Kriegsbilder in sozialen Medien können Jugendliche psychisch belasten28. Juli 2026 Die Welt ist mit einer Vielzahl globaler Krisen konfrontiert. Bilder, Videos und Berichte darüber gelangen über soziale Medien innerhalb von Sekunden direkt auf das Smartphone und damit auch in den Alltag junger Menschen. (Foto: © Alejandro Bernal – stock.adobe.com) Eine Studie der Universität Regensburg und der medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie zeigt: Empathie und emotionale Bewusstheit beeinflussen, wie belastend Kriegs- und Gewaltinhalte in sozialen Medien für Jugendliche sind. Kriegsbilder in sozialen Medien können belasten: Viele Jugendliche, die solche Inhalte sehen, berichten im Anschluss von posttraumatischen Stresssymptomen. Forschende der Universität Regensburg und der medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie wollten daher herausfinden, ob das Betrachten von Kriegsgewalt auf Social-Media-Kanälen bei Jugendlichen Symptome ähnlich eines posttraumatischen Belastungserlebens auslösen kann. Außerdem untersuchten sie, welche persönlichen Eigenschaften das Risiko für solche Symptome erhöhen oder senken.Dazu befragten die Forschenden in einer bevölkerungsrepräsentativen Studie 2000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren in Deutschland, wie oft sie Kriegsbilder und -videos in sozialen Medien sehen und ob sie anschließend posttraumatische Stresssymptome entwickeln (z. B. Albträume, Flashbacks, Vermeidungsverhalten). Außerdem wollten die Forschenden wissen, wie stark das jeweilige Einfühlungsvermögen (Empathie) ausgeprägt war und wie gut die Teilnehmenden eigene Gefühle wahrnehmen und einordnen können (emotionale Bewusstheit). Konfrontation erfolgt häufig unfreiwilig Von den 2.000 befragten Jugendlichen gaben 1860 (93 %) an, Kriegs- oder Gewaltdarstellungen in sozialen Medien gesehen zu haben. Unter diesen berichteten 26,1 Prozent von Vermeidungsverhalten, 21,7 Prozent von belastenden Intrusionen (z. B. aufdrängenden Gedanken oder Bildern), 14,7 Prozent von erhöhter Anspannung (Hyperarousal) und 10,6 Prozent von Schlafproblemen infolge der gesehenen Inhalte.Hervorzuheben ist laut den Forschenden, dass 56 Prozent der Befragten angaben, unfreiwillig über die Feeds mit Gewaltdarstellungen konfrontiert worden zu sein.Es zeigten sich kleine, aber statistisch eindeutige und verlässliche Zusammenhänge zwischen Stress-Symptomen, somatischer Empathie und eingeschränkter emotionaler Bewusstheit. Laut den Forschenden legen die Ergebnisse nahe, dass insbesondere die Jugendlichen belastet sind, die das Leid anderer intensiv körperlich miterleben und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, ihre eigenen emotionalen Reaktionen wahrzunehmen und einzuordnen. Die eigenen emotionalen Grenzen erkennen und schützen „Soziale Medien sind ein fester Bestandteil des Alltags vieler junger Menschen und eine wichtige Quelle für Informationen über das Weltgeschehen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass belastende Inhalte nicht von allen Jugendlichen gleich verarbeitet werden. Umso wichtiger ist es, die eigene Medienkompetenz zu stärken, die persönliche Belastung durch solche Inhalte wahrzunehmen, sich bei Bedarf bewusst abzugrenzen, mit anderen darüber zu sprechen und die eigenen emotionalen Grenzen zu kennen und zu schützen“, erklärt Prof. Romuald Brunner, Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Regensburg am Bezirksklinikum Regensburg.Das Einstreuen von Feeds mit Gewaltdarstellungen könnte durch die Plattformen reguliert werden und sollte eine zentrale Forderung in der aktuellen Diskussion um die seelischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen im Kontext der Nutzung der sozialen Medien darstellen, so die Autoren.
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