Komorbiditäten bei schwerem Asthma treten in Clustern auf28. Mai 2026 Foto: AntonioDiaz/stock.adobe,com Menschen mit schwerem Asthma kämpfen laut einer aktuellen Studie mit oft übersehenen Komorbiditäten, die in Clustern auftreten. Chronische Begleiterkrankungen sind oft Adipositas oder Osteoporose sowie schwere Allergien oder chronische Rhinosinusitis. Die Studie unter der Leitung von Dr. Ramesh Kurukulaaratchy von der University of Southampton liefert die erste detaillierte Beschreibung, wie chronische Begleiterkrankungen bei Patienten mit schwerem Asthma regelmäßig gemeinsam auftreten. Kurukulaaratchy zufolge zeigen die Ergebnisse, dass nahezu alle Asthmapatienten mindestens an einer weiteren schweren Erkrankung litten. Die meisten Patietnen hatten jedoch an drei oder mehr. Das Team um Erstautorin Dr. Anna Freeman von der University of Southampton hat die Studienergebnisse in „The Lancet Regional Health Europe“ veröffentlicht. Versorgung von Menschen mit schwerem Asthma verbessern „Die von uns identifizierten Muster standen im Zusammenhang damit, wie gut das Asthma kontrolliert war, wie häufig Anfälle auftraten und welche Behandlungen erforderlich waren“, erklärte Kurukulaaratchy. Er hofft: „Ein besseres Verständnis dieser Muster wird uns helfen, über das Asthma allein hinauszuschauen und die Versorgung von Menschen mit schwerem Asthma zu verbessern.“ Für die Studie analysierten Freeman et al. Querschnittsdaten von 2700 Patienten aus elf europäischen Ländern. Die Daten stammen aus der paneuropäischen Datenbank der Severe Heterogeneous Asthma Research Collaboration: Patient Centred (SHARP). Diese umfasst auch nationale Register für schweres Asthma. Drei Cluster in allen Regionen Die Autoren gruppierten Patienten nach vier europäischen Regionen (Nord, Süd, Ost und West). Zur Charakterisierung der Korrelationsstruktur der zehn häufigsten Komorbiditäten innerhalb dieser geografischen Regionen verwendeten die Forschenden eine hierarchische Clusteranalyse. Anschließend wurden Multimorbiditäts-Phänotypen (MMP) sowie deren klinische Merkmale definiert. Dabei konnten die Autoren drei Cluster von Begleiterkrankungen in allen vier europäischen Regionen konsistent beobachten: Osteoporose plus steroidinduzierte Gewichtszunahme, Ekzem plus Rhinitis Chronische Rinosinusitis plus Nasenpolypen. Bei vier weiteren Begleiterkrankungen (Adipositas, Bronchiektasen, gastroösophageale Refluxkrankheit, psychologische Faktoren) zeigte sich eine variable Clusterbildung. Insgesamt war Multimorbidität allgegenwärtig. Multimorbidität bei schwerem Asthma häufig Das Autorenteam teilte die Patienten entsprechend der Zuordnung zu den Clustern in Multimorbiditäts-Phänotypen (MMP) ein. Am häufigsten waren sinonasal-assoziierte MMP und MMP ohne spezifische Clusterzuordnung. Bei steroidassoziierter Multimorbidität zeigte sich der höchste Einsatz von oralen Dauersteroiden, die Betroffenen hatten den höchsten Body-Mass-Index sowie die schlechteste Lungenfunktion und Asthmakontrolle. Außerdem wurde in dieser Gruppe die höchste Exazerbationsfrequenz beobachtet. Der Phänotyp mit maximaler Multimorbidität wies eine hohe Prävalenz variabel zugeordneter Begleiterkrankungen sowie einen erhöhten Bedarf an oralen Dauersteroiden und Biologika auf. Damit zeigen die Studienergebnisse, dass Multimorbidität bei schwerem Asthma häufig ist. Sie lässt sich in reproduzierbare, neuartige Phänotypen mit charakteristischen klinischen Merkmalen und Verläufen einteilen. Werden diese Phänotypen erkannt, könnte das eine bessere Versorgung des „ganzen Patienten“ mit schwerem Asthma ermöglichen, so die Einschätzung der Autoren – insbesondere mit Blick auf eine stärker personalisierte Versorgung. Autoren empfehlen übermäßigen Einsatz von Corticosteroiden zu vermeiden Zusammengenommen legen die Ergebnisse laut Freeman et al. die Grundlage für einen praktisch anwendbaren Rahmen, um Multimorbiditätsmuster zu erkennen und beim Management von schwerem Asthma zu adressieren. Als „entscheidenden Punkt für die klinische Praxis“ sehen die Autoren in diesem Zusammenhang, den übermäßigen Einsatz von oralen Corticosteroiden zu vermeiden. Dabei sollten bei einigen Patienten biologische Strategien frühzeitig erwogen werden. Zusätzlich dazu beziehungsweise bei anderen Patienten sollten multimodale Ansätze implementiert werden, um spezifischer Multimorbiditätsmuster zu adressieren, empfehlen die Autoren. Zudem sollten künftige klinische Leitlinien dieses Verständnis der Multimorbidität fördern, um eine effektivere personalisierte Asthmatherapie zu unterstützen. „Mit unseren Ergebnissen können wir die Lebensqualität von Millionen Menschen in Europa verbessern, die derzeit Schwierigkeiten haben, ihr schweres Asthma unter Kontrolle zu halten“, betonte Freeman. (ja/BIERMANN)
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