Kinder mit FPIES: Wahrscheinlichkeit für andere Allergien erhöht

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Mediziner vom Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP; USA) haben herausgefunden, dass bei Kindern mit der seltenen Nahrungsmittelallergie FPIES (Food Protein Induced Enterocolitis Syndrom) mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit auch noch andere allergische Erkrankungen diagnostiziert werden, wie Ekzeme, herkömmliche Nahrungsmittelallergien und Asthma.

Die Autoren der aktuellen Studie stellten aber auch fest, dass FPIES diese anderen Allergien nicht direkt verursacht. Die Studie wurde in der März-Ausgabe des „Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice“ veröffentlicht.

„Diese Arbeit ermöglicht uns eine detailliertere Sicher auf den natürlichen Verlauf von FPIES und erweitert unser Verständnis der Beziehung zwischen dieser und anderen allergischen Erkrankungen“, betont Erstautorin Dr. Melanie Ruffner von der Abteilung für Allergie und Immunologie und dem Zentrum für eosinophile Störungen im Kindesalter am CHOP. „Für Kliniker ist es wichtig zu bedenken, dass Patienten mit FPIES häufiger allergische Manifestationen aufweisen. Sie müssen daher bei Bedarf ein angemessenes Screening und eine angemessene Pflege anbieten.“

FPIES verursacht mehrere Stunden nach dem Verzehr des auslösenden Nahrungsmittels – häufig Kuhmilch, Soja und Getreide – wiederholtes Erbrechen, Durchfall und Lethargie. Die Erkrankung entwickelt sich normalerweise bereits im Säuglingsalter, obwohl sie auch gelegentlich bei älteren Kindern und Erwachsenen auftreten kann. Zwar hätten frühere Untersuchungen kollektiv gezeigt, dass Patienten mit FPIES eine erhöhte Rate von Ekzemen, anderen Lebensmittelallergien und Asthma aufweisen (atopische Allergien), jedoch sei bislang nicht nach einem möglichen kausalen Zusammenhang zwischen FPIES und anderen Allergien geforscht worden.

Zu diesem Zweck untersuchten Ruffner und ihre Mitarbeiter eine Kohorte von mehr als 150.000 pädiatrischen Patienten, von denen 214 FPIES hatten. Die Forscher verglichen die Rate atopischer Allergien bei FPIES-Patienten mit denen bei Kindern ohne FPIES. Sie beobachteten die Patienten über einen längeren Zeitraum, um festzustellen, ob es Unterschiede bezüglich des Zeitpunktes gab, an dem FPIES-Patienten im Vergleich zu anderen Patienten atopische Allergien entwickelten.

Die Autoren fanden heraus, dass die Kinder mit FPIES wesentlich höhere Allergieraten hatten als Patienten ohne diese Erkrankung. Bei FPIES-Patienten wurde eine herkömmliche Nahrungsmittelallergie etwa sechsmal häufiger diagnostiziert als bei Patienten ohne FPIES, und eine atopische Dermatitis etwa doppelt so häufig. Die Rate der Asthmadiagnosen stieg geringfügig geringer an, bei Patienten mit FPIES wurde jedoch immer noch eine höhere Rate festgestellt als bei Patienten ohne FPIES.

Bei der Analyse des Zeitpunktes der Entwicklung von Allergien und der Untersuchung der Frage, ob eine FPIES-Diagnose später im Leben atopisch Allergien nach sich zieht, fanden die Forscher keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden. Im Gegensatz zum atopischen Marsch – dem Voranschreiten atopischer Störungen von Ekzemen bei Säuglingen zu Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien und Asthma bei älteren Kindern – verursacht FPIES keine anderen allergischen Störungen, sondern ist lediglich mit ihnen assoziiert.

„Obwohl es bei Patienten mit FPIES eine erhöhte Rate an atopischen Allergien gibt, zeigen unsere Analysen, dass eine vorherige Diagnose von FPIES die Rate atopischer Allergien später im Leben nicht erhöht“, erläuter der korrespondierende Autor Dr. David Hill von Abteilung für Allergie und Immunologie des CHOP. „Dieses Muster der Assoziation stützt das Vorliegen einer noch unbekannten Ursache, beispielsweise einer gemeinsamen Prädisposition für beide Arten von Allergien.“