Lactobacillus gasseri könnte Fruchtbarkeit älterer Frauen verbessern

Symbolbild Laktobazillen © InspireStock Gallery/stock.adobe.com

Ein Rückgang von Lactobacillus gasseri im Endometrium trägt möglicherweise zur altersbedingten Abnahme der Fruchtbarkeit bei. Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass der bakterielle Stamm und daraus abgeleitete Postbiotika die Fruchtbarkeit verbessern könnten.

Das berichten Forschende in einer im Fachjournal „Cell Host & Microbe“ veröffentlichten Studie. Sie untersuchten, wie sich die Zusammensetzung des Endometriummikrobioms mit zunehmendem Alter verändert und welche Bedeutung dies für die Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut haben könnte.

„Die altersbedingte Abnahme der Fortpflanzungsfähigkeit wurde traditionell vor allem auf eine verringerte Eizellreserve und eine verminderte Embryonenqualität zurückgeführt“, erläutert der korrespondierende Autor Prof. Rong Li vom Peking University Third Hospital in Peking (China). „Eine erfolgreiche Schwangerschaft hängt jedoch auch von einem gesunden und empfängnisbereiten Endometrium ab.“

Lactobacillus gasseri nimmt mit dem Alter ab

Für die Studie analysierte das Forschungsteam Endometriumproben von 149 Frauen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, die aufgrund einer Infertilität behandelt wurden. Die Teilnehmerinnen wurden in drei Altersgruppen (<30 Jahre, 30–35 Jahre und >35 Jahre) eingeteilt.

Frauen unter 30 Jahren wiesen eine signifikant höhere Besiedlung des Endometriums mit Lactobacillus-Arten auf als die älteren Gruppen. Besonders deutlich nahm die Häufigkeit von Lactobacillus gasseri mit zunehmendem Alter ab. Überraschenderweise blieb die gesamte mikrobielle Diversität über die Altersgruppen hinweg weitgehend unverändert; Unterschiede zeigten sich vor allem bei einzelnen Bakterienarten.

Ein Jahr später lagen bei 93 Frauen Daten nach Embryotransfer vor. Insgesamt kam es zu 56 klinischen Schwangerschaften. Zwar unterschieden sich die Schwangerschaftsraten zwischen den Altersgruppen nicht signifikant, jedoch wiesen Frauen mit eingetretener Schwangerschaft eine höhere Lactobacillus-Besiedlung des Endometriums auf als Frauen ohne Schwangerschaft.

Postbiotika schützen Endometrium im Mausmodell

Von fünf nachgewiesenen Lactobacillus-Stämmen zeigte L. gasseri die günstigsten Eigenschaften für die Gesundheit des Endometriums. Der Stamm zeichnete sich durch antioxidative und antiinflammatorische Effekte aus und haftete besonders gut an Endometriumzellen.

Weitere Untersuchungen an humanen Endometrium-Stromazellen ergaben, dass Exopolysaccharide (EPS) – Bestandteile der von L. gasseri gebildeten Biofilmmatrix – die Zellen vor altersbedingten Veränderungen schützen können. Im Mausmodell führte die Behandlung älterer Tiere mit aus L. gasseri gewonnenen EPS zu einer höheren Embryoimplantationsrate.

Nach Ansicht der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, dass nicht nur das lebende Bakterium selbst, sondern auch definierte bakterielle Produkte therapeutisch genutzt werden könnten. Dadurch könnten sich praktikablere Ansätze ergeben, die Gebärmutterschleimhaut gezielt zu unterstützen.

Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass die Ergebnisse keinen Kausalzusammenhang zwischen Veränderungen des uterinen Mikrobioms und der Endometriumalterung belegen. Zudem raten sie ausdrücklich von einer Selbstmedikation mit frei erhältlichen L. gasseri-Präparaten zur Behandlung einer Infertilität ab. Größere klinische Studien seien erforderlich, um den möglichen Nutzen bei Frauen mit Kinderwunsch zu bestätigen.

(lj/BIERMANN)

Mehr zum Thema Fruchtbarkeit:

Immuntherapie könnte die Fruchtbarkeit bei prämaturer Ovarialinsuffizienz vorübergehend wiederherstellen

Injizierbares Semaglutid könnte die Fruchtbarkeit bei Frauen mit PMOS verbessern