Krankheitsmerkmale von Bronchiektasien in Europa2. Oktober 2023 © Krakenimages.com – stock.adobe.com (Symbolbild) Bezüglich der Ursachen, der Mikrobiologie, dem Schweregrad und den Outcomes von Bronchiektasen gibt es in Europa große Unterschiede zwischen den Ländern und Regionen, wie die Autoren einer aktuellen Studie darin demonstrieren. In der Vergangenheit habe es nur wenige solche Untersuchungen für Europa gegeben, schreiben die Wissenschaftler zum Hintergrund ihrer Veröffentlichung. Das im Jahr 2012 gegründete Forschungsnetzwerk EMBARC (European Multicentre Bronchiectasis Audit and Research Collaboration) diente als Datenquelle für die multizentrische, prospektive, beobachtende und nichtinterventionelle Kohortenstudie, die 27 europäische Länder sowie Israel umfasste. Man sammelte umfangreiche klinische Daten zu Patienten im Alter von ≥18 Jahren bei Eintritt in das Register sowie bei jährlichen Nachuntersuchungen auf der Grundlage eines elektronischen Fallberichtformulars. Die Daten aus den einzelnen Ländern wurden in 4 Regionen zusammengefasst (Vereinigtes Königreich, Nord- und Westeuropa, Südeuropa sowie Mittel- und Osteuropa). Mithilfe der Follow-up-Daten bewerteten die Autoren Unterschiede in der Exazerbationshäufigkeit. Die analysierten Daten bezogen sich auf 16.963 Personen im Zeitraum 12.01.2015–12.04.2022. Das Durchschnittsalter betrug 67 Jahre (Interquartilbereich [IQR] 57–74), bei 10.335 (60,9%) Teilnehmenden handelte es sich um Frauen und bei 6628 (39,1%) um Männer. Die häufigste Ursache für Bronchiektasen unter allen 16.963 Personen war eine postinfektiöse Erkrankung bei 3600 (21,2%), während sie bei 6466 Personen (38,1%) als idiopathisch eingestuft wurden. Bei Personen mit Bronchiektasie traten durchschnittlich 2 Exazerbationen (IQR 1–4) pro Jahr auf, und 4483 (26,4%) Patienten mussten im Vorjahr wegen einer Exazerbation in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bei der Untersuchung des Prozentsatzes aller isolierten Bakterien wurden deutliche Unterschiede in der Mikrobiologie zwischen den Ländern festgestellt, mit einer höheren Häufigkeit von Pseudomonas aeruginosa und einer geringeren Häufigkeit von Haemophilus influenzae in Südeuropa, verglichen mit einer höheren Häufigkeit von H. influenzae im Vereinigten Königreich sowie in Nord- und Westeuropa. Im Vergleich zu anderen Regionen litten Patienten in Mittel- und Osteuropa eher an einer schwereren Bronchiektasie, gemessen anhand des Bronchiectasis Severity Index (51,3% vs. 35,1% in der Gesamtkohorte) und erfuhren mehr Exazerbationen, die zu einer Hospitalisierung führten (57,9% vs. 26,4% in der Gesamtkohorte). Insgesamt lag die Häufigkeit von Exazerbationen in Mittel- und Osteuropa insgesamt (bereinigtes Ratenverhältnis [RR] 1,12; 95%-KI 1,01–1,25) sowie von solchen, die zu Krankenhausaufenthalten führten (bereinigtes RR 1,71; 95%-KI 1,44–2,02), höher als unter Patienten in anderen Regionen. Die Therapie von Bronchiektasen wurde von den Studienautoren als regional sehr heterogen beurteilt. Fazit Bronchiektasen weisen in Europa erhebliche geografische Unterschiede hinsichtlich der Ursachen, der Mikrobiologie, des Schweregrads und der Behandlungsergebnisse auf. (ac) Autoren: Chalmers JD et al. Korrespondenz: James D. Chalmers; [email protected] Studie: Bronchiectasis in Europe: data on disease characteristics from the European Bronchiectasis registry (EMBARC) Quelle: Lancet Respir Med 2023;11(7):637–649. Web: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(23)00093-0
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