Kinder, die einen Elternteil durch Überdosis oder Mord verlieren, haben selbst ein erhöhtes Mortalitätsrisiko

Eine aktuelle Studie hat das Mortalitätsrisiko von Kindern nach dem Tod eines Elternteils untersucht. (Foto: © Nina Lawrenson/peopleimages.com – stock.adobe.com)

Kinder, die den Tod eines Elternteils durch eine Überdosis Drogen, ein Tötungsdelikt oder einen Suizid verkraften müssen, haben selbst ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko als Kinder aus der Allgemeinbevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie der University of Michigan (USA).

Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen bestimmten Arten, einen Elternteil zu verlieren, und dem daraus resultierenden Sterberisiko für Kinder. Dabei zeigte sich, dass im Bundesstaat Michigan in der Gruppe der Kinder, die den Tod eines Elternteils durch Überdosis, Tötungsdelikt und Suizid erlebt hatten, im 14-jährigen Beobachtungszeitraum 150 zusätzliche Todesfälle auftraten.

„Es gibt frühzeitige präventive Maßnahmen und Trauerbegleitungsangebote für Kinder, die nachweislich die Gesundheit von Kindern nach dem Tod eines Elternteils verbessern. Doch diese müssen breiter verfügbar werden, damit kein Kind allein trauert“, erklärte der Hauptautor der Studie, Sean Esteban McCabe, Professor an der U-M School of Nursing. „Der Schutz dieser Kinder durch bewährte Hilfsmaßnahmen muss für uns alle eine Priorität sein, denn es gibt kein größeres Versagen als Gemeinschaft oder Staat, als unsere Kinder nicht zu schützen.“

Elternsterblichkeit in den USA auf historischem Höchststand

Die Elternsterblichkeit hat in den USA in den vergangenen Jahren historische Höchststände erreicht und steht zunehmend mit den drei häufigsten vermeidbaren Todesursachen Überdosis, Tötungsdelikt und Suizid in Zusammenhang. Die Forschenden wollten daher ein umfassenderes Bild davon gewinnen, wie sich diese Art von Todesfällen bei Eltern auf die Kindersterblichkeit auswirkt. Den Forschenden zufolge handelt es sich vermutlich um die erste Studie dieser Art.

Wichtigste Ergebnisse:

  • Kinder, die durch eine Drogenüberdosis eines Elternteils zu Waisen wurden, weisen bis zum Alter von 17 Jahren eine um 700 Prozent höhere Sterblichkeitsrate auf als durchschnittliche Kinder. Die Sterblichkeitsraten waren bei Kindern, die einen Elternteil durch Suizid (1200% höher) oder ein Tötungsdelikt (2000% höher) verloren hatten, sogar noch höher.
  • Die Studie ergab, dass der Verlust eines leiblichen Elternteils bei Kindern das Risiko eines frühen Todes erhöht. Kinder, die einen Elternteil durch Mord verloren hatten, wiesen die höchste Kindersterblichkeitsrate auf (etwa 106 Todesfälle pro 10.000), gefolgt von Selbstmord (mehr als 66 pro 10.000) und Drogenüberdosis (fast 37 pro 10.000). Im Vergleich dazu liegen die Zahlen für Kinder im untersuchten Bundesstaat bei etwa fünf Todesfällen pro 10.000.

Für die Studie werteten die Forschenden die Geburts- und Sterbeurkunden von Eltern und Kindern aus den Jahren 1992 bis 2023 aus und identifizierten so 32.262 Kinder im Alter von 17 Jahren oder jünger, die einen leiblichen Elternteil durch Mord, Selbstmord oder Überdosis verloren hatten.

Umfeld der Kinder ist oft hilf- und sprachlos

McCabe erklärte, dass die Studie zwar wichtige Erkenntnisse liefere, durch die ausschließliche Fokussierung auf leibliche Eltern und eine Untererfassung von Todesfällen bei Vätern limitiert sei. Daher könnten die tatsächlichen Auswirkungen eines solchen Verlustes weitaus stärker sein.

„Es besteht dringender Bedarf, Lücken in der Trauerbegleitung, in der psychischen Gesundheitsversorgung sowie in der Suchtmedizin und der psychiatrischen Behandlung zu schließen“, betonte McCabe.

„Trauernde Kinder erleben oft, dass ihr Umfeld keine Ahnung hat, was es sagen soll, wenn sie über ihre Eltern sprechen wollen, die an einer Überdosis, durch Mord oder Selbstmord gestorben sind.“ Diese Isolation und dieser Mangel an Verständnis zeigten die Notwendigkeit von mehr Sensibilisierung, Aufklärung und Unterstützung, erklärte der Forscher. (ej/BIERMANN)