Kynologie: Revolutionieren Touchscreens die Verhaltensforschung?

Foto und Grafik: KLIVV

Sind Hunde klug genug, um mit einem Touchscreen umzugehen? Ja, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien belegt.

Um der Frage nachzugehen, untersuchten Wissenschaftler bestehende Studien, die in ihren Experimenten mit Hunden Touchscreens verwendeten. Das digitale Tool bietet laut den Forschenden verschiedene Vorteile. Beispielsweise schützt es vor unerwünschten Einflüssen durch Versuchsleiter, die normalerweise während des Experiments anwesend sind.

Um das volle Potenzial von Touchscreens in der Forschung zur kognitiven Leistungsfähigkeit von Hunden auszuschöpfen, plädieren die Autoren für standardisierte Ansätze beim Einsatz solcher Systeme.

Touchscreens verbessern Standardisierung und Datenqualität

Hunde (Canis familiaris) sind ein beliebtes Modell in der vergleichenden Kognitionsforschung. Traditionelle Forschungsparadigmen stützen sich oft auf eine starke Einbeziehung der Versuchsleitenden, was zu Verzerrungen und Inkonsistenzen führen kann. Der Einsatz von Technik bietet hier laut Studien-Erstautorin Siqi Yang-Fu vom Domestication Lab des KLIVV eine Lösung: „Touchscreen-basierte automatisierte Systeme verbessern die Standardisierung, verringern den Einfluss von Versuchsleiter:innen und erhöhen die Datenqualität. Außerdem sind sie in der Forschung mit verschiedenen Tierarten bereits weit verbreitet.“

In der Hundeforschung spielen Touchscreens bislang jedoch keine große Rolle. Das zeigt die Meta-Studie mit ihrer systematischen Übersicht von Studien zu Hundeverhalten und -kognition in Bezug auf Touchscreen-basierte Methoden. Touchscreen-basierte Studien sind äußerst selten – die Forschenden konnten nur 14 solcher Publikationen identifizieren.

Drei Hindernisse müssen überwunden werden

Einem breiteren Einsatz der Technologie stehen laut Studien-Co-Letztautorin Friederike Range, Stellvertretende Leiterin des KLIVV, derzeit vor allem drei Hindernisse gegenüber: „Einerseits handelt es sich dabei um technische Hindernisse, wie beispielsweise die Notwendigkeit interdisziplinärer Kompetenzen. Praktische Barrieren sind hohe Kosten sowie ein langes und aufwendiges Training mit den Tieren. Hinzukommen artspezifische Einschränkungen, dazu zählen „Umwelt“-Hindernisse wie etwa das Antippen des Touchscreens mit der Schnauze.“

Die Studienautoren und -autorinnen nennen konkrete Strategien zur Überwindung dieser Hindernisse, darunter den Einsatz von Open-Source-Lösungen, die verstärkte Kooperation von Forschungseinrichtungen und die Entwicklung von Apparaturen, die besser auf die „Umwelt“ der Hunde abgestimmt sind.

Bessere Reproduzierbarkeit angestrebt

„Touchscreen-basierte Methoden sind vielversprechend für den Fortschritt der Verhaltensforschung an Hunden“, resümiert Studien-Co-Letztautor Tiago Monteiro vom Domestication Lab/KLIVV. Durch eine kooperative, offene und hundezentrierte Herangehensweise ließen sich laut Tiago solche Ansätze in größerem Umfang integrieren. Das würde die Reproduzierbarkeit von Studienergebnissen verbessern und helfen, neue Erkenntnisse schneller zu gewinnen sowie objektive Indikatoren zum Verhalten und den kognitiven Fähigkeiten von Hunden zu erhalten.