Krebs-Erbgut im Blut: Frühwarnsystem für rezidivierende Tumoren bei Kindern21. März 2022 Graphik: © ArtemisDiana – stock.adobe.com Neuroblastome entlassen DNA-Fragmente ins Blut und den Liquor. Diese Erbgutschnipsel können einen möglichen Krankheitsrückfall frühzeitig anzeigen. Außerdem geben sie Hinweise auf Veränderungen in bestimmten krebstreibenden Genen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) herausgefunden. Neuroblastome sind bösartige Tumoren, die vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Etwa die Hälfte der Neuroblastome ist besonders aggressiv und kann nach einer Therapie wieder auftreten. Dann sind die Überlebensaussichten der Patienten sehr gering. Ausgelöst wird das erneute Wachsen durch eine geringe Anzahl von Tumorzellen, die die Therapie überleben. Diese minimale Resterkrankung frühzeitig zu erkennen – möglichst noch bevor sie zu Rückfällen führen kann –, kann die weitere Prognose der betroffenen Kinder verbessern. Voraussetzung dafür ist eine kontinuierliche Überwachung mithilfe schonender Diagnostikmethoden, denn mehrere chirurgische Eingriffe zur Gewebeentnahme in Serie wäre für die Betroffenen viel zu belastend. „Eine vielversprechende Alternative zur Gewebeanalyse bilden Flüssigbiopsien, auch unter dem englischen Begriff Liquid Biopsy bekannt, die minimalinvasiv, also beispielsweise durch eine Blut- oder Liquorprobe der Patienten, gewonnen werden“, erklärt Kinderärztin Hedwig Deubzer vom DKTK-Partnerstandort an der Berliner Charité. Mit ihrem Team forscht sie an solchen Verfahren. Bereits zuvor war es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mithilfe molekularbiologischer Techniken gelungen, bei Kindern mit Neuroblastomen zellfreie Erbgutschnipsel aus Tumorzellen, sogenannte ctDNA, im Blut und im Liquor nachzuweisen. Das DKTK-Team untersuchte nun, ob sich ctDNA aus Flüssigbiopsien als diagnostische Marker eignen könnte, um den Krankheitsverlauf zu verfolgen – mit Erfolg. Es konnte zeigen, dass sich zellfreie Tumor-DNA in Flüssigbiopsien von Hochrisiko-Neuroblastompatienten gut und frühzeitig nachweisen lässt. „Wir identifizierten sogar zwei Patientinnen, bei denen es bis dahin keine Anzeichen eines Krankheitsfortschrittes gab“, sagte Deubzer. „Wir gehen davon aus, dass sich die Flüssigbiopsie aufgrund ihrer Sensitivität und der Tatsache, dass sich Probenmaterial einfach gewinnen lässt, sehr gut für die klinische Routine eignet.“ Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass sich ctDNA-Schnipsel nicht nur als Frühwarnsystem für das Zurückkehren eines Neuroblastoms nach der Therapie eignen. Sie geben auch Aufschluss über molekulare Veränderungen in der Tumor-DNA, die im Zeitverlauf entstehen und die therapierelevant sein können. Solche dynamischen Veränderungen fanden die Forscher auch im Bereich zweier bekannter Krebstreiber-Gene: dem MYCN-Gen und dem ALK-Gen. „Insbesondere das ALK-Gen stellt auch einen Angriffspunkt für eine zielgerichtete Krebstherapie mit einem ALK-Inhibitor dar“, so Deubzer. „Der frühe Nachweis von Veränderungen in diesem Gen bedeutet für einige Patientinnen und Patienten deshalb auch eine neue Option für die Folgebehandlung.“
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