Kritik der HNO-Ärzte an Rechenfehler bei EBM-Reform13. Dezember 2019 40 Prozent aller Hörtests ohne MFA? Für Dirk Heinrich, Präsident des Berufsverbandes der HNO-Ärzte, ist das “schlicht nicht möglich und daher völlig inakzeptabel”. Foto: ©Artemenko_Daria/Adobe Stock Der Berufsverband der HNO-Ärzte kritisiert die am 12. Dezember beschlossene EBM-Reform scharf. Einzelne Leistungen würden ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Abläufe in den Praxen kalkuliert, etwa die Tonschwellenaudiometrie. Der Verband forderte eine Korrektur der Fehler und prüft rechtliche Schritte. „Die gestern beschlossene sogenannte kleine EBM-Reform beweist den Realitätsverlust der Krankenkassen“, konstatiert der Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. Neben dem Grundproblem, dass mit der Reform nicht mehr dringend benötigte Mittel in die ambulante Versorgung fließen, würden einzelne Leistungen ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Abläufe in den Praxen kalkuliert. „Bei der Tonschwellenaudiometrie gehen die Kassen davon aus, dass 40 Prozent aller Hörtests ohne Arzthelferin oder Medizinische Fachangestellte erstellt werden können.“ Das sei schlicht nicht möglich und daher völlig inakzeptabel, so Dr. Dirk Heinrich. Der Berufsverband fordere die Kassen auf, den Fehler umgehend zu korrigieren. Gleichzeitig prüfe man rechtliche Schritte. Die Tonschwellenaudiometrie zählt zu den meisterbrachten diagnostischen Verfahren beim HNO-Arzt. Hörtests werden durch Medizinische Fachangestellte (MFA) erstellt. Dabei sei die aktive Mitarbeit von MFA zu 100 Prozent notwendig, so der Berufsverband der HNO-Ärzte. Der HNO-Arzt beurteilt das Ergebnis und kommt bei komplizierten Untersuchungen dazu. Im EBM wurde diese Zeit des Personaleinsatzes über die letzten zehn Jahre hinweg mit nur 20 Prozent berechnet. Diesen Fehler hatte der Berufsverband der HNO-Ärzte bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bereits mehrfach angemahnt. Als Folge des Fehlers blieben die niedergelassenen HNO-Ärzte nach Angaben ihres Berufsverbandes seit 2009 auf Personalkosten im dreistelligen Millionenbereich sitzen. Der augenscheinliche Berechnungsfehler sollte mit der EBM-Reform nun korrigiert werden. Die Krankenkassen stimmten in den Verhandlungen über den Punkt aber nur einer Anhebung auf 60 Prozent Personaleinsatzzeit zu. Demnach müssten 40 Prozent aller Audiogramme ohne MFA durchgeführt werden. „Dies ist schlichtweg nicht möglich“, kritisiert Heinrich. „Man kann nicht beliebige Zahlenspiele aufführen, wenn es um die tatsächlichen Abläufe in den Praxen geht.“ Dies sei offensichtlich unlogisch und daher nicht hinnehmbar. Gleichzeitig würden im neuen EBM alle Personalzeiten als sogenannte technische Leistungen abgewertet. Dieser Ansatz sei ebenfalls praktisch nicht nachvollziehbar und mit einer Reihe von wirklichkeitsfremden Annahmen verbunden. Heinrich: „Es ist absolut inakzeptabel, eine Leistung, die wesentlich aus Personaleinsatz von Medizinischen Fachangestellten besteht, als technische Leistung abzuwerten.“ Die geringere Honorierung der Arzthelferinnen führe in Zeiten eines verschärften Fachkräftemangels zu weiteren gravierenden Problemen, so Heinrich weiter. „Wie stellen es sich die Krankenkassen vor, wie wir in Arztpraxen in Zukunft noch Personal bekommen sollen?“ An die Adresse der Krankenkassen richtet Heinrich daher einen deutlichen Appell: „Man kann sich nicht derart der Realität verweigern und so gravierende Rechenfehler nicht korrigieren, beziehungsweise auf halbem Weg der Problemlösung stehenbleiben.“ Dies sei für die künftige konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Krankenkassen kontraproduktiv. Sollte der fehlerhafte Personalansatz bei den Audiogrammen nicht umgehend korrigiert werden, werde man weitere rechtlich Schritte prüfen, kündigt Heinrich an.
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