Klare Nährwertkennzeichnung erleichtert Kaufentscheidung15. März 2018 Foto: © Veniamin Kraskov, Fotolia.com Weltweit leiden immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, Adipositas und ihren Folgekrankheiten. Dafür ist gerade in den Industrieländern ein Überangebot an sehr kalorienhaltigen, stark verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken mitverantwortlich. Vielen Verbrauchern ist nicht bewusst, wie viel Salz, Zucker, gesättigte Fette und damit auch Kalorien sie verzehren, da verpackte Waren häufig schwer einschätzbare Nährwertangaben aufweisen – und für Mitnehmgerichte bislang gar keine Nährwerte ausgewiesen werden müssen. In der heutigen Arbeitswelt ist der Tagesablauf zunehmend von Zeitdruck, Hektik und Arbeitsverdichtung geprägt. Daher essen immer mehr Berufstätige stark verarbeitete Lebensmittel, Mittagstisch-Gerichte in umliegenden Restaurants, von Lieferdiensten und Snacks. Das betrifft neben Büroangestellten vor allem Menschen mit außergewöhnlichen Arbeitszeiten und hoher Reisetätigkeit: Betty Amrhein z.B. ist als Visagistin und Haarstylistin häufig bei Abendveranstaltungen oder für Modeaufnahmen und Promi-Events im In- und Ausland tätig. Sie erkrankte bereits mit 37 Jahren an Diabetes Typ 2. „Bis dahin habe ich in meinem Berufsalltag oft unregelmäßig und unter Zeitdruck gegessen, meistens Mahlzeiten vom Lieferdienst. Nach Arbeitsschluss waren die Supermärkte schon zu, so dass ich auch abends zu Fertigware griff“, erzählt die Make-up-Artistin. Erst im Zuge ihrer Ernährungsumstellung nach der Diabetes-Diagnose lernte sie, Nährwertinformationen auf Lebensmittelverpackungen zu verstehen und auf ihre Portionsgrößen umzurechnen: „Jetzt, da ich mich intensiv damit beschäftige, weiß ich zum Beispiel, wo wieviel Zucker drin ist – häufig dort, wo man ihn gar nicht vermutet – und in größeren Mengen als gedacht!“ Nährwertinformationen sind meist auf der Verpackungsrückseite zu finden, allerdings häufig unter Laschen versteckt oder aufgrund kleiner Schriftgrößen schwer zu entziffern. „Aber auch bei lesbaren Tabellen ist vielen Menschen nicht klar, wie sie die Zahlenwerte aus der Nährwerttabelle für sich bewerten sollen, das höre ich jeden Tag bei mir in der Praxis“, erklärt Dr. med. Jens Kröger, diabetesDE-Vorstandsvorsitzender und niedergelassener Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf. „Dazu kommen freiwillige Angaben der Industrie, meistens in Form schöngerechneter, viel zu kleiner Portionsgrößen, die Verbrauchern einen niedrigen Nährwert vorgaukeln sollen.“ Der neue Koalitionsvertrag setzt einen Schwerpunkt in der Prävention chronischer Erkrankungen und stellt in Aussicht, dass auch über eine Visualisierung in der Nährwertkennzeichnung neu nachgedacht werden soll. „Wir befürworten das massiv“, so Kröger. „Man muss nicht immer das Rad neu erfinden, es gibt in anderen Ländern bereits brauchbare Weiterentwicklungen der Ampel, z.B. in Frankreich. In jedem Fall muss es eine Verpflichtung der Lebensmittelwirtschaft geben, verpackte Ware, „Unterwegsessen“ und Mahlzeiten von Lieferdiensten mit 4+1‘ Nährwertangaben auf der Vorderseite aller Produkte plakativ auszuweisen. Dabei sollten die Gehalte der vier maßgeblichen gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe für jeweils 100 Gramm angegeben sein: gesättigte Fette, Zucker, Salz, Ballaststoffe sowie die Kalorienzahl. Zudem sollte jede Angabe in einer Ampelfarbe unterlegt sein, die für eine Empfehlung steht: grün für ‚gut, gesundheitsförderlich‘, gelb für ‚aufpassen, in Maßen essen‘ und rot für ‚nicht gesundheitsförderlich, selten essen‘“. Denn auch über die Nährwertzusammensetzung von Produkten wie zum Beispiel belegte Brötchen, Fertigsalate oder Fast Food müssten sich Verbraucher unkompliziert informieren können, betont Dr. Kröger: „Nur so lernen Konsumenten, den Nährwert fertiger Lebensmittel einzuschätzen und gesundheitsbewusste Kaufentscheidungen zu treffen!“
Mehr erfahren zu: "Expertenkonsens sieht Ernährungsberatung als festen Bestandteil der medikamentösen Adipositas-Therapie" Expertenkonsens sieht Ernährungsberatung als festen Bestandteil der medikamentösen Adipositas-Therapie Ein europäisches Expertengremium ist sich einig: Die medizinische Ernährungstherapie, regelmäßige körperliche Aktivität und psychologische Unterstützung sind für eine erfolgreiche und langfristige medikamentöse Adipositas-Therapie unerlässlich.
Mehr erfahren zu: "Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf" Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf Eine Studie zeigt, dass ungünstigere Werte der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft – auch bei ausbleibenden Komplikationen – mit einem höheren Risiko für kardiometabolische Erkrankungen nach der Entbindung assoziiert sind.
Mehr erfahren zu: "Prädiabetes-Remission könnte Krebsrisiko verringern" Prädiabetes-Remission könnte Krebsrisiko verringern Die Remission eines Prädiabetes scheint weit mehr zu bewirken als nur die Entstehung eines Typ-2-Diabetes zu verhindern. Zwei Tübinger Professoren schlagen vor, die Rückkehr erhöhter Blutzuckerwerte in den Normalbereich als […]