Krebs im Kindesalter: Nur mehr Forschung vergrößert Heilungschancen14. Juni 2022 Foto: © romaset – stock.adobe.com Um die Heilungschancen bei Kinderkrebs zu verbessern, ist eine Verstärkung der translationalen Zusammenarbeit und eine Ausweitung der finanziellen Förderung notwendig. Dies betonten Prof. Stefan Rutkowski, Prof. Ulrich Schüller und Prof. Till Milde im Vorfeld des 20. International Symposium on Pediatric Neuro-Oncology (ISPNO). Hirntumore sind die häufigste Todesursache unter allen Krebserkrankungen im Kindesalter, ein Drittel der davon betroffenen Kinder kann in Deutschland aktuell nicht geheilt werden. Das könnte sich in Zukunft ändern, wenn die auf kindliche Hirntumoren zugeschnittene Forschung erheblich ausgeweitet wird: „Es besteht großer Bedarf für die Entwicklung zielgerichteter Therapien durch präklinische Forschung – vor allem im Bereich der Hirntumorentitäten“, sagte Prof. Stefan Rutkowski, Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), auf der Pressekonferenz. „Optimierte Therapieformen, die anhand von Forschungsergebnissen entwickelt werden, können zur Behandlung der oftmals aggressiven, nichtheilbaren Erkrankungen beitragen.“ Wichtige Voraussetzung hierfür seien neben der Forschung kontrollierte klinische Studien mit ausreichenden Patientenzahlen für alle Hirntumorentitäten. Auch Nebenwirkungen und Spätfolgen sollten darin erfasst werden. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung stelle die Gründung des Behandlungsnetzwerkes HIT vor rund 20 Jahren dar, in dem inzwischen mehr als 90 Prozent der in Deutschland an einem Hirntumor erkrankten Kinder und Jugendlichen eingeschlossen sind, wie Rutkowski erklärte. Nur auf Basis populationsbasierter Studien beziehungsweise Register könnte eine risikoadaptierte Therapieoptimierung, die das Rückfallrisiko bei schonenderer Therapie (um Spätfolgen zu vermeiden) verringere, evidenzbasiert entwickelt werden, sagte Rutkowski. Ohne private Spenden wäre Kinderkrebsforschung aktuell kaum durchführbar Am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg arbeiten Naturwissenschaftler, Bioinformatiker, Ärzte und viele andere Mitarbeitende interdisziplinär zusammen. Das Forschungsinstitut liefert grundlegende Erkenntnisse zur Entstehung pädiatrischer Hirntumoren und versucht auf Grundlage dieser Kenntnisse neue zielgerichtete Therapien zu entwickeln. Wie die Forschungsaktivitäten konkret aussehen, veranschaulichen zwei laufende Projekte, die Prof. Ulrich Schüller, Arbeitsgruppenleiter Entwicklungsneurobiologie und Pädiatrische Neuroonkologie am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg, exemplarisch vorstellte: Das erste Projekt zielt darauf ab, anhand leicht zugänglicher Hirnwasserproben möglichst exakte Informationen zur Molekularbiologie eines Tumors zu erhalten. So könnten auch Patienten mit inoperablen Tumoren zu einer exakten Diagnose und maßgeschneiderten Therapie kommen. Das zweite Projekt testet eine maßgeschneiderte Therapie für eine Subgruppe von Medulloblastomen, einem häufigen bösartigen kindlichen Kleinhirntumor. Die neue Methode könnte möglicherweise die erheblichen Nebenwirkungen auf das Knochenwachstum abwenden. Schüller betonte: „Mir unseren Forschungsprojekten möchten wir Therapieerfolge und Tumorrezidive beobachten beziehungsweise frühzeitig erkennen und die Behandlung optimieren. Neben öffentlichen Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder der Deutschen Krebshilfe sind private Spenden für die Kinderkrebsforschung unverzichtbar.“ Hürden in der translationalen Forschung beheben Wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor in die Klinik übertragen werden, erläuterte Prof. Till Milde, Gruppenleiter Translationale Hirntumormodelle am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), am Beispiel der Entwicklung neuer Therapieansätze bei niedrig-gradigen Gliomen des Kindesalters, die bei Kindern die Gruppe der häufigsten Tumore des Gehirns oder Rückenmarks darstellen. Auch auf die derzeitigen Engpässe in der translationalen Forschung ging der Experte ein: „Um neue Therapieansätze erfolgreich zu den Patienten zu bringen, brauchen wir zum einen die bauliche und personelle Integration von Forschung und Klinik. Zum anderen ist aber auch die Etablierung und Förderung von explizit translationalen Strukturen in der Präklinik sowie in der klinischen Versorgung absolut notwendig.“ Sofern dies nicht oder nur langsam geschehe, könne dieser Umstand zur Verzögerung der klinischen Anwendung führen und so der Entwicklung der wichtigen neuen Therapieansätze im Weg stehen.
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]