Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie kommen häufiger wegen Suizid oder Selbstverletzung ins Krankenhaus17. November 2022 Bin ich ein Junge, bin ich ein Mädchen – oder noch etwas anderes? Foto: Ekaterina – stock.adobe.com Eine aktuelle Studie schätzt, dass unter jungen Menschen, die in den USA ins Krankenhaus eingeliefert wurden, diejenigen mit der Diagnose Geschlechtsdysphorie vier- bis fünfmal häufiger wegen eines Suizidversuchs oder einer Selbstverletzung eingeliefert wurden als diejenigen ohne Geschlechtsdysphorie. Die Autoren fordern, die Diskriminierung von Transgender- und nichtbinären Jugendlichen zu verringern. Bei Krankenhausaufenthalten sollte ihnen eine Versorgung geboten werden, die ihr Geschlechtsempfinden bekräftigt (“gender-affirming”), insbesondere wenn sie wegen Suizid oder Selbstverletzung eingeliefert werden. Anschließend sollten sie einer geschlechtsbejahenden medizinischen und psychiatrischen Versorgung zugeführt werden. Laut der Studie, die in “The Lancet Child & Adolescent Health” erschienen ist, wurden 2019 unter den hospitalisierten jungen Menschen in den Vereinigten Staaten 66 Prozent derjenigen mit einer Geschlechtsdysphorie wegen Selbstmordversuchen oder Selbstverletzung eingeliefert, verglichen mit fünf Prozent der Patienten ohne Geschlechtsdysphorie. Die Studie untersuchte über zwei Millionen Fälle von jungen Menschen (6–20 Jahre alt), die aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus eingeliefert wurden, und ermittelte für Jugendliche mit und ohne eine geschlechtsspezifische Dysphorie-Diagnose, wie viele der Krankenhauseinweisungen mit Suizid- oder Selbstverletzungsversuchen in Zusammenhang standen. Die Autoren betonen, dass junge Menschen, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wahrscheinlich einem höheren Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung ausgesetzt sind als junge Menschen im Allgemeinen. Dr. Nadir Yehya vom Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP), USA, sagt: „Leider bestätigt unsere Studie bestehende Beweise dafür, dass Suizid- und Selbstverletzungsversuche unter Transgender- oder nichtbinären jungen Menschen häufiger vorkommen. Um dieser gefährdeten Gruppe zu helfen und negative Folgen zu verhindern, müssen wir die Diskriminierung verringern. Als Gesundheitsdienstleister haben wir die einzigartige Gelegenheit, dies zu tun, indem wir diesen Kindern bei einem Krankenhausaufenthalt eine geschlechtsgerechtere Versorgung bieten. Dazu gehören die Ansprache von Patientinnen und Patienten mit ihren bevorzugten Namen und Pronomen, die Verknüpfung mit geschlechtsbejahenden medizinischen und sozialen Hilfsangeboten sowie die Umsetzung gezielter Nachsorgeangebote bei Selbstverletzung.“ Die Studie verwendete die US-weit repräsentative Kids’ Inpatient Database (KID) in den beiden letzten verfügbaren Jahren, 2016 und 2019. Sie umfasste 80 Prozent aller pädiatrischen Entlassungen in den USA, was in beiden Jahren über drei Millionen Patienten entspricht. Um Transgender- oder nichtbinäre Jugendliche zu identifizieren, suchten die Autoren nach Patienten, bei denen Geschlechtsdysphorie oder eine andere Bezeichnung, die sich auf Geschlechtsdysphorie bezog, diagnostiziert worden war. Dann schätzten sie die Anzahl der Kinder, die wegen Selbstmordversuchen, Selbstverletzung und einer Kombination aus Selbstmordversuchen und Selbstverletzung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, und verglichen die Raten bei jungen Menschen mit und ohne Geschlechtsdysphorie. Sowohl 2016 (36 % vs. 5 %) als auch 2019 (55 % vs. 4 %) hatten junge Menschen mit Geschlechtsdysphorie im Krankenhaus eine höhere Prävalenz von Suizidversuchen als Personen ohne Geschlechtsdysphorie. In ähnlicher Weise war die Prävalenz von Selbstverletzung bei hospitalisierten jungen Menschen mit Geschlechtsdysphorie in beiden Jahren höher (13 % vs. 1 % im Jahr 2016 und 15 % vs. 1 % im Jahr 2019). Betrachteten die Forschenden beides zusammen, war die Wahrscheinlichkeit von Selbstverletzung oder Suizidversuch bei jungen Menschen mit Geschlechtsdysphorie vier- bis fünfmal höher als bei Jugendlichen ohne Geschlechtsdysphorie. Im Jahr 2016 hatten 41 Prozent der ins Krankenhaus eingelieferten jungen Menschen mit Geschlechtsdysphorie Selbstmordversuche oder Selbstverletzungen verübt, verglichen mit sechs Prozent ohne; 2019 stieg dieser Wert auf 66 Prozent gegenüber fünf Prozent. (The Lancet / ms)
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