Kombinierte Immuntherapie verlängert das Überleben beim kleinzelligen Lungenkarzinom

Symbolbild KI-generiert mit ChatGPT.

Die Kombination aus Tarlatamab und Durvalumab verlängerte in der Phase-3-Studie DeLLphi-305 das mediane Gesamtüberleben von Patientinnen und Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium um mehr als acht Monate. Die Ergebnisse sprechen dafür, den bispezifischen T-Zell-Engager Tarlatamab bereits früher im Behandlungsverlauf einzusetzen.

Die Ergebnisse der randomisierten, offenen, multizentrischen Phase-3-Studie DeLLphi-305 wurden am 24. Oktober 2026 im Rahmen des Presidential Symposiums auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid vorgestellt. Präsentiert wurden sie von Dr. Jacob Sands, stellvertretender Leiter des Lowe Center for Thoracic Oncology am Dana-Farber Cancer Institute. Zeitgleich wurden die Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Überlebensvorteil durch Kombination in der Erhaltungstherapie

Die Studie untersuchte Tarlatamab in Kombination mit Durvalumab als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patientinnen und Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) im fortgeschrittenen Stadium (extensive stage, ES-SCLC). Voraussetzung war, dass die Erkrankung nach einer initialen Behandlung mit Durvalumab sowie einer platinbasierten Chemotherapie mit Etoposid nicht fortgeschritten war.

Insgesamt wurden 563 Patientinnen und Patienten randomisiert einer Erhaltungstherapie mit Tarlatamab plus Durvalumab oder Durvalumab allein zugeteilt.

Unter der Kombinationstherapie betrug das mediane Gesamtüberleben 21,1 Monate. Damit war es mehr als acht Monate länger als unter Durvalumab allein. Zudem verringerte die Kombination das Sterberisiko um 58 Prozent. Der Überlebensvorteil zeigte sich konsistent über verschiedene untersuchte Patientengruppen hinweg, darunter auch Patienten mit Hirn- oder Lebermetastasen.

Auch beim progressionsfreien Überleben ergab sich ein deutlicher Unterschied: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,9 Monaten betrug das mediane progressionsfreie Überleben unter Tarlatamab plus Durvalumab 7,4 Monate, verglichen mit 1,9 Monaten unter Durvalumab allein. Das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod war in der Kombinationsgruppe um 66 Prozent reduziert.

Nach einem Jahr lebten knapp 80 Prozent der Patientinnen und Patienten unter der Kombinationstherapie, gegenüber 53 Prozent unter Durvalumab allein. Auch die antitumorale Aktivität war in der Kombinationsgruppe deutlich ausgeprägter: Sechsmal so viele Patientinnen und Patienten zeigten ein Ansprechen auf die Behandlung wie unter Durvalumab allein.

Tarlatamab eröffnet neuen Ansatz in der Erstlinien-Erhaltung

Tarlatamab ist ein bispezifischer T-Zell-Engager, der an CD3 auf T-Zellen des Immunsystems und an DLL3 auf den Tumorzellen des SCLC bindet. Dadurch bringt der Wirkstoff T-Zellen und Tumorzellen räumlich näher zusammen und soll so die Immunantwort gegen den Tumor verstärken.

Tarlatamab ist in den USA bereits für die Behandlung des ES-SCLC nach Progression unter oder nach einer platinbasierten Chemotherapie zugelassen. Die Ergebnisse von DeLLphi-305 zeigen, dass der Wirkstoff auch in der Erstlinien-Erhaltungstherapie einen Überlebensvorteil bieten kann.

Das SCLC zählt zu den besonders aggressiven Lungenkrebsformen und breitet sich häufig frühzeitig aus. Rund 80 Prozent der Patienten mit SCLC werden mit einem ES-SCLC diagnostiziert. Die Erstbehandlung besteht üblicherweise aus einer Chemotherapie in Kombination mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor. Das mediane Überleben unter einer Erstlinientherapie lag bislang bei etwa zwölf bis 13 Monaten; Fortschritte in der Erstlinienbehandlung waren begrenzt. Vor diesem Hintergrund ist das in DeLLphi-305 beobachtete mediane Gesamtüberleben von 21,1 Monaten von besonderer Bedeutung.

Nebenwirkungen der Kombinationstherapie

Das Nebenwirkungsprofil der Kombination entsprach nach Angaben der Forschenden im Wesentlichen den bekannten Effekten der einzelnen Wirkstoffe. Zu den berichteten Nebenwirkungen gehörten eine verminderte Neutrophilenzahl, Appetitminderung, Fatigue und Gewichtsverlust.

Ein Zytokinfreisetzungssyndrom (Cytokine Release Syndrome) trat bei 49,6 Prozent der Patienten auf. Die meisten Fälle waren vom Schweregrad 1 oder 2 und konnten überwiegend mit unterstützenden Maßnahmen behandelt werden.

Sands betonte, dass viele Patienten mit ES-SCLC unter den bisherigen Therapien rasch einen Rückfall erleiden und eine Zweitlinientherapie nicht mehr erreichen. Die Ergebnisse unterstrichen daher die Bedeutung weiterer Fortschritte in der Erstlinienbehandlung.

Die Studie DeLLphi-305 wurde von Amgen gesponsert. AstraZeneca stellte einen Teil der Finanzierung sowie Durvalumab bereit.

(lj/BIERMANN)