Kontroversen überbrücken: Neue Leitlinien für Pilzinfektionen des Auges5. Dezember 2025 Behandlungsergebnisse bei endogener Pilz-Endophthalmitis. Illustration:©Eye and Vision Ein Forschungskonsortium hat eine umfassende Sammlung von 20 Konsenserklärungen zur pilzbedingten Endophthalmitis in „Eye and Vision“ veröffentlicht. Für die pilzbedingte Endophthalmitis gab es bislang keine standardisierten Diagnose- oder Therapieprotokolle. Dabei können Fehldiagnosen oder verzögerte Behandlungen zu irreversibler Erblindung führen. Um Kontroversen zu identifizieren, diagnostische Definitionen zu vereinheitlichen und Leitlinien für die beste Praxis bei der klinischen Behandlung von Pilz-Endophthalmitis zu entwickeln, haben sich 24 Experten zusammengeschlossen und Konsenserklärungen erarbeitet. Pilzbedingte Endophthalmitis: Leitlinien für fünf Bereiche erstellt Ein Forschungskonsortium unter der Leitung der Asia-Pacific Vitreo-Retina Society (APVRS), der Academy of the Asia-Pacific Professors of Ophthalmology (AAPPO) und der Asia-Pacific Society of Ocular Inflammation and Infection (APSOII) hat eine umfassende Sammlung von 20 Konsenserklärungen zur pilzbedingten Endophthalmitis im Fachjournal „Eye and Vision“ veröffentlicht. Die von den 24 Experten aus zwölf Ländern erarbeiteten Aussagen sollen unterschiedliche klinische Meinungen zu Früherkennung, Antimykotika-Strategien, Vitrektomieverfahren und der umstrittenen Rolle von Kortikosteroiden in Einklang bringen. So könnten sie den ersten regionenweiten Konsens zu dieser seltenen, aber das Sehvermögen bedrohenden Infektion, bieten. Das von den Professoren Taraprasad Das und Dennis S. C. Lam koordinierte Konsensprojekt fasste jahrzehntelange klinische Daten und Expertenerfahrungen zusammen, um Leitlinien für fünf Bereiche zu erstellen. Diese umfassen Krankheitsentität, klinische Diagnose, Pathobiologie, Behandlung und zukünftige Entwicklung. Frühzeitige Vitrektomie, Antimykotika und Molekulardiagnostik gehören zu wichtigsten Vereinbarungen Zu den wichtigsten Vereinbarungen gehören, dass Pilzinfektionen in der Regel später auftreten als bakterielle Infektionen und Aspergillus, Candida sowie Fusarium die dominierenden Erreger sind. Zudem seien immungeschwächte Patienten am stärksten gefährdet. Die Experten empfehlen nachdrücklich eine frühzeitige Vitrektomie, um die Pilzlast zu reduzieren und die Wirkstoffpenetration zu verbessern. Des Weiteren wird eine kombinierte intravitreale, systemische und topische Verabreichung von Antimykotika für optimale Ergebnisse angeraten. Auch wurden modernste molekulare Methoden – wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Next-Generation-Sequencing (NGS) und MALDI-TOF – als entscheidend für kulturnegative Fälle anerkannt. Hinsichtlich der Verwendung von Kortikosteroiden gingen die Meinungen der Experten jedoch auseinander. Nur 25 Prozent befürworteten die intravitreale Gabe von Dexamethason. Die zukünftigen Leitlinien legen den Schwerpunkt auf die antimykotische Behandlung, Biomarker-Assays wie 1,3 β-D-Glucan und Galactomannan zur schnellen Erkennung sowie die Integration neuer Wirkstoffe wie Olorofim und Terbinafin für medikamentenresistente Infektionen. „Pilzbedingte Endophthalmitis wird oft nicht erkannt und zu selten gemeldet, obwohl sie katastrophale Auswirkungen auf das Sehvermögen haben kann“, betonte Das, Hauptautor und Spezialist für Vitreoretinalmedizin. „Durch die Bündelung von regionalem Fachwissen und praktischer Erfahrung haben wir einen Konsensrahmen geschaffen, der die Lücke zwischen Evidenz und Praxis schließt. Diese Leitlinien bieten Ärzten einen strukturierten Entscheidungsweg, der den Schwerpunkt auf eine schnelle Diagnose, den gezielten Einsatz von Antimykotika und eine vorsichtige Chirurgie legt, um das Sehvermögen zu retten, wo eine Verzögerung oft irreversible Erblindung bedeutet.“ Konsens bietet Augenärzten eine umsetzbare Referenz Laut dem Forschungskonsortium kann der neu geschaffene Konsens einen Wendepunkt für Ärzte weltweit darstellen, insbesondere in Regionen mit begrenzten Ressourcen. Durch die Standardisierung von Diagnosekriterien und Behandlungsprotokollen biete er Augenärzten, die mit komplexen Pilzinfektionen konfrontiert sind, eine umsetzbare Referenz. Der Einsatz molekularer Diagnostik und Programme zur antimykotischen Behandlung werden den Experten zufolge die Früherkennung verbessern und die Entwicklung von Resistenzen verlangsamen. Über die klinische Anwendung hinaus unterstreiche der Konsens die dringende Notwendigkeit einer globalen Überwachung und gemeinsamen Forschung zu neu auftretenden Krankheitserregern wie Candida auris. Zusammen können diese Empfehlungen die Grundlage für zukünftige multizentrische Studien bilden und Patientenergebnisse bei der Behandlung von Pilz-Endophthalmitis verbessern. (sas/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Bundesförderung läuft aus: Zukunft der Cochrane Deutschland Stiftung ist ungewiss" Bundesförderung läuft aus: Zukunft der Cochrane Deutschland Stiftung ist ungewiss Das Bundesministerium für Gesundheit fördert die Cochrane Stiftung Deutschland nur noch bis Ende 2027. Damit drohen wichtige Leistungen der Stiftung wegzufallen. Diese warnt vor den Folgen für die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung.
Mehr erfahren zu: "Uveales Melanom: HDAC4 und HDAC5 zeigen unterschiedliche Funktionen" Uveales Melanom: HDAC4 und HDAC5 zeigen unterschiedliche Funktionen Eine internationale Studie zeigt, dass die HDAC-Proteine HDAC4 und HDAC5 beim uvealen Melanom unterschiedliche molekulare Funktionen übernehmen. Die Ergebnisse könnten mögliche Ansatzpunkte für gezieltere Kombinationstherapien liefern.
Mehr erfahren zu: "Augenheilkunde grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzte neue Impulse für eine bessere Versorgung" Augenheilkunde grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzte neue Impulse für eine bessere Versorgung Unter dem Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“ hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) auf ihrem 124. Kongress fachübergreifende Kooperation und internationale Vernetzung in den Mittelpunkt gestellt.