Kolorektalkrebs: Regelmäßige ASS-Einnahme senkt Wahrscheinlichkeit am stärksten bei Personen mit höchstem Risiko2. August 2024 Foto: © fizkes/stock.adobe.com Unter Männern und Frauen, die für mehr als 30 Jahre nachbeobachtet wurden, profitierten diejenigen mit einem weniger gesunden Lebensstil am meisten von einer regelmäßigen Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS). Die in „JAMA Oncology“ veröffentlichte Studie könnte zu einem differenzierteren Ansatz bei der vorbeugenden Einnahme von Aspirin ermutigen, glauben die Autoren. „Wir wollten Personen identifizieren, die mit höherer Wahrscheinlichkeit von einer Aspirineinnahme profitieren, um personalisiertere Präventionsstrategien zu ermöglichen“, erläutert Co-Seniorautor Dr. Andrew Chan, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Mass General Cancer Center sowie Leiter der Abteilung Gastroenterologie am Center for Young Adult Colorectal Cancer am Massachusetts General Hospital (MGH; beide USA). In den USA hatte die Preventive Services Task Force früher die tägliche Einnahme von niedrig dosiertem ASS zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Kolorektalkarzinomen bei allen Erwachsenen im Alter von 50 bis 59 Jahren (der Altersgruppe mit dem höchsten Risiko für Dickdarmkrebs) empfohlen. 2016 zog sie die Empfehlung teilweise zurück: Grund dafür waren Bedenken, dass ASS das Risiko für Magen-Darm-Blutungen erhöhe. Für ihre aktuelle Studie analysierten die Forschenden Gesundheitsdaten von 107.655 Teilnehmern aus der Nurses‘ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study. Eine regelmäßige ASS-Einnahme wurde definiert als entweder zwei oder mehr Tabletten in Standarddosis (325 mg) pro Woche oder die tägliche Einnahme niedrig dosierter ASS (81 mg). Die Wissenschaftler verglichen die Kolorektalkrebsraten unter Personen, die regelmäßig ASS einnahmen, mit den bei solchen, die darauf verzichteten. Die Nachbeobachtung der Studienteilnehmer begann in einem Durchschnittsalter von 49,4 Jahren. Bei denjenigen, die regelmäßig ASS verwendeten, lag die kumulative Zehn-Jahres-Inzidenz von Kolorektalkrebs bei 1,98 Prozent, verglichen mit 2,95 Prozent bei Probanden ohne regelmäßig Einnahme von ASS. Diejenigen mit den meisten Risikofaktoren haben den größten Nutzen Der Nutzen von ASS war bei denjenigen mit dem ungesündesten Lebensstil am größten. Diejenigen mit den niedrigsten Werten für einen gesunden Lebensstil besaßen ein 3,4-prozentiges Risiko für Kolorektalkrebs, wenn sie nicht regelmäßig ASS einnahmen, sowie ein 2,12-prozentiges Kolorektalkrebsrisiko bei regelmäßiger Anwendung von ASS. Im Gegensatz dazu lag die Dickdarmkrebsrate bei denjenigen mit den höchsten Werten für einen gesunden Lebensstil bei 1,5 Prozent in der Gruppe mit beziehungsweise bei 1,6 Prozent in der Gruppe ohne regelmäßige ASS. Dies bedeutet, dass in der am wenigsten gesunden Gruppe die Behandlung von 78 Patienten mit ASS einen Fall von Dickdarmkrebs über einen Zeitraum von zehn Jahren verhindern würde, während in der gesündesten Gruppe die Behandlung von 909 Patienten erforderlich wäre, um einen solchen Fall zu vermeiden. Die Lebensstilwerte wurden anhand des Body-Mass-Index, der Häufigkeit des Zigaretten- und Alkoholkonsums, der körperlichen Aktivität und der Einhaltung einer hochwertigen Ernährung berechnet. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Aspirin das deutlich erhöhte Risiko bei Personen mit mehreren Risikofaktoren für Dickdarmkrebs proportional senken kann“, erklärt Dr. Daniel Sikavi, Hauptautor der Studie und Gastroenterologe am MGH. „Im Gegensatz dazu haben Personen mit einem gesünderen Lebensstil ein geringeres Grundrisiko für Kolorektalkrebs, und daher war bei ihnen der Nutzen durch Aspirin immer noch offensichtlich, wenn auch weniger ausgeprägt.“ Und wo liegt in der Praxis die Bedeutung der Studie? Möglicherweise könnten „Gesundheitsdienstleister stärker in Erwägung ziehen, Patienten mit einem weniger gesunden Lebensstil Aspirin zu empfehlen“, sagt Co-Seniorautor Dr. Long H. Nguyen von den Abteilungeb für klinische und translationale Epidemiologie sowie für Gastroenterologie am MGH. In die Studie einschlossen waren zwar Personen, die in der Kategorie der regelmäßigen ASS-Einnahme zweimal wöchentlich eine Standarddosis (325 mg) ASS verwendeten, doch „auf der Grundlage früherer Studien spricht die höchste Evidenz für eine tägliche, niedrig dosierte (81 mg) ASS-Einnahme zur Prävention“, erklärt Sikavi. In älteren Untersuchungen ergaben sich Hinweise darauf, dass ASS die Produktion entzündungsfördernder Proteine (Prostaglandine) reduzieren kann, die die Entstehung von Krebs fördern können. ASS kann auch Signalwege blockieren, die ein unkontrolliertes Zellwachstum verursachen, die Immunantwort gegen Krebszellen beeinflussen und die Entwicklung von Blutgefäßen hemmen, die Krebszellen mit Nährstoffen versorgen. „Aspirin verhindert wahrscheinlich durch mehrere Mechanismen Dickdarmkrebs“, erklärt Chan. In der aktuellen Studie wurden keine möglichen Nebenwirkungen der täglichen Einnahme von ASS untersucht, wie etwa Blutungen. Obwohl die Wissenschaftler sich bemühten, ein breites Spektrum an Risikofaktoren für Kolorektalkrebs zu berücksichtigen, ist es beim Vergleich von Gruppen, die kein ASS einnahmen und solchen, die dasselbe Risiko hatten, möglich, dass es aufgrund des beobachtenden Charakters der Studie zusätzliche Faktoren gab, die die Ergebnisse beeinflusst haben.
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