Kosteneffizient: Gentest bei neu diagnostiziertem gastrointestinalem Stromatumor

Dr. Jason Sicklick, Professor für Chirurgie an der Abteilung für chirurgische Onkologie an der University of California San Diego School of Medicine. (Foto: © UC San Diego Health Sciences)

Da gastrointestinale Stromatumoren (GIST) empfindlich auf die gezielte niedermolekulare Therapie mit Imatinib reagieren, neigen Onkologen dazu, alle Patienten mit metastasiertem GIST mit diesem Medikament zu behandeln. Da diese seltene Krebsart jedoch durch verschiedene genetische Mutationen verursacht wird, hilft Imatinib nicht allen Patienten gleichermaßen.

Um festzustellen, bei wem mit dem besten Ansprechen zu rechnen ist, schlägt das National Comprehensive Cancer Network Gentests bei infrage kommenden Patienten Tests vor, um Tumormutationen bei jedem einzelnen zu identifizieren. Trotzdem ist zum Zeitpunkt der Diagnose bei nur 30 Prozent der Patienten ein Gentest durchgeführt worden – wahrscheinlich aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Kosten und des Nutzens von Tests, vermutet Dr. Jason Sicklick, Professor für Chirurgie in der Abteilung für Chirurgische Onkologie an der University of California San Diego School of Medicine (USA) und einer der korrespondierenden Autoren der Studie.

„Wir empfehlen, dass alle Patienten mit einem neu diagnostizierten metastasierten GIST vor Beginn der Erstlinien-Chemotherapie einem Gentest unterzogen werden“, betont Sicklick. „Auf diese Weise können diejenigen, die wahrscheinlich nicht von Imatinib profitieren, eine Behandlung erhalten, die besser für ihren individuellen Tumor geeignet ist.“

In einem gerade online in „JAMA Network Open“ veröffentlichten Artikel berichten Sicklick und Kollegen, dass Gentests für neu diagnostizierte Patienten mit metastasiertem GIST kosteneffizient und von Nutzen sind.

Das Team entwickelte ein Modell, um die Kosteneffizienz gezielter Gentests und personalisierter Therapien bei Patienten mit metastasiertem GIST zu vergleichen, denen Imatinib verschrieben wurde. Datenanalysen wurden von Oktober 2019 bis Januar 2020 durchgeführt. „Gentests sind kosteneffiizient, da sie es Ärzten ermöglichen, eine Chemotherapie tumorspezifisch zu verschreiben. Patienten, die aufgrund der primären Tumorresistenz nicht von Imatinib profitieren würden, erhalten eine alternative Therapie“, unterstreicht Erstautor Dr. Sudeep Banerjee, heute Chefarzt an der David Geffen Medical School der University of California, Los Angeles (USA). „Die Vermeidung einer ineffektiven Behandlung und eine Verringerung des Voranschreitens der Krankheit machen Gentests kosteneffizient.“

Obwohl es sich beim GIST um das häufigste Sarkom handelt, ist es mit einer geschätzten jährlichen Inzidenz von 6,8 Fällen pro Million Menschen in den USA selten. Behandelnde Ärzte bekämpfen das Wachstum mit zunehmend aggressiven Medikamenten. Der Nachteil ist, dass jede Therapielinie eine abnehmende Wirksamkeit und eine höhere Toxizität für die Patienten mit sich bringt. Mehr als 95 Prozent der Patienten erliegen schließlich einem medikamentenresistenten GIST, was unterstreicht, wie wichtig es ist, mit dem wirksamsten verfügbaren Medikament zu beginnen – nicht nur, weil es am kosteneffizientesten ist, sondern auch, weil es zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Lebensqualität dieser Patienten von entscheidender Bedeutung ist, sagt Sicklick.

„Die Krebstherapie wird zu einem zunehmend personalisierten Prozess“, ergänzt Banerjee. „Es gibt eine schnell wachsende Zahl von Untersuchungen zu genspezifischen und sogar mutationsspezifischen Therapien, die unabhängig vom Ursprungsort eines bestimmten Tumors wirksam sein können. Gentests liefern die notwendigen Informationen, damit Patienten möglicherweise von diesen neuartigen Therapien profitieren können.“