Kinder besser vor Missbrauch schützen

Eine Dunkelfeldstudie soll das tatsächliche Ausmaß von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ans Tageslicht bringen. (Foto: © mezzotint_fotolia – stock.adobe.com)

Das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland ist nicht hinreichend bekannt. Auch das Wissen um die jeweiligen Tatkontexte und die Folgen für Betroffene sind bisher unzureichend erforscht. Um diese Lücke zu schließen, startet nun eine repräsentative nationale Dunkelfeldstudie.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist nach wie vor weit verbreitet. In der Kriminalstatistik werden allerdings nur die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten und Tatverdächtigen erfasst. Ein erheblicher Teil der begangenen Straftaten bleibt unerkannt. Hier spricht man von einem sogenannten Dunkelfeld. Zudem ist nicht nur das Wissen über das Ausmaß des Missbrauchsgeschehens, sondern auch das Wissen über die sehr unterschiedlichen Tatkontexte und die jeweiligen Folgen des Missbrauchs unzureichend.

Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG), das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm sowie das Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg starten deshalb gemeinsam eine repräsentative nationale Dunkelfeldstudie zur Häufigkeit, dem situativen Kontext und den Folgen sexualisierter Gewalt zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen.

„Eine deutschlandweite Dunkelfeldstudie, die diese Themen in einer hinreichend großen und repräsentativen Stichprobe untersucht, ist überfällig“, erklärt Prof. Harald Dreßing, Leiter der Forensischen Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, der die Studie koordiniert. Den Wissensstand zu sexualisierter Gewalt in Bezug auf Häufigkeiten, den situativen Kontext und die Folgen für Betroffene zu erweitern, ist gerade auch in Zeiten multipler Krisen (Corona, Krieg in der Ukraine etc.), die zu einer „Mental Health Crisis“ (EU-Parlament) geführt haben, von besonderer Bedeutung, da erlebte frühe Belastungen auch entscheidend für den Umgang mit diesen Krisen sind.

Neben den Mitteln der beteiligten Institutionen konnten Fördermittel eingeworben werden. So wird die Studie von der Stiftung „Weißer Ring“, dem Verein „Eckiger Tisch“ und dem Bundesverband des Kinderschutzbunds unterstützt. Die Untersuchung wird gemeinsam mit dem Umfrageinstitut Infratest dimap durchgeführt.

Der Kontakt zu den ausgewählten Personen erfolgt auf schriftlich-postalischem Weg. Diese können individuell entscheiden, ob sie einen Papier-Fragebogen oder den Fragebogen auf einer Webseite online ausfüllen möchten. Insgesamt findet die Befragung in 92 auf Basis einer Zufallsstichprobe ausgewählten Gemeinden in Deutschland statt, die ein repräsentatives Abbild der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter zwischen 18 und 59 Jahren sicherstellt. In jeder dieser Gemeinden werden jeweils 100 Bürgerinnen und Bürger befragt. Die Daten werden in anonymisierter Form von den beteiligten Forschungsinstituten ausgewertet.