Langfristige Erhebung patientenberichteter Endpunkte in onkologischen Studien: wichtig und machbar14. August 2023 Bild: ©Razvan – stock.adobe.com Runder Tisch: In der Zeitschrift „Value in Health” wurde ein Konsens veröffentlicht, den HTA-Organisationen, Regulatoren, Industrie- und Patientenvertretungen erarbeitet haben – unter Mitwirkung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Um die Sicht der Patienten auf eine Krebsbehandlung zu ermitteln, werden in onkologischen Studien patientenberichtete Zielgrößen (Patient-reported outcomes, kurz PRO) erhoben – leider oft zu kurz, etwa nur bis zu dem Zeitpunkt, zu dem im Röntgenbild ein Wachstum des Tumors angezeigt wird und es zum Behandlungsabbruch kommt. So lassen sich z. B. die Auswirkungen des im Röntgenbild dargestellten Progresses oder auch langfristige Nebenwirkungen der Krebstherapie auf das Leben der Betroffenen nicht sicher einschätzen. Begründet wird das mit organisatorischen Schwierigkeiten oder mit dem Desinteresse der Betroffenen an einer langfristigen Nachverfolgung. Aber stimmt das überhaupt? Diese und ähnliche Fragen wurden 2020 in einem Round-Table-Gespräch diskutiert, an dem 16 Interessenvertreter aus Wissenschaft, klinischer Praxis, Betroffenenverbänden, internationalen Zulassungsbehörden, HTA-Einrichtungen und der pharmazeutischen Industrie teilnahmen. Das IQWiG war durch Beate Wieseler vertreten, die das Ressort Arzneimittelbewertung leitet. Die Ergebnisse wurden nun in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Klarer Plan und gute Erläuterungen notwendig Alle Parteien waren sich einig, dass es wichtig ist, die langfristigen Auswirkungen von Therapien auf die Patienten in klinischen Studien zu verstehen – auch über den Behandlungsabbruch hinaus. Diese Informationen sind wichtig für die Entscheidungen von Behörden, Kostenträgern, Ärzten sowie Betroffenen. Damit patientenberichtete Endpunkte aus der Zeit nach Abschluss der Studienbehandlung möglichst gut genutzt werden können, müssen die Sponsoren klinischer Studien bereits vor Beginn der Erhebung klare Forschungsfragen festlegen. Alles andere wäre unethisch und eine Vergeudung von Mitteln und der wertvollen Lebenszeit der Erkrankten. Den Patientenvertretungen zufolge sind Betroffene durchaus willens, Zeit in die PRO-Erfassung zu investieren, wenn man ihnen konkret erläutert, wozu ihre Angaben benötigt werden. Das zeigt: Eine längere Erhebung solcher Zielgrößen ist kein wirklichkeitsferner akademischer Wunschtraum, sondern mit guter Planung machbar – und läuft den Interessen der Betroffenen keineswegs zuwider.
Mehr erfahren zu: "Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich" Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich Der Nutzen eines bevölkerungsweiten Hautkrebsscreenings ist umstritten. Ein Forschungsteam aus Oldenburg und Lübeck hat nun Trends der Melanomsterblichkeit in Deutschland und den Nachbarländern verglichen.
Mehr erfahren zu: "Warum es im Vereinigten Königreich kein populationsbasiertes Prostatakrebs-Screening geben wird" Warum es im Vereinigten Königreich kein populationsbasiertes Prostatakrebs-Screening geben wird Das britische National Screening Committee (UK NSC) hat sich gegen ein populationsbasiertes Prostatakrebs-Screening ausgesprochen und die Regierung hat die Empfehlung akzeptiert. Nur bei einer eng begrenzten Risikogruppe sieht das Komitee […]
Mehr erfahren zu: "HNSCC: DFG fördert interdisziplinäres Projekt" HNSCC: DFG fördert interdisziplinäres Projekt Neue Behandlungsstrategien für Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinome (HNSCC) wollen Prof. Anja Kathrin Weg und Prof. Richard Bauer entwickeln. Dafür haben sie eine halbe Million Euro Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben. Das Kooperationsprojekt […]