Klinikum Bielefeld: Neuartige Katheter-Herzklappe erstmalig in Nordrhein Westfalen implantiert

Das Team um Christoph Stellbrink (2. v.l.) vom Klinikum Bielefeld implantierte erstmalig in Nordrhein-Westfalen die TricValve. Foto: Klinikum Bielefeld

Am 5. April 2022 wurde im Klinikum Bielefeld-Mitte durch das Team des Direktors der Universitätsklinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Univ.-Prof. Christoph Stellbrink, erstmalig in NRW ein neuartiges Herzklappensystem implantiert, eine sogenannte TricValve.

Nach Klinikangaben wurden weltweit erst 300 solcher Klappen implantiert, in Deutschland gerade einmal 25. Das System kommt bei sehr schwerer Trikuspidalklappeninsuffizienz zum Einsatz – und zwar dann, wenn weder eine Möglichkeit zur Herzoperation noch zu anderen, häufiger durchgeführten Katheterverfahren besteht. Die TricValve besteht eigentlich aus zwei Klappen, die in die obere und untere Hohlvene eingesetzt werden und damit das rechte Herz entlasten. Eingesetzt werden die Klappen mittels Herzkatheter über die Leiste. Entwickelt wurde das neuartige Klappensystem in Deutschland und Österreich.

Der 75-jährige Bielefelder Patient, der nun von Stellbrink und seinem Team operiert wurde, hätte zuvor lange stationär behandelt werden müssen, heißt es vom Klinikum Bielefeld. Demnach hing er an Infusionsschläuchen und benötigte wiederholte Punktionen, um Wasser aus den Lungen zu ziehen. Leber und Niere seien bereits in Mitleidenschaft gezogen gewesen.

„Der Eingriff ist erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen und unser Patient hat sich gut erholt“, freut sich Oberarzt PD Dr. Lawrenz, der den Eingriff durchführte. „Früher konnte so schwer kranken Patienten kaum noch geholfen werden. Jetzt haben wir die Möglichkeit, zumindest eine Chance auf deutliche Linderung der Beschwerden zu bieten“, betont Stellbrink.

Die Bielefelder Kardiologen warnen jedoch vor zu viel Euphorie: „Dieses neue Klappensystem kommt nur für wenige Patienten in Frage. Es braucht eine sorgfältige Patientenauswahl und ein gut eingespieltes Team – vor, während und nach der Operation. Jeder Fall wird vorab auch mit unseren herzchirurgischen Partnern im Herzzentrum Bad Oeynhausen besprochen, ob nicht doch ein operatives Vorgehen möglich ist“, erklären sie.

Das Katheter-Herzklappen-Programm am Klinikum Bielefeld ist schon seit mehreren Jahren etabliert, im letzten Jahr wurde die Klinik von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als Herzklappenzentrum zertifiziert.