Kognitionstest: Führen Hörgeräte zu besseren Ergebnissen?16. Januar 2026 Symbolfoto: Richard Johnson/stock.adobe.com Eine Studie konnte zeigen, dass Hörgeräte bei mittelgradigem Hörverlust das Abschneiden im Kognitionstests kaum beeinflussten. Die Ergebnisse belegen aber auch einen Zusammenhang zwischen Hörgeräte-Nutzung und geringerem Demenzrisiko. „Hörverlust tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf, und frühere Forschungen haben gezeigt, dass er das Risiko für Gedächtnis- und Denkprobleme, einschließlich Demenz, erhöhen kann. Weniger bekannt ist jedoch, wie sich die Behandlung von Hörverlust mit Hörgeräten auf die Gehirngesundheit auswirkt“, erklärte Studienautorin Dr. Joanne Ryan von der Monash University in Melbourne, Australien. „Unsere Studie begleitete Menschen mit Hörverlust, von denen einige Hörgeräte verschrieben bekamen und andere nicht. Wir stellten fest, dass die kognitiven Testergebnisse in beiden Gruppen ähnlich waren. Wir fanden jedoch auch heraus, dass Hörgeräte mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden waren“, fasste Ryan die Studienergebnisse zusammen. Studie begleitete Menschen jenseits der 70 mit Hörverlust Das Team um Ryan untersuchte 2777 Personen in Australien mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren, knapp die Hälfte davon weiblich (48 %). Zu Studienbeginn hatten die Teilnehmenden keine Demenz. Alle wiesen eine mittelgradige Schwerhörigkeit auf – definiert als selbstberichtete Hörprobleme – hatten aber noch nie Hörgeräte getragen. Im Verlauf der Studie erhielten 664 Personen Hörgeräte. Sie beantworteten Fragen zur Häufigkeit ihrer Hörgerätenutzung. Alle Teilnehmenden wurden sieben Jahre lang begleitet und absolvierten jährlich kognitive Tests. Diese Tests erfassten Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Während der Studie entwickelten 117 Personen eine Demenz. Hörgeräte oder nicht? – Ergebnisse der kognitiven Tests ähneln sich Die Autoren verglichen die Teilenehmenden mit Hörgeräten mit denen ohne. Mithilfe der parametrischen g-Formel schätzten sie Beobachtungsmodelle des Intention-to-Treat-Effekts. Dabei simulierte die Verordnung von Hörgeräten die Zuteilung. Nur die kognitiven Ergebnisse von Überlebenden wurden analysiert. Fehlende Daten zu Kovariaten und kognitiven Ergebnissen wurden mittels multipler Imputation ersetzt. Zusätzlich simulierten die Forschenden eine zweite Zielstudie mit den Behandlungsstrategien Hörgerät „nie“ (1), „selten/manchmal“ (2) oder „häufig/immer“ (3) zu verwenden. Die durchschnittlichen Ergebnisse der kognitiven Tests waren in beiden Gruppen während der Studie ähnlich (mittlere Differenz 0,03 Standardabweichungen; 95%-Konfidenzintervall [KI] -0,14 bis 0,21). Das Tragen von Hörgeräten sei also nicht mit besseren Testergebnissen verbunden gewesen, wie die Autoren berichteten. Ohne Hörgerät steigt das Demenzrisiko Nachdem sie jedoch Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen wie Diabetes und Herzkrankheiten berücksichtigt hatten, zeigte sich, dass Personen, die ein Hörgerät nutzten, ein um fünf Prozent erhöhtes Risiko hatten, während der Studie an Demenz zu erkranken. Allerdings hatten im Vergleich dazu Personen ohne Hörgerät ein um 7,5 Prozent höheres Risiko (Risikoverhältnis [RR] 0,67; 95 %-KI 0,37–0,97). Dies entspreche einem um 33 Prozent geringeren Demenzrisiko für Hörgerätenutzer, so die Schlussfolgerum der Studienautoren. Das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen – einschließlich kognitivem Abbau und Demenz – lag bei 36,1 Prozent mit Hörgeräte-Verordnung und bei 42,4 ohne Verordnung (RR 0,85; 95 %-KI 0,70–1,00). Damit ergebe sich für die Teilnehmergruppe mit Hörgerät ein um 15 Prozent geringeres Risiko. Außerdem erwies sich das Risiko für Demenz und kognitive Beeinträchtigungen als umgekehrt proportional dazu, wie häufig die Studienteilnehmer ihre Hörgeräte auch nutzten. Studienteilnehmer hatten zu Beginne gute kognitive Funktion Ryan erklärte, dass das Ergebnis eines geringeren Demenzrisikos bei gleichzeitig geringer Verbesserung der kognitiven Testergebnisse unerwartet sei. Es lasse sich aber durch verschiedene Faktoren erklären: „Ein Faktor könnte sein, dass die meisten Studienteilnehmer zu Beginn der Studie eine gute kognitive Gesundheit aufwiesen. Dadurch fiel das Verbesserungspotenzial durch Hörgeräte geringer aus.“ „Wir konnten zwar keinen Unterschied in den kognitiven Testergebnissen feststellen. Trotzdem deutet unsere Studie darauf hin, dass die Verwendung von Hörgeräten bei älteren Erwachsenen mit Hörverlust das Risiko für Demenz und kognitive Beeinträchtigungen senken und somit die Hirngesundheit fördern kann“, betonte Ryan. „Weitere Studien sind erforderlich, um zu verstehen, wie Hörgeräte Gedächtnis, Denken und die allgemeine Hirngesundheit unterstützen können.“ Eine Einschränkung der Studie bestand darin, dass die meisten Teilnehmer zu Beginn gesund waren und über gute kognitive Fähigkeiten verfügten. Damit seien die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Menschen übertragbar, die weniger gesund sind oder bereits Gedächtnisprobleme haben, erläuterten die Autoren. (ja/BIERMANN)
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