) lag. Für Kinder in Tagesstätten betrug die OR 1,7 (95%-KI 1,5–1,7) und für Kinder im Vorschulalter 1,6 (95%-KI 1,4–1,8).

Die mit der Exposition gegenüber im selben Haushalt lebenden Kindern im Alter von 6–14 Jahren verbundenen ORs stiegen während der Delta- (14.08.2021–19.12.2021) und Omikron-BA.1-Wellen an und erreichten einen Werten von 1,6 (95%-KI 1,5–1,7) für Grundschulkinder und 1,4 (95%-KI 1,3–1,5) für Kinder der Klassen 5–10 (Mittelschule).

Die Exposition gegenüber älteren Kindern (15–17) Jahre war bis April 2021 mit einem moderaten Risiko assoziiert, bei einer OR von 1,2 (95%-KI 1,2–1,3) während des Lockdowns Anfang 2021 (04.12.2020–08.04.2021).

Fazit
Die Anwesenheit von Kindern, insbesondere von sehr kleinen Kindern, war mit einem erhöhten Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion bei anderen Haushaltsmitgliedern verbunden. Diese Ergebnisse sollten dazu beitragen, Maßnahmen auf Kinder und immungeschwächte Haushaltsmitglieder auszurichten. (ac)

Autoren: Galmiche S et al.
Korrespondenz: Simon Galmiche; [email protected]
Studie: Risk of SARS-CoV-2 Infection Among Households With Children in France, 2020–2022
Quelle: JAMA Netw Open 2023;6(9):e2334084.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2023.34084