Koordination von Zilien: Ordnung am Rand der Welle4. Oktober 2023 Das koordinierte Schlagmuster der Zilien wird durch nichtreziproke Wechselwirkungen und die Randregionen gesteuert, wie in einem neuen Modell beschrieben. (Abbildung: © MPI-DS/ LMP) Randregionen können Flimmerhärchen dazu veranlassen, ihre Bewegung zu koordinieren und eine unidirektionale Welle zu erzeugen, die für biologische Funktionen unerlässlich ist. Forschende haben ein neues beschreibendes Modell dafür entwickelt. Was haben Fans in einem Fußballstadion, die Füße eines Tausendfüßlers und das Innere der Lunge gemeinsam? All diese Systeme weisen dieselbe spezifische Art der Organisation auf, wie Wissenschaftler kürzlich herausgefunden haben. Die La-Ola in einem Stadion sieht aus wie ein Muster, das sich über die Ränge ausbreitet. In ähnlicher Weise bewegen sich die Beine eines Tausendfüßlers mit scheinbaren Wellen, die sich über seine gesamte Länge ausbreiten. Auf mikroskopischer Ebene wiederum bewegen sich Zilien in unserer Lunge, um den Schleim zu transportieren. Dies dient dabei als erste Verteidigungslinie gegen eindringende Krankheitserreger. Ungleiche Wechselwirkungen zwischen den Zilien führen zur Synchronisation Um eine synchrone und effiziente Welle zu erzeugen, müssen die Zilien ihre Schlagbewegung genau koordinieren. Im Gegensatz zu Fußballfans, die ihre Nachbarn beobachten, oder dem Nervensystem, das die Beine des Tausendfüßlers koordiniert, verfügen die Zilien nicht über ein solches intelligentes Kontrollsystem. In ihrer neuen Studie beleuchten die Wissenschaftler David Hickey, Prof. Ramin Golestanian und Dr. Andrej Vilfan aus der Abteilung Physik Lebender Materie am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS) in Göttingen nun die Bedeutung von Randbereichen für die Koordination der Zilien. „Wenn viele Zilien eng beieinander schlagen, können sie sich synchronisieren, indem sie etwas früher als ihre Nachbarn auf der einen Seite und etwas später als ihre Nachbarn auf der anderen Seite schlagen – ähnlich einer La-Ola im Stadion”, formuliert Hickey, Erstautor der Studie. Diese Synchronisation wird durch die Flüssigkeit, die die Zilien umgibt, vermittelt und durch die Randregion initiiert. Bemerkenswert ist, dass zwei nahe beieinander schlagende Zilien nicht unbedingt die gleiche Kraft aufeinander ausüben. Je nach Position kann ein Zilium von seinem Nachbarn stärker beeinflusst werden als umgekehrt, insbesondere in einem dichten Teppich von Zilien, wie er in der Natur häufig vorkommt. Dies kann schließlich zu einem gerichteten, nicht reziproken Muster führen, das eine Welle bildet. Die Synchronisation der Zilien wird durch Randregionen initiiert „Die Zilien an einer Randregion übernehmen die Rolle eines Schrittmachers, der andere Zilien nacheinander antreibt”, fasst Hickey die Ergebnisse zusammen. „Diese Beobachtung unterscheidet sich von früheren Modellen, bei denen man davon ausging, dass Ränder sogar die Ordnung stören”, ergänzt er. Wie nun festgestellt wurde, können Randregionen von Oberflächen tatsächlich ein besseres Verständnis der Selbstorganisation lebender Materie ermöglichen. Gleichzeitig offenbart das Modell verblüffende Ähnlichkeiten zwischen Mechanismen in der mikroskopischen Welt und auf der makroskopischen Skala.
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