Kritik am geplanten Förderende für Cochrane Deutschland

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Das Bundesministerium für Gesundheit lässt die Förderung der Cochrane Deutschland Stiftung Ende 2027 auslaufen. Die DEGAM und drei weitere Fachgesellschaften fordern eine Weiterfinanzierung über 2027 hinaus.

„Wer evidenzbasierte Gesundheitsversorgung ernst nimmt, darf nicht ausgerechnet dort sparen, wo unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Versorgung aufbereitet und zugänglich gemacht werden“, sagt Prof. Eva Hummers, Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Die geplante Streichung der Förderung sendet ein fatales Signal für die evidenzbasierte medizinische Versorgung in Deutschland, heißt es in einer aktuellen Meldung der DEGAM.

Die Cochrane Deutschland Stiftung nimmt eine wichtige Vermittlerfunktion zwischen internationaler medizinischer Forschung und der Versorgung hierzulande ein. Diese Arbeit wird seit 2017 vom Bundesministerium für Gesundheit mit rund 1,3 Millionen Euro jährlich unterstützt (wir berichteten). Dass diese Förderung nicht gestrichen werden darf, macht die DEGAM in der „Göttinger Erklärung“ deutlich, die im Rahmen des interdisziplinären Medizin-Kongresses „Gesundheit gestalten“ gemeinsam Anfang Oktober 2026 in Göttingen entwickelt wurde. Die drei weiteren beteiligten Fachgesellschaften sind die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk).

Investition in Qualität und Effizienz 

Cochrane Deutschland bereitet internationale Forschungsergebnisse für Ärzte, andere Gesundheitsberufe sowie Patienten verständlich auf. Die systematischen Übersichtsarbeiten helfen dabei, Nutzen und Risiken medizinischer Maßnahmen realistisch einzuschätzen. Zugleich macht Cochrane sichtbar, wo Wissen fehlt oder die vorhandene Evidenz nicht ausreicht. Weiterhin vermittelt Cochrane Deutschland Kompetenzen zur Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse, berät Politik und Institutionen und bringt seine Expertise in gesundheitspolitische Debatten ein.

Aus Sicht der DEGAM ist es deshalb nicht nachvollziehbar, die Förderung gerade jetzt auslaufen zu lassen. Die Arbeit von Cochrane Deutschland trägt dazu bei, Fehlversorgung zu vermeiden und Ressourcen gezielter einzusetzen. Außerdem stärkt sie das Vertrauen in wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformationen. In einer Zeit, in der Desinformation und Wissenschaftsskepsis zunehmen, ist dieser Aspekt wichtiger denn je.

„Die Förderung von Cochrane Deutschland ist keine freiwillige Zusatzleistung, auf die man angesichts angespannter Haushalte einfach verzichten kann“, betont Hummers. „Sie ist eine Investition in die Qualität und Effizienz unserer Gesundheitsversorgung. Wir brauchen nicht weniger, sondern eher mehr Wissen darüber, was nachweislich wirkt und was den Menschen tatsächlich nutzt.“ Vor diesem Hintergrund fordert die DEGAM das Bundesministerium für Gesundheit dazu auf, die Finanzierung von Cochrane Deutschland über 2027 hinaus sicherzustellen und damit den gesetzlichen Anspruch auf eine evidenzbasierte Gesundheitsversorgung auch praktisch zu unterstützen.