Kinder verbringen zu viel Zeit vor dem Bildschirm9. Februar 2023 Nutzen Kleinkinder digitale Medien statt sozial mit Eltern, Geschwistern oder Freunden zu interagieren, leidet darunter ihre Kommunikationsfähigkeit. (Foto: © MEDIAIMAG – stock.adobe.com) Jedes zweite Kind zwischen vier und sechs Jahren verbringt zu viel Zeit vor dem Bildschirm. Das geht aus einer Elternbefragung im Rahmen der aktuellen AOK-Familienstudie hervor. Der tägliche Medienkonsum von Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren sollte nach Expertenmeinung eine halbe Stunde nicht überschreiten. Tatsächlich verbringen aber 52 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe mehr als eine halbe Stunde unter der Woche vor TV, Laptop und anderen digitalen Geräten. Am Wochenende sind es sogar 77 Prozent. Das geht aus einer Elternbefragung im Rahmen der aktuellen AOK-Familienstudie hervor. “Ein zu hoher und falscher Medienkonsum kann sich nachteilig auf die Gesundheit von Kindern auswirken. Vor allem dann, wenn darunter dauerhaft die Bewegung leidet. Wenn Mädchen und Jungen unbeaufsichtigt nicht altersgerechte Inhalte konsumieren, kann dies zudem Ängste bei den Kindern auslösen”, mahnt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Quelle: AOK-Bundesverband Der aktuellen AOK-Familienstudie zufolge begrenzen Erziehungsberechtigte die Bildschirmzeiten ihres Nachwuchses nicht mehr so stark wie vor vier Jahren. Gaben 2018 noch 86 Prozent der Eltern an, ihren Kindern bis zum 14. Lebensjahr in puncto Mediennutzung Grenzen zu setzen, waren es 2022 nur noch 76 Prozent. “Wir wollen Eltern dabei unterstützen, ihren Kindern so früh wie möglich beizubringen, sich in der digitalen Welt nicht zu verlieren”, so Reimann. Schon bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren werden wesentliche Grundlagen für die spätere Mediennutzung gelegt. Ab dem Frühjahr 2023 wird Medienkompetenz auch fester Bestandteil des AOK-Präventionsprogramms “JolinchenKids – fit und gesund in der Kita”, das die Krankenkasse bundesweit in mehr als 4600 Kindertagesstätten durchführt. “Unser Fokus lag bislang auf Ernährung, Bewegung und psychischem Wohlbefinden. Wir sehen aber gerade im Bereich der Medienkompetenz ein riesiges Gesundheitspotenzial und haben uns deshalb für die Erweiterung um diesen Baustein entschieden”, berichtet die AOK-Vorständin. BVKJ fordert „Bildschirmfrei bis 3“ Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) weist anlässlich des Safer Internet Days darauf hin, dass Kleinkinder bis drei Jahre ganz ohne Smartphones, Laptops und Fernseher aufwachsen sollten, bei älteren Kindern komme es auf den achtsamen Gebrauch der Geräte an. „Klettern, rennen, basteln, malen, singen – vor allem in den ersten Lebensjahren lernen Kinder mit allen Sinnen, ihren Körper zu einem Instrument zu formen, mit dem sie ihr weiteres Leben selbständig meistern können. Überlässt man sie dagegen Bildschirmmedien, haben sie diese Chance nicht. Ihre Wirklichkeits- und Selbstwirksamkeitserfahrungen leiden. Auch ihre Sprachfähigkeit kann sich ohne ein lebendiges Gegenüber, ohne Interaktion mit vertrauten Menschen nicht entwickeln. Je mehr Zeit Kinder mit Handys, Tablets oder vor dem Fernseher verbringen, desto weniger kommunizieren sie mit Eltern, Geschwistern und Freunden und desto weniger kommunikative Kompetenz entwickeln sie. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen, denn je schwerer Kommunikation im mitmenschlichen Leben fällt, desto eher besteht die Gefahr, dass Jugendliche später zum dysfunktionalen Internetgebrauch neigen”, sagte Dr. Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ.
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