Kontamination der Umgebungsluft mit SARS-CoV-2 im Krankenhaus

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In einem systematischen Review haben Forscher aktuelle Erkenntnisse zur Luftkontamination mit SARS-CoV-2 in Krankenhäusern und den mit der Kontamination verbundenen Faktoren – einschließlich Viruslast und Partikelgröße – analysiert.

Die Wissenschaftler um Erstautor Dr. Gabriel Birgand vom Regionalen Zentrum für Infektionskontrolle an der Universitätsklinik Nantes (Frankreich) stellten dabei fest, dass die Luft sowohl in unmittelbarer Nähe als auch weiter entfernt von COVID-19-Patienten häufig mit SARS-CoV-2-RNA kontaminiert ist. Dabei enthielten aber den Studienautoren zufolge nur wenige Proben lebensfähige Viren. Hohe Viruslasten wurden in den analysierten Studien in sanitären Anlagen, Bereichen für das Krankenhauspersonal und öffentlich zugänglichen Teilen der Krankenhäuser gefunden.

Die Autoren des Reviews hatten englischsprachige Originalarbeiten ausgewertet, die in den Datenbanken Medline, Embase und Web of Science aufgeführt wurden und in denen die Kontamination von Krankenhausluft mit SARS-CoV-2 zwischen dem 01.01.2020 und dem 27.10.2020 beschrieben wurde. Partikelgrößen und SARS-CoV-2-RNA-Konzentrationen in Kopien/m^3 oder die TCID50 (Median Tissue Culture Infectious Dose)/m^3 wurden in Kategorien dargestellt (<1 μm, 1–4 μm, >4 μm).

Die Wissenschaftler schlossen 24 beobachtende Querschnittstudien in ihre Analyse ein. Insgesamt erwiesen sich 82 von 471 Luft­proben (17,4%) aus der unmittelbaren Umgebung von COVID-19-Patienten positiv für SARS-CoV-2-RNA, bei einer signifikant höheren Positivitätsrate auf Intensivstationen (Intensivstation: 27 von 107 [25,2%] vs. nicht auf Intensivstationen: 39 von 364 [10,7%]; p<0,001).

Die Forscher beobachteten keinen Unterschied in Bezug auf die Entfernung der Luftprobenentnahme von den Patienten (≤1 m: 3 von 118 [2,5%] vs. >1–5 m: 13 von 236 [5,5%]; p=0,22). Die Positivitätsrate betrug 5 von 21 Luftproben (23,8%) in sanitären Anlagen, 20 von 242 (8,3%) in klinischen Bereichen, 15 von 122 (12,3%) in vom Personal genutzten und 14 von 42 (33,3%) in öffentlichen Bereichen.

Insgesamt 81 Viruskulturen wurden in 5 Studien angelegt; 7 (8,6%) aus 2 Studien waren positiv, und alle stammten aus der unmittelbaren Patientenumgebung. Die mittleren SARS-CoV-2-RNA-Konzentrationen variierten von 1,0×10^3 Kopien/m^3 (IQR 0,4×10^3–3,1×10^3 Kopien/m^3) in klinischen Bereichen bis 9,7×10^3 Kopien/m^3 (IQR 5,1×10^3–14,3×10^3) in der Luft aus sanitären Anlagen.

Beim Ausziehen persönlicher Schutzausrüstung sowie in den Patienten­zimmern ergaben sich hohe Konzentrationen pro SARS-CoV-2-Titer (zwischen 0,9×10^3–40×10^3 Kopien/m^3 und 3,8×10^3–7,2×10^3 TCID50/m^3). Dabei ergaben sich für die Aerosolpartikelgrößenverteilung Spitzenwerte im Bereich einer Partikelgröße <1 μm. In den Personalbereichen wurden Spitzenwerte im Bereich einer Partikelgröße von >4 μm beobachtet.

Fazit
Die Wissenschaftler stellten fest, dass im Krankenhaus die Luft sowohl in unmittelbarer Nähe als auch weiter entfernt von COVID-19-Patienten häufig mit SARS-CoV-2-RNA kontaminiert ist. Dabei enthielten aber nur wenige Proben lebensfähige Viren. Hohe Viruslasten wurden in den analysierten Studien in sanitären Anlagen, Bereichen für das Krankenhauspersonal und öffentlich zugänglichen Teilen der Krankenhäuser gefunden. (ac)

Autoren: Birgand G et al.
Korrespondenz: Gabriel Birgand; [email protected]
Studie: Assessment of Air Contamination by SARS-CoV-2 in Hospital Settings
Quelle: JAMA Netw Open 2020;3(12):e2033232.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.33232