Krankenhausreform: Umwandeln statt Schließen7. September 2022 Grafik: Zielbilder (Sonja März, Stiftung Münch) Die Stiftung Münch hat eine Studie in Auftrag gegeben, wie die Gesundheitsversorgung vor Ort so gestaltet werden kann, dass bestehende stationäre Krankenhäuser nicht geschlossen, sondern umgewandelt und dem Bedarf der Region entsprechend angepasst werden können. Erarbeitet wurden drei verschiedene Zielbilder und die für eine Umwandlung notwendigen Voraussetzungen. Viele kleine Kliniken der Grundversorgung entsprechen nicht mehr den Versorgungsbedarfen einer Region. Um Personal, Technik und Infrastruktur vorzuhalten, entstehen hohe Kosten. Sie sind daher oft defizitär und es sind regelmäßig Summen in Millionenhöhe nötig, mit denen Kommunen und Landkreise die aufgelaufenen Defizite ausgleichen müssen. Geld, dass dringend an anderer Stelle benötigt würde. Aber selbst dann gelingt es ihnen immer weniger gut, passendes Fachpersonal zu finden, worunter die Versorgungsqualität leidet. Doch in der Regel scheuen sich Lokalpolitiker, einen Klinikstandort zu schließen. Bei einer angedachten Schließung ist in der Regel mit einem starken Gegenwind aufgebrachter Bürger zu rechnen, die unter anderem ihre Notfallversorgung gefährdet sehen, fasst die Stiftung Münch den Status quo zusammen, aufgrund dessen man eine Studie in Auftrag gegeben habe, um herauszufinden, wie in diesen Fällen das Krankenhaus vor Ort so umgewandelt werden kann, dass eine gute Versorgung erhalten bleibt. Der Studie zufolge bieten sich drei verschiedene Typen von Einrichtungen an, in die das klassisches Krankenhaus transformiert werden kann: eine ambulante Klinik, eine Überwachungsklinik oder eine Fachklinik, deren Struktur und Aufgaben im Folgenden dargestellt werden: Die ambulante Klinik stellt als Anlaufstelle für einen Großteil der gesundheitlichen Anliegen eine Basisversorgung sicher. Die freiwerdenden Räume des Krankenhauses werden genutzt, um ambulante Angebote zusammenzuführen und durch neue zu ergänzen. Auf diese Weise sind viele Gesundheitsdienste an einem zentralen Ort für die Bevölkerung leicht zu erreichen.Wenn kein Bedarf für eine klassische stationäre Versorgung besteht, jedoch eine wohnortnahe Versorgung mit medizinischer Überwachungsmöglichkeit notwendig ist, können Überwachungskliniken eine Option sein. Anders als in ambulanten Kliniken gibt es Überwachungsbetten, sodass Patienten bei Bedarf für ein oder zwei Nächte aufgenommen werden können. Das Angebot deckt komplexere ambulante Fälle ab, für die im Fall einer Komplikation eine Übernachtung nötig wird oder bei denen aus sozialen Gründen eine Heimreise am gleichen Tag nicht empfehlenswert ist. Die hochtechnisierte Infrastruktur einer Klinik und durchgehende ärztliche Präsenz ist dabei nicht erforderlich. Eine gute ärztliche Diagnostik sowie die sichere Verlaufsabschätzung und kontinuierliche Überwachung durch qualifizierte Pflegefachkräfte sichern die Versorgungsqualität. Besitzen eine Fachabteilung oder ausgewählte Leistungsbereiche eines Krankenhauses überregionale Strahlkraft, kann es sich auch auf diese Spezialgebiete fokussieren. Damit würde es zu einer Fachklinik für ausgewählte Krankheitsbilder mit überregionalem Einzugsgebiet umgewandelt. Da dann die Aufgaben der breiten Grundversorgung nicht mehr wahrgenommen werden, müssen diese durch andere Angebote sichergestellt werden, zum Beispiel durch Rettungsdienst, Arztpraxen und umliegende Krankenhäuser. Von den drei Möglichkeiten ist keine per se besser oder schlechter, betont Prof. Boris Augurzky, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Münch: „Das Zielbild ist dann gut, wenn es den Bedarf der Region trifft und die Qualität der Versorgung damit besser ist als bei einer Fortschreibung des Status quo.“ Um die vor Ort geeignete Einrichtung zu finden, müssen nach Angaben der Stiftung die jeweiligen lokalen Voraussetzungen geprüft und die Bedürfnisse ermittelt werden. Ergänzende Versorgungsbausteine sorgten dafür, dass bei der Umwandlung die Versorgungsqualität erhalten bleibt. Dazu gehörten zum Beispiel die Integration neuer Berufsgruppen, die Nutzung von Telemedizin, die Einbindung von Haus- und Facharztpraxen oder das Angebot von ambulanten Operationen. Die Studie wurde von der Institute for Health Care Business GmbH (hcb) und der Oberender AG durchgeführt.
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