Zi: „Passgenaue Beratung stärkt Niederlassungsbereitschaft“

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Rund 20.000 ambulant angestellte Ärztinnen und Ärzte in Deutschland können sich eine eigene Niederlassung vorstellen oder planen sogar eine solche: Das schlussfolgert das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) aus einer aktuellen Befragung und daraus hochgerechneten Zahlen.

Für viele Ärztinnen und Ärzte sei die ambulante Anstellung kein Gegenmodell zur eigenen Praxis, meint das Zi. Es geht davon aus, dass die Anstellung „häufig als Orientierungs- oder Vorbereitungsphase für eine spätere Niederlassung“ diene. Grundlage dieser Einschätzung sind offenbar auch Ergebnisse einer bundesweiten Angestelltenbefragung, die das Zi im Zeitraum Januar bis April 2025 unter mehr als 3200 angestellten Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu ihrer aktuellen beruflichen Situation durchgeführt hatte. Die Ergebnisse hat das Institut gerade veröffentlicht. Die Befragung ist Teil einer Zi-Studie zur ärztlichen und psychotherapeutischen Karrierewahl und Existenzgründung (KWEX) und ergänzt die 2024 ausgewertete Befragung von Neu-Niedergelassenen.

Übertrage man die gewichteten Befragungsanteile auf die Grundgesamtheit von rund 55.000 in Deutschland ambulant Angestellten, ergäben sich rechnerisch etwa 8000 Personen mit konkreter Niederlassungsabsicht, teilte das Zi mit. Weitere rund 12.000 schließen nach dieser Rechnung diesen Schritt zum Befragungszeitpunkt nicht aus. Unter den bis 49-Jährigen seien es dann rund 7000 Niederlassungswillige und etwa 10.000 Unentschlossene. Insgesamt bejahten 14,8 Prozent der Befragten eine spätere Niederlassung, 21,8 Prozent seien noch unentschlossen.

Vor allem Jüngere denken über Niederlassung nach

Als besonders hoch wertet das Zi die Bereitschaft zur eigenen Praxis in jüngeren Altersgruppen: Von den unter 35-Jährigen planen demnach 39,8 Prozent eine Niederlassung, weitere 45,4 Prozent sind unentschlossen. Auch bei den 35- bis 39-Jährigen bejaht knapp ein Drittel (31,5%) die Frage.

Mit zunehmendem Alter sinke die Niederlassungsabsicht deutlich, so das Zi. Für noch aussagekräftiger hält das Insitut die Selbsteinordnung der Befragten: 14,4 Prozent verstehen ihre Anstellung als Übergang in die Niederlassung, 15,8 Prozent als Phase beruflicher Orientierung. Unter denjenigen, die ihre Anstellung ausdrücklich als Übergang zur eigenen Praxis beschreiben, haben 73,4 Prozent konkrete Niederlassungspläne. Weitere 25 Prozent sind noch unentschlossen.

Kein Entweder-Oder, sondern differenziertes Bild

„Die Debatte über Anstellung und Niederlassung wird häufig als Entweder-Oder geführt“, sagt der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. „Unsere Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Für viele in der ärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung Tätige ist die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis. Dieses Potenzial sollten wir gezielt erschließen – mit weniger Bürokratie, verlässlichen Rahmenbedingungen und gezielter Unterstützung, die zur jeweiligen Lebens- und Karrierephase passt.“

Ergänzend wies Stillfried darauf hin, dass die Befragungsergebnisse aus der Zeit vor Beschluss und Inkrafttreten des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes stammten: „Für die Praxen und insbesondere für diejenigen, die sich mit Plänen zur Niederlassung befassen, ist die Kontinuität der Rahmenbedingungen wichtig. Greift der Gesetzgeber mit Steuerungsimpulsen im Sinne politisch gewünschter Leistungen ein und ändert die Voraussetzungen dann kurzfristig mit Einbußen für die Praxen, führt dies zu Vertrauensverlust bei den Praxen. Dies kann die Niederlassungsbereitschaft deutlich beeinträchtigen.“

Die aktuellen Befragungsergebnisse schließen an die Resultate des Zi-Praxis-Panels 2023 an: Bei rund einem Drittel der bereits konkret geplanten Praxisübergaben sollte die Praxis durch ambulant Angestellte übernommen werden – überwiegend durch Personen, die dort bereits tätig waren. Neben potenziellen Praxisübernehmenden stuft das Zi deshalb auch Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber als wichtige Adressaten von Maßnahmen zur Sicherung der Praxisnachfolge ein.

Befragung zur aktuellen beruflichen Situation

Reduzierte vertragliche Stundenumfänge sind laut der Zi-Befragung weit verbreitet: 64,4 Prozent haben höchstens 30 Wochenstunden vereinbart, bei 53,5 Prozent sind es höchstens 20 Stunden. Tatsächlich arbeiten die Befragten im Mittel jedoch rund drei Stunden pro Woche länger als vertraglich vorgesehen. Zudem üben 35,5 Prozent mindestens eine weitere Erwerbstätigkeit aus: von ihnen sind 46,7 Prozent zusätzlich in einer Klinik beschäftigt, weitere 18,7 Prozent in der Lehre. Teilzeitquoten allein bilden den tatsächlichen Arbeitseinsatz daher nur unvollständig ab.

Die größten Hürden auf dem Weg in die eigene Praxis sehen die Befragten außerhalb der medizinischen und psychotherapeutischen Tätigkeit. Besonders häufig genannt werden administrativer Aufwand, zeitliche Planung und Organisation, fehlendes betriebswirtschaftliches Vorwissen, Finanzierung, Zulassungsverfahren und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

„Wer sich eine Niederlassung grundsätzlich vorstellen kann, scheitert oft nicht an der Versorgungsidee, sondern an der Sorge vor Bürokratie, wirtschaftlichen Risiken und organisatorischer Überforderung. Gerade Unentschlossene brauchen deshalb frühzeitige, niedrigschwellige und sehr konkrete Hilfen – von Finanzierung und Zulassung über Abrechnung und Personalführung bis zur Vereinbarkeit mit Familie und Privatleben“, erklärt von Stillfried. Die Informations- und Beratungsangebote der Kassenärztlichen Vereinigungen seien unter den abgefragten Angeboten sehr häufig bekannt und würden stark genutzt.

Der Bericht legt nahe, diese Angebote noch stärker am jeweiligen Entscheidungsstand auszurichten: Unentschlossene benötigen zunächst Orientierung zu Chancen, Risiken und realistischen Niederlassungsformen, während Personen mit konkreten Plänen vor allem praktische Unterstützung bei Finanzierung, Praxismanagement, Abrechnung, Steuerfragen, regulatorischen Anforderungen und Digitalisierung brauchen.