Kombinierter Immunmarker sagt Ansprechen auf adjuvante Immuntherapie bei muskelinvasivem Hochrisiko-Urothelkarzinom vorher

Die Forscher benutzten für ihre Studie einen kombinierten Biomarker aus T- und B-Zell-Signaturen. Grafik (Symbolbild): HamjaIU – stock.adobe.com

Durch eine Kombination zweier Immunmarker lässt sich herausfinden, welche Patienten mit muskelinvasivem Hochrisiko-Urothelkarzinom von einer adjuvanten Immuntherapie mit einem Checkpoint-Inhibitor profitieren. Die Autoren einer aktuellen Studie verbanden den Status zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) aus Daten früherer Studien mit dem Gesamtüberleben (OS) der Patienten und dem kombinierten Immunmarker.

In der Studie IMvigor010 wurde Atezolizumab, ein Inhibitor des Programmed Cell Death Protein 1 Ligand 1 (PD-L1) als adjuvante Immuntherapie gegenüber einer reinen Beobachtung bei Patienten mit muskelinvasivem Hochrisiko-Urothelkarzinom geprüft. Spätere Analysen hatten gezeigt, dass Patienten, bei denen nach der Zystektomie ctDNA im Blut nachweisbar war, ein hohes Rückfallrisiko hatten und signifikant von einer Behandlung mit Atezolizumab profitierten. Bei ctDNA-negativen Patienten konnte kein Überlebensvorteil durch die zusätzliche Immuntherapie festgestellt werden.

In der einarmigen ABACUS-Studie wurde Atezolizumab vor der Zystektomie (neoadjuvant) getestet. Auch hier spielte die ctDNA eine Rolle: Patienten, die vor der Therapie ctDNA-negativ waren, erlitten in der Studie keine Rückfälle.

B- und T-Zell-Signatur gekoppelt

Roy Elias und Kollegen von der Johns Hopkins University wählten in ihrer neuen Analyse als Marker für den Immunstatus die Expression einer Pan-B-Zell-Gensignatur (BGS) und einer CD8-T-Effektorzell-Gensignatur (CD8TGS) im Tumor. Die Expression in der Tumor-RNA-Sequenzierung definierte Patientengruppen mit hoher (Hi) und niedriger (Lo) Expression der B-Zell- bzw. CD8-T-Zell-Signatur. Diese Befunde fassten Elias et al. in dem gemeinsamen Biomarker B8T zusammen.

Es zeigte sich, dass die Gruppe mit hoher B-Zell- und hoher CD8-T-Zell-Signatur (B8T Hi/Hi) unabhängig von der Therapie ein sehr gutes OS hatte. Atezolizumab brachte den Patienten keinen zusätzlichen Vorteil – selbst dann nicht, wenn ctDNA nachweisbar war. Die Signatur B8T Hi/Hi erwies sich hier also als prognostischer Marker für ein langes OS.

Ganz anders sah es bei den Tumoren mit hoher B-Zell-, aber niedriger CD8-T-Signatur (B8T Hi/Lo) aus. In dieser Gruppe war Atezolizumab klar mit einem längeren OS verbunden – und zwar unabhängig davon, ob ctDNA nachweisbar war oder nicht.

Bessere Differenzierung als durch ctDNA-allein

Damit identifiziert die Signatur sowohl ctDNA-negative Patienten, die dennoch von der Immuntherapie profitieren, als auch ctDNA-positive, die trotz ihres hohen Risikos keinen Nutzen haben. Zusätzliche Analysen der ABACUS-Daten zeigten, dass Atezolizumab vor der Operation häufig zu einer Umwandlung des Tumormilieus in Richtung eines B8T-Hi/Hi Profils-führt, was auf eine verstärkte Immunaktivierung schließen lässt.

Insgesamt deutet die Arbeit darauf hin, dass der kombinierte B8T-Status ein vielversprechender Marker ist, um Übertherapie zu vermeiden und die Immuntherapie gezielter einzusetzen.

(ms/BIERMANN)