„Kriechendes Fett“ bei Morbus Crohn wird mit Bakterientranslokation in Verbindung gebracht6. Oktober 2020 Foto: © DOC RABE Media/Adobe Stock Bei vielen Patienten mit Morbus Crohn wandert abdominales Fett zur Wand des entzündeten Dünndarmes. Was es dazu veranlasst, ist ein Rätsel. Nun haben Wissenschaftlern einen wichtigen Hinweis entdeckt. In einer neuen Studie berichten Forscher vom Cedars-Siniai Medical Center (USA), dass dieser Prozess eigentlich dem Schutz dient, letzten Endes aber mehr Schaden anrichtet als nützt. „‚Kriechendes Fett’ ist für Chirurgen, die bei einem Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung eine Resektion vornehmen, oftmals eine Orientierungshilfe: Wenn sie es sehen, ist das wahrscheinlich der Ort, wo die Läsion sitzt“, erklärt Suzanne Devkota, Seniorautorin der Studie. „Wir wissen jedoch nicht, ob diese Existenz von Fett die Erkrankung verschlimmert oder dem Schutz des Darms vor irgendetwas dient.“ Devkota und ihre Arbeitsgruppe führten molekulare Untersuchungen des Dünndarms und von Fettgewebeproben von elf M.-Crohn-Patienten durch, die sich einer Operation unterzogen hatten. Adipöses oder Fettgewebe sei mehr als ein Energiespeicher, betonen sie: Es ist ein dynamisches endokrines Gewebe voll mit Immunzellen, die in bestimmten Fällen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) aktiviert werden. „Wir stellten fest, dass das adipöse Gewebe tatsächlich auf Bakterien reagiert, die aus dem geschädigten Darm direkt in das Fettgewebe eingewandert sind. Wir glauben, dass die ‚kriechende‘ Migration von Fettgewebe und die Umhüllung des Dünndarmes den Versuch darstellt, Leckagen im geschädigten Organ zu verschließen, damit Darmbakterien nicht in den Blutstrom gelangen“, erläutert Devkota. Doch die Reaktion, die als Schutzmechanismus ihren Anfang nimmt, besitzt offenbar keinen „Aus-Schalter“. Wenn die Bakterien im Fettgewebe verbleiben, wandert es immer weiter zur möglichen Quelle des Bakteriums hin. Doch die Präsenz des Fettgewebes trägt möglicherweise zur Entwicklung einer Fibrose bei, die bei 40 Prozent aller Patienten mit M. Crohn auftritt. Die Resektion von Teilen des Dünndarmes ist für viele dieser Patienten die einzige Option und hat lebensverändernde Konsequenzen. Ihre Daten brachten die Wissenschaftler auf die Spur eines bestimmten Erregers, der für die Migration des Fettgewebes verantwortlich ist. „Wir identifizierten ein Pathogen, dass im Verdauungstrakt vorkommt – Clostridium innocuum – als mikrobiellen Eindringling, der beim Fettgewebe die Wanderung zum Dünndarm auslöst. Auch die Struktur dieses speziellen infektiösen Erregers ist die Ursache, dass es sich gut für eine Umgebung, die reich an Lipiden ist, eignet“, berichtet David Underhill, Mitautor der Studie und ebenfalls am Cedars-Siniai Medical Center tätig. Die Forschungsergebnisse könnten auf mögliche neue Therapeutika hindeuten, so die Forscher.
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