Kornealer Axonverlust als bildgebender Biomarker der Neurodegeneration24. Februar 2023 DOHA (Biermann) – Um den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) vorhersagen zu können, werden aussagekräftige Zielgrößen des axonalen Verlustes benötigt. Ein internationales Forscherteam hat daher untersucht, ob sich die konfokale Hornhautmikroskopie (CCM) eignet, um bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom und etablierter MS Axonverluste im Bereich des Auges nachzuweisen, die mit neurologischen Behinderungen einhergehen. Dazu führten Ioannis N. Petropoulos von der Qatar of Cornell University in Doha, Qatar, und Kollegen bei 68 Patienten mit schubförmig remittierender (RRMS) und 15 Patienten mit sekundär progredienter MS (SPMS) eine CCM und eine optische Kohärenztomographie durch. Zielparameter waren die Dichte der Hornhautnervenfasern (CNFD; Fasern/mm2), die Dichte der Hornhautnervenverzweigungen (CNBD; Verzweigungen/mm2), die Länge der Hornhautnervenfasern (CNFL; mm/mm2) und die Dicke der retinalen Nervenfaserschicht (RNFL; μm), die die Wissenschaftler mit neurologischen und radiologischen Befunden bei Studienbeginn und nach 2 Jahren im Follow-up quantifizierten und korrelierten. Als Kontrollgruppe dienten 20 altersgleiche, gesunde Personen. Dabei zeigte sich, dass bei Patienten mit RRMS im Vergleich zu den Kontrollen bei Studienbeginn die CNFD (p=0,004) und die RNFL-Dicke (p<0,001) geringer, die CNBD (p=0,003) hingegen höher war. Patienten mit SPMS zeigten im Vergleich zu Kontrollen eine geringere CNFD (p<0,001), CNFL (p=0,04) und RNFL-Dicke (p<0,001). Für die Identifizierung von RRMS eignete sich CNBD mit der größten Fläche unter der Receiver-Operating-Characteristic-Kurve (AUROC; 0,99) am besten, während bei SPMS CNFD die höchste AUROC hatte (0,95). Bei der Nachuntersuchung stellten die Forschenden bei RRMS-Patienten eine weitere signifikante Abnahme von CNFD (p=0,04), CNBD (p=0,001), CNFL (p=0,008) und RNFL (p=0,002) fest. Bei SSPMS-Patienten hatten sich nach 2 Jahren CNFD (p=0,04) und CNBD (p=0,002) signifikant verringert. Der Vergleich von SPMS- und RRMS-Patienten zeigte bei ersteren eine deutlich geringere CNBD (p=0,01). Der Verlust von Hornhautnerven war bei Patienten mit neuen Enhancement-Läsionen und Sehnervenentzündung in der Vorgeschichte größer. Da sich mit der Methode bei Patienten mit MS – insbesondere bei Personen mit aktiverer Erkrankung – ein fortschreitender Axonverlust in Horn- und Netzhaut feststellen ließ, könnte die CCM als bildgebender Biomarker für den axonalen Verlust bei MS dienen, resümieren die Wissenschaftler abschließend. (ej) Autoren: Ioannis N. Petropoulos IN et al. Korrespondenz: Rayaz A. Malik; [email protected] Studie: Corneal axonal loss as an imaging biomarker of neurodegeneration in multiple sclerosis: a longitudinal study Quelle: Ther Adv Neurol Disord 2023 Feb 6;16:17562864221118731. Web: doi.org/10.1177/1756286422111
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