Korallenriffe im roten Meer unter Druck8. Juli 2024 Taucher fotografieren die markierten Testareale. Foto: © Dr. Götz-Bodo Reinicke/ Deutsches Meeresmuseum Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund beobachtete in Zusammenarbeit mit der Universität Rostock über einen Zeitraum von fast vier Jahrzehnten die Entwicklung von Korallenriffen im Roten Meer. Es ist eine der längsten Untersuchungen, die in dieser Meeresregion je stattfanden – mit besorgniserregenden Erkenntnissen. Die Korallenriffe vor der Küste der Republik Sudan gehören noch immer zu den unberührtesten Riffen im Roten Meer. Bereits seit 1980 verfolgen Forschende des Deutschen Meeresmuseums dort die Entwicklung von vier großen Test-Arealen im Meeres-Nationalpark Sanganeb. Aufgrund ihrer abgelegenen Position und des eingeschränkten Zugangs fand eine Überwachung des Zustands der Riffe bisher nur sporadisch statt. Die komplexen küstennahen Saumriffe, vorgelagerten Bänke und Untiefen der Dungonab-Bucht im Norden und des weiter südlich gelegenen Sanganeb-Atolls, etwa 23 km vor der Festlandküste, wurden 2016 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Ein internationales Team von Riffforschenden des Deutschen Meeresmuseums, der Universität Rostock und der Universität Wien haben die Flächen zuletzt im Jahr 2019 digital kartiert und ausgewertet. Der ungewöhnlich lange Untersuchungszeitraum erlaubt es, Auswirkungen der Meereserwärmung auf die Riffe zu beobachten. „Während der Netto-Riffzuwachs von 1980 bis 1991 im Schnitt zwischen 2,27 und 2,72 Zentimeter jährlich betrug, lag er im Zeitraum von 1991 bis 2019 lediglich bei 0,28 bis 0,42 Zentimetern. Das heißt, das Wachstum des Riffes hat sich um rund 80 Prozent verringert und somit überraschend deutlich verlangsamt“, erklärt die Erstautorin der neuen Studie, Meeresbiologin Sarah Abdelhamid von der Universität Rostock. Wandel der Korallengemeinschaft durch Korallenbleichen Seit 1980 bekannte Einzelstöcke von Korallen belegen, dass dort seit über 40 Jahren allgemein beständige ökologische Bedingungen herrschen, etwa in Bezug auf Strömungen und chemische Prozesse. Zugleich deuten jedoch Verschiebungen in der Artenzusammensetzung auf einen Wandel der Korallengemeinschaften hin. Ursachen sind zum Beispiel die Korallenbleichen von 2010 und 2015. Der Nachwuchs empfindlicher Geweihkorallen (Acropora) wird dort von robusteren Katzenpfötchen-Korallen (Pocillopora) verdrängt. „Infolge des Klimawandels kommen Warmwasserereignisse, die zu Korallenbleichen führen, immer häufiger vor. Riffgemeinschaften haben so immer weniger Zeit, sich zu regenerieren. Widerstandsfähigere Arten etablieren sich dann erfolgreicher. Das Bild, das wir heute von den Riffen im Roten Meer haben, ändert sich fortlaufend weiter, quasi vor unseren Augen“, verdeutlicht der Leiter der Untersuchungen Dr. Götz-Bodo Reinicke vom Deutschen Meeresmuseum. Auch die allgemeine Entwicklung der Riffe verändert sich im Zusammenhang regionaler Einflüsse des Klimawandels. Zusammen mit sudanesischen Partnern und dem Sanganeb-Nationalpark-Team plant das Deutsche Meeresmuseum deshalb, die langfristige Beobachtung der Testareale in dem Schutzgebiet fortzusetzen. Die Erkenntnisse der Studie fließen in die internationale Wissenschaft und können als Grundlage für Entscheidungsträger dienen. Reinicke ist überzeugt: „Maßnahmen gegen den Klimawandel sind eine politische Frage und müssen global organisiert werden. Studien wie unsere, die das Problem immer wieder sichtbar machen, können ein schnelles Handeln nachdrücklich befördern.“ Ansicht der Korallengemeinschaft im Testareal TQ4. Foto: © Dr. Götz-Bodo Reinicke/ Deutsches Meeresmuseum Die Studie „Korallenriff-Langzeitstudie im Sudan zeigt über 39 Jahre stagnierendes Riffwachstum, Kontinuität und Veränderung im Roten Meer“ wurde vom Österreichischen Wissenschaftsfond FWF finanziell gefördert.
Mehr erfahren zu: "Hunde sind eher wie Kleinkinder, wenn es darum geht, Menschen zu helfen" Hunde sind eher wie Kleinkinder, wenn es darum geht, Menschen zu helfen Warum eilt Dein Hund Dir zu „Hilfe“, wenn du nach etwas suchst, während Deine Katze das wenig kümmert? Neue Forschungen deuten darauf hin, dass dieser Unterschied auf tiefer liegenden evolutionären […]
Mehr erfahren zu: "Wie Mäuse sehen: Neu entdeckte Nervenzellen erkennen mehr als Kanten" Wie Mäuse sehen: Neu entdeckte Nervenzellen erkennen mehr als Kanten Ein internationales Forschungsteam hat mithilfe von „digitalen Zwillingen“ neue Nervenzellen und eine bislang unbekannte Arbeitsteilung im Mausgehirn entdeckt.
Mehr erfahren zu: "Bpt-Intensiv 2026 in Bielefeld – Das Einmaleins der Gastroenterologie" Bpt-Intensiv 2026 in Bielefeld – Das Einmaleins der Gastroenterologie Vom 26. Februar bis 01. März 2026 veranlasste die diesjährige bpt-INTENSIV Kleintier 950 Tierärztinnen und Tierärzte sowie 240 TFA dazu, good old Bielefeld mal wieder einen Besuch abzustatten. Das Programm […]