Renaler Nutzen von GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren bei Typ-2-Diabetes abhängig von Albuminurie

Bild: Iryna/stock.adobe.com

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes könnte die Albuminurie ein wichtiger Marker dafür sein, bei welchen Patienten GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren einen zusätzlichen renalen Nutzen haben. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Real-World-Daten hervor.

Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung (CKD) und damit auch für ein Nierenversagen. Die Prävention einer Verschlechterung der Nierenfunktion ist daher ein wichtiger Bestandteil der Therapie. GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und SGLT2-Inhibitoren können das Risiko für Nierenerkrankungen reduzieren. In bisherigen Studien war allerdings ein großer Anteil der Patienten bereits durch eine Nierenschädigung vorbelastet. Ob sich die Ergebnisse daher auch auf Patienten ohne Hinweise auf eine Nierenschädigung übertragen lassen, war bislang unklar.

Eine neue Studie unter Leitung von Forschenden des Mass General Brigham (USA) zeigt nun, dass GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und bereits bestehender Albuminurie mit einem geringeren Risiko für eine Verschlechterung der Nierenfunktion verbunden waren. Bei Patienten ohne Albuminurie fanden die Forschenden dagegen nur wenige Hinweise auf einen renalen Zusatznutzen. Zudem war die Behandlung mit Sulfonylharnstoffen bei Patienten ohne Albuminurie mit einem schnelleren Verlust der Nierenfunktion assoziiert. Die Ergebnisse wurden im „BMJ“ veröffentlicht.

Renaler Zusatznutzen nur bei bestehender Albuminurie

Für die Studie analysierten die Forschenden die Daten aus elektronischen Patientenakten von 75.455 Patienten mit Typ-2-Diabetes aus den USA. Bei 13.872 Patienten lag bereits zu Beginn eine Albuminurie vor. Die Patienten wurden bis zu fünf Jahre nachbeobachtet. Verglichen wurde das Risiko für die Entwicklung beziehungsweise Verschlechterung einer CKD unter einer Behandlung mit GLP-1-RA oder SGLT2-Inhibitoren mit dem unter Sulfonylharnstoffen oder DPP-4-Inhibitoren. Alle Patienten hatten ein moderates kardiovaskuläres Risiko und erhielten Metformin als primäre antidiabetische Therapie.

Bei Patienten mit Albuminurie waren GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren mit deutlich besseren renalen Outcomes verbunden (geschätztes 5-Jahres-Risiko: 3,2% [95%-KI 2,3–4,1] vs. 5,4% [4,2–6,7]). Bei Patienten ohne Albuminurie zeigte sich dagegen kein signifikanter renaler Vorteil durch GLP-1-RA oder SGLT2-Inhibitoren (geschätztes 5-Jahres-Risiko: 2,4% [2,1–2,7] vs. 2,1% [1,8–2,6]).

Umgekehrt war die Behandlung mit Sulfonylharnstoffen bei Patienten ohne Albuminurie zu Studienbeginn im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren mit einem erhöhten Risiko für eine Verschlechterung der Nierenfunktion assoziiert.

Patientenzentrierte statt einheitliche Behandlung

Nach Ansicht der Forschenden sind weitere Untersuchungen erforderlich, um geeignete Strategien zur Prävention von Nierenerkrankungen bei der großen Gruppe von Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne Albuminurie zu identifizieren. Die Studie verdeutlicht nach Ansicht der Autoren die Bedeutung individueller Behandlungsansätze.

„Unsere Studie zeigt, dass wir die Diabetesbehandlung auf den einzelnen Patienten abstimmen müssen, anstatt einen einheitlichen Therapieansatz zu verfolgen“, resümiert Erstautor Dr. Alexander Turchin von der Abteilung für Endokrinologie des Mass General Brigham. Bereits eine einfache Urinuntersuchung könne dabei helfen einzuschätzen, ob ein Patient möglicherweise von der nephroprotektiven Wirkung eines GLP-1-RA oder SGLT2-Inhibitors profitiere und ob Sulfonylharnstoffe ein zusätzliches Risiko darstellen könnten. (mkl)

Das könnte Sie auch interessieren:

Inkretinbasierte Therapien: Zugelassene Wirkstoffe und Pipeline-Kandidaten im Überblick

US-Studie: Finerenon als Zusatztherapie bei Typ-2-Diabetes und CKD etabliert