Koronare Herzerkrankung: Behandlungsassistenten sollen Depressivität bekämpfen und Lebenserwartung verbessern

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Soziale Isolation, chronischer Stress in Beruf und Familie sowie Depressivität verschlechtern den Krankheitsverlauf einer Koronaren Herzerkrankung (KHK) immens. Behandlungsassistentinnen und -assistenten könnten hier Abhilfe schaffen.

Anlässlich des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 22. bis 24. Juni in Berlin stattfindet, hat sich der Kongress-Präsident Prof. Christian Albus für den Einsatz von Behandlungsassistentinnen und -assistenten ausgesprochen, um die Behandlung und Lebenserwartung von Menschen mit KHK zu verbessern. Ein solches Versorgungsmodell der „Collaborative Care“ habe sich in den USA bewährt, erklärte Albus. Auch in Deutschland werde die Wirksamkeit der „Collaborative Care“ in Studien untersucht.

„Unter sozialer Isolation, chronischem Stress und Depressivität können sich erste Symptome einer KHK früher einstellen als auch Lebensqualität und Lebenserwartung verschlechtern“, sagt Albus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Köln. So belegen Studien, dass vor allem Depressivität bei KHK mit einem fast doppelt so hohen Risiko für das erneute Auftreten eines Herzinfarktes, einen erneuten Herzeingriff oder den Tod des Betroffenen verbunden ist. „Depressionen sind bei Menschen mit KHK sehr häufig – im Vergleich zu gleichalten Gesunden mindestens verdoppelt“, so Albus.

Depressivität führt in eine Negativspirale

Der Zusammenhang zwischen Depressivität und KHK ist komplex. Erwiesen ist, dass die seelische Erkrankung einen negativen Einfluss auf den Verlauf der KHK hat. „Stress und Depressivität stellen eine Barriere gegen sinnvolle Verhaltensumstellungen wie Nichtrauchen, mehr Bewegung und gesunde Ernährung dar“, so der Kongresspräsident. „Zugleich fällt es depressiven KHK-Patientinnen und -Patienten schwerer, die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen.“ Darüber hinaus verändern sich das vegetative Nervensystem, die Gerinnung und das Immunsystem auf ungünstige Weise. „Stress und depressive Symptome münden bei einer KHK in eine Negativspirale“, resümiert Albus.

Psychosoziale Betreuung scheitert aus Zeitmangel

Aus diesen Gründen empfehlen nationale und internationale Leitlinien zur Behandlung der KHK, die Krankheitsbewältigung, die Motivation zu Verhaltensänderungen sowie eine routinemäßige Diagnostik psychosozialer Belastung zu fördern. „Leider sieht die medizinische Realität anders aus“, bedauert der Kölner Experte für Psychosomatik und Psychotherapie. „Wir wissen, dass in Klinik und Praxis nur etwa 50 Prozent der depressiven Störungen korrekt diagnostiziert werden und ein Bruchteil angemessen versorgt wird.“ Auch seien Ärzte und Patienten häufig überfordert, eine geeignete Psychotherapie oder Medikation zu finden. „Zudem haben Ärztinnen und Ärzte nur in seltenen Fällen genügend Zeit und ausreichende kommunikative Expertise, um die Krankheitsbewältigung und Motivation zu gesundem Verhalten zu fördern“, fügt Albus hinzu.

Behandlungsassistenten sollen gesundheitsförderndes Verhalten unterstützen

Deshalb fordert der Kölner Experte den Einsatz von Behandlungsassistentinnen und -assistenten bei der Behandlung von Menschen mit Herzleiden auch in Deutschland. Dafür wäre speziell trainiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal geeignet, so Albus. Behandlungsassistentinnen und -assistenten sollen regelmäßig Kontakt zu den Patientinnen und Patienten halten und gesundheitsförderndes Verhalten unterstützen. „Sie ergänzen die Behandlung durch die Hausärztinnen und Hausärzte und vermitteln bei Bedarf weitere fachärztliche oder psychotherapeutische Expertise“, erläutert der Experte. Die Wirksamkeit dieses integrierten, kooperativen Versorgungsmodells wird derzeit auch in Deutschland in Studien untersucht, die das Bundesministerium für Bildung Forschung und die Europäischen Union fördern.