Kongress-Organisation im Zeichen der Corona-Pandemie17. April 2020 Prof. Jens Rassweiler, DGU-Präsident und Präsident des 72. DGU-Kongresses in Leipzig, organisiert die Veranstaltung unter außergewöhnlichen Bedingungen. Foto: Bertram Solcher, DGU Die Kongressplanung in Zeiten einer Pandemie stellt die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Traditionell stellt die Jahrestagung der DGU die weltweit drittgrößte urologische Fachtagung mit rund 7000 internationalen Teilnehmern dar. Auf ihrer 72. Jahrestagung unter der Leitung des amtierenden DGU-Präsidenten Prof. Jens Rassweiler will die Fachgesellschaft vom 23. bis 26. September 2020 im Congress Center Leipzig (CCL) Aktuelles aus der Urologie diskutieren und setzt alles daran, dies zu realisieren. Neben der PSA-basierten Prostatakrebs-Früherkennung, der künstlichen Intelligenz, Robotik und der Klimamedizin geben die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Urologie einen weiteren Themenschwerpunkt vor. Auf alle Szenarien eingestellt „Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, welche Rahmenbedingungen im September herrschen werden. Sicher ist, dass die DGU sich auf alle Szenarien einstellen wird, um den unerlässlichen Wissenschaftsaustausch sowie Fort- und Weiterbildung in ihrem Fachgebiet zu ermöglichen, denn andere Erkrankungen und die urologische Versorgung besonders unserer Krebspatienten verlieren nicht an Dringlichkeit“, sagt DGU- und Kongresspräsident Rassweiler angesichts des nahezu weltweiten Lockdowns. Unter dem Motto „Urologie 2020 – es ist Zeit“ sind für den 72. DGU-Kongress in Leipzig über 150 Einzelveranstaltungen geplant, in denen aktuelle Erkenntnisse aus allen Bereichen des Fachgebietes thematisiert werden. „Das Programm bildet Relevantes für Klinik, Praxis, Wissenschaft und Weiterbildung ab“, so der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn. Da Urologinnen und Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln, bilden Tumore von Prostata, Harnblase und Nieren, von Hoden und Penis einen Schwerpunkt des Kongressprogramms. „Aktuell steht die Immun-Onkologie im Vordergrund, denn wir werden in naher Zukunft eine Revolution der medikamentösen Therapie von Harnblasenkarzinom und Nierenzellkarzinom erleben“, sagt Rassweiler. Die „individualisierte Therapie“ ist ein zentrales Thema, und selbstverständlich geht es auch in der Urologie um eine flächendeckend optimale Versorgung onkologischer Patienten, besonders mit Blick auf eine adäquate Diagnostik und Therapiefestlegung. Mit dem „Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren“, der „Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ und dem neuen „Netzwerk Hauptstadt Urologie“, das allen Patienten in Berlin und Brandenburg einen frühzeitigen Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden ermöglichen soll, gibt es in der Urologie nach Worten des DGU-Präsidenten bereits entsprechende innovative Leuchtturm-Projekte. IQWiG-Abschlussbericht zu PSA erwartet Mit Spannung wird zum 72. DGU-Kongress auch der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) erwartet. Rassweiler: „Nach unserer Kritik am negativen Vorbericht des IQWiG bringt sich die DGU in die laufenden Erörterungs- und Anhörungsverfahren des IQWIG und des G-BA ein, um dem PSA-Wert die Bedeutung zukommen zu lassen, die er als elementarer Baustein in der Diagnostik des Prostatakarzinoms zweifellos hat. Neues zur risikoadaptierten individuellen Früherkennung mittels PSA-Test wird in Leipzig unter anderem die PROBASE-Studie liefern.“ Zahlreiche geplante Foren zu Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Telemedizin, aber auch zur Klimamedizin zeigen den 72. DGU-Kongress mottogemäß nah am Puls der Zeit. Robotische Chirurgie ist ebenfalls ein Aspekt von „Urologie 2020 – es ist Zeit“. „In diesem Jahr werden weitere Operationsroboter ihre CE-Zulassung erhalten, darunter auch ein in Deutschland entwickeltes System. Damit wird eine über zwanzig Jahre bestehende Monopolsituation beendet sein. Sicherlich hat sich der inzwischen etablierte Operationsroboter in vier Generationen weiter entwickeln können und stellt den Gold-Standard dar, aber der Markt auf dem Gebiet der robotischen Chirurgie ist damit eröffnet. Wenn möglich, werden wir natürlich die Chance nutzen, den Kongress-Besuchern einen Einblick in möglichst alle verfügbaren Systeme zu bieten“, sagt der DGU-Präsident. Dafür soll im CCL im Bereich der Industrieausstellung ein „Garden of Technology“ eingerichtet werden. Neueste robotische OP-Techniken sollen im Format von Semi-Live-Operationen präsentiert werden. Berufspolitisch stehen die Hygienerichtlinien für die Zystoskopie und die Onkologie-Vereinbarung, die intersektorale Versorgung, aber auch das neue DGU-zertifizierte Weiterbildungscurriculum Urologie in Leipzig auf der Agenda. Corona-Aufarbeitung angekündigt In der Corona-Krise hat die DGU frühzeitig eine Priorisierungsliste urologischer Erkrankungen erstellt, die von ausländischen urologischen Fachgesellschaften übernommen wurde. Die DGU hat zudem appelliert, dass Patienten die eine dringliche urologische Versorgung brauchen, diese auch bekommen sollen. „Bei einer relevanten Patientengruppe gilt es, eine mögliche gesundheitliche Entwicklung, die teilweise nicht mehr umkehrbar sein kann, abzuwenden“, sagt Prof. Maurice Stephan Michel, Generalsekretär der DGU. „Und natürlich werden wir im Rahmen unseres 72. Kongresses aufarbeiten, welche Auswirkungen die Pandemie auf unsere Patienten in Klinik und Praxis genommen hat und welche Lehren es für unser Fach gibt. “Es gelte, auch in Hinblick auf die noch engere Verzahnung von Praxis- und Klinikabläufen, Potenziale für die Versorgung von urologischen Patienten insbesondere zu Pandemiezeiten zu identifizieren und umzusetzen“, so Michel weiter. Derzeit begleitet die DGU ihre Mitglieder mit einer Reihe von Rundbriefen und einem speziell entwickelten DGU-Monitorsystem, aber auch Sondersendungen auf dem Fortbildungskanal Uro-Tube und einer tagesaktuellen Sonderseite zur Pandemie auf dem “Urologenportal” (www.urologenportal.de) durch die Krise. (DGU/ms)
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