Kretschmann für Widerspruchslösung bei Organspende – Neue Initiative

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Bundnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), hat sich nach langer Skepsis in der Debatte um Spenderorgane für die sogenannte Widerspruchslösung ausgesprochen.

Bei der Widerspruchslösung gilt jeder im Todesfall automatisch als Organspender, außer man hat zuvor seinen Widerspruch geäußert. «Wir liegen einfach zurück bei den Spenderorganen. Das ist ein Faktum», sagte der Grünen-Politiker am 27.06.2023 in Stuttgart. «Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Widerspruchslösung ein gangbarer Weg ist.»

In der Vergangenheit hatte Kretschmann gesagt, dass er bei dem Thema keine abgeschlossene Meinung habe und hin- und hergerissen sei.

Seitdem sei viel Wasser den Neckar heruntergeflossen, sagte der Regierungschef. Er habe viel gelesen und sich intensiv mit Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) unterhalten. Lucha ist seit langem ein Befürworter der Widerspruchslösung.

Baden-Württemberg plant mit weiteren Bundesländern eine neue Initiative im Bundesrat. Lucha sagte der dpa, Ziel sei ein Gesetzentwurf, der vorsehe, dass die Widerspruchslösung als Grundlage für die Zulässigkeit der Organentnahme in das Transplantationsgesetz aufgenommen werde. Das Vorhaben war am gleichen Tag auch Thema im grün-schwarzen Kabinett.

Kretschmann sagte, er sei sich mit dem Gesundheitsminister einig, dass man nichts unversucht lassen dürfe, um Menschen zu helfen, die dringend ein Spenderorgan brauchten. «Ich bin da jetzt ganz klar auf der Linie der Widerspruchslösung – auch persönlich.»

(dpa/ms)