Künstliche Bräunung und Krebsrisiko: Studie zeigt eindeutige Assoziationen

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OSLO (Biermann) – Norwegische Epidemiologen haben erstmals eine Studie zur Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der UV-Kumulation durch langjährigen Solarien­gebrauch und dem Risiko kutaner Plattenepithelkarzinome (SCC) durchgeführt.

Um die Dosis-Wirkungs-Beziehung zu untersuchen, wurde der Zusammenhang zwischen der Dauer und dem Eintrittsalter bei Anwendung mit dem SCC-Risiko sowie der Zusammenhang zwischen Eintrittsalter der Anwendung mit dem Alter zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose berechnet.

Die Kohortenstudie umfasste Daten von Frauen aus der „Norwegian Women and Cancer study“, die 1991 etabliert und inklusive Follow-ups bis Dezember 2015 fortgeführt wurde. Baseline-Fragebögen wurden den Teilnehmern von 1991 bis 2007 ausgehändigt, Nachfolgefragebögen wurden alle 5–7 Jahre verteilt. Die Teilnehmerinnen berichteten in den Fragebögen von Pigmentierungsmerkmalen. Sonnenbrände, ausgiebige Sonnenurlaube sowie künstliche Bräunung (Solarien und Heimgeräte) wurden für Lebensabschnitte wie Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter angegeben. Informationen zu allen Krebsdiagnosen sowie Daten zu Emigration oder zum Todesfall wurden durch die Verlinkung des norwegischen Krebsregisters und der einmaligen persönlichen Identifikationsnummer norwegischer Bürger akquiriert.

Für die Studie wurden die Daten von 159.419 norwegischen Frauen (Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Registratur: 49,9 Jahre) inkludiert; während der Follow-ups (durchschnittlich 16,5 Jahre) wurde bei 597 ein kutanes SCC diagnostiziert. Das SCC-Risiko nahm mit der kumulativen Anzahl der Sitzungen zur künstlichen Bräunung zu. Der adjustierte Risikofaktor (hazard ratio, HR) für die stärkste/höchste Anwendung gegenüber der konsequenten Nichtanwendung von Sonnenbänken u.ä. lag bei 1,83 (95 %-Konfidenz­intervall [KI] 1,38–2,42). Ein signifikant höheres SCC-Risiko wiesen Frauen auf, die einen Solariengebrauch von 10 Jahren (HR 1,41; 95 %-KI 1,08–1,85) und mehr als 10 Jahren (HR 1,43; 95 %-KI 1,16–1,76) angaben; das Krebsrisiko nahm im Vergleich zu den „Solarien-Verweigerinnen“ sowohl unter den Frauen zu, die zum Zeitpunkt der Erstanwendung über 30 Jahre alt waren (HR 1,36; 95 %-KI 1,11–1,67), als auch unter den Frauen, die zum Zeitpunkt der Erstanwendung unter 30 Jahre alt waren (HR 1,51; 95 %-KI 1,18–1,92). Zwischen dem Alter der Erstanwendung einer Sonnenbank und dem Alter zum Diagnosezeitpunkt ergab sich kein signifikanter Zusammenhang (geschätzter Regressionskoeffizient -0,09 [95 %-KI, -1,11 – 0,94] für ein Initiationsalter ≥30 Jahre und -0,02 [95 %-KI -1,27 – 1,22] für ein Initiationsalter <30 Jahre im Vergleich zur Nichtanwendung).

Die Autoren schreiben in ihrer Schlussfolgerung, dass die Studienergebnisse die Evidenz einer Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen künstlicher Bräunung und dem SCC-Risiko bei Frauen untermauern. Der Zusammenhang zwischen der kumulativen UV-Dosis durch Solarien/Sonnenbänke und dem SCC-Risiko war und blieb quasi derselbe, unabhängig von der Dauer der Anwendung und dem Alter bei Erstanwendung. Die Ergebnisse unterstützen Bestrebungen, den Zugang zu/die Anwendung von künstlicher Bräunung zu regulieren. (am)