Kopf-Hals-Krebs: Monoklonale Antikörper oder Immun-Checkpoint-Inhibitoren als Alternative zu Cisplatin?

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Der Goldstandard für Kopf-Hals-Krebs ist die Chemotherapie mit Cisplatin. Monoklonale Antikörper kommen für manche Patienten als Alternative infrage. Eine aktuelle Studie hat einen monoklonalen Antikörper mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor verglichen.

Cisplatin mit begleitender Strahlentherapie ist für rund 30 Prozent der Kopf-Hals-Krebs-Patienten aufgrund schwerer Nebenwirkungen nicht geeignet, darunter ältere Erwachsene und Patienten mit vorbestehenden Nierenerkrankungen oder Hörverlust. Der monoklonale Antikörper Cetuximab ist zwar weniger wirksam als Cisplatin, wird aber häufig als Alternative für diese Patienten eingesetzt. Allerdings gibt es derzeit keinen Konsens über die Standardtherapie für diese Patientengruppe.

Der Immuncheckpoint-Inhibitor Durvalumab hat sich als vielversprechend für die Behandlung einer Vielzahl von Krebsarten erwiesen. Deshalb wurde er als potenziell sicherere und wirksamere Option als Cetuximab vorgeschlagen, erklärt Loren Mell, MD, Professor und stellvertretender Vorsitzender für klinische und translationale Forschung an der University of California San Diego School of Medicine und Co-Leiter des UC San Diego Moores Cancer Center Head/Neck Disease Team.

In einer klinischen Studie verglichen Mell und sei Team die Wirksamkeit von Durvalumab und Cetuximab – in Kombination mit einer Strahlentherapie – bei 186 Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom, die für Cisplatin nicht in Frage kamen. Entgegen den Erwartungen schnitt Cetuximab besser ab als Durvalumab, bei einer ähnlichen Rate an unerwünschten Ereignissen. Die Forschenden brachen die Studie aufgrund dieses Ergebnisses vorzeitig ab.

„Wir fanden heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, nach zwei Jahren noch am Leben und krankheitsfrei zu sein, bei etwa 64 Prozent für Cetuximab und 51 Prozent für Durvalumab lag. Das deutet darauf hin, dass Durvalumab keinen Vorteil gegenüber Cetuximab hat“, bewertete Mell die Ergebnisse der Studie. Es habe Gründe für Optimismus im Hinblick auf Durvalumab gegeben, das die Erwartungen aber nicht erfüllt habe und potenziell schlechter sei als der Standard, so Mell weiter.

Während monoklonale Antikörper wie Cetuximab an Oberflächen-Proteine der Krebszellen binden und deren Wachstum und Vermehrung stoppen, blockiert der Immun-Checkpoint-Inhibitor Durvalumab das Protein PDL1 und damit können T-Zellen die Krebszellen direkt angreifen. Laut Mell gibt es einige Hinweise darauf, dass Durvalumab für die Behandlung einer ganz bestimmten Untergruppe von Patienten mit hoch immunreaktiven Tumoren in Frage kommen könnte, aber es sind noch weitere Untersuchungen erforderlich.

Die Ergebnisse haben nach Ansicht der Autoren erhebliche Auswirkungen auf die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren. Die Studie zeigte eine höhere Erfolgsrate als jede frühere Studie zu Cetuximab in dieser Patientengruppe. Mell erwartet, dass das Medikament wahrscheinlich der neue Behandlungsstandard für diese Patienten werden wird. Die Studie zeigte auch eine vergleichbare Wirksamkeit von Cetuximab, unabhängig von einer Assoziation der Kopf-Hals-Tumoren mit HPV.

„Unsere Studie unterstreicht, dass die Bestrahlung mit Cetuximab eine sehr gute Alternative für Patienten ist, die nicht mit der Standardtherapie Cisplatin behandelt werden können“, betonte Mell. „In der Vergangenheit war dies eine unterversorgte Gruppe.“ Die Studie habe darauf abgezielt eine Evidenzbasis für diese Patienten-Population zu schaffen, die sehr stark auf ältere Menschen und solche mit Komorbiditäten ausgerichtet ist. Bislang seien solche Patienten in vielen Fällen ausdrücklich von klinischen Studien aufgrund dieser Komorbiditäten ausgeschlossen worden.

Laut Mell werden derzeit neue Studien entwickelt, um Cetuximab mit konkurrierenden Standardalternativen wie der Kombinationstherapie aus Carboplatin und Paclitaxel zu vergleichen. Darüber hinaus werden in laufenden Studien neue therapeutische Wirkstoffe in Verbindung mit einer Strahlentherapie als Alternative zur Bestrahlung mit Cetuximab getestet.