Langzeitfolgen bei COVID-19-Patienten15. April 2021 © deagreez – stock.adobe.com (Symbolbild) In einer kürzlich veröffentlichten Studie beschreiben deren Autoren die Langzeitfolgen (6 Monate) einer COVID-19-Erkrankung und die damit verbundenen Risikofaktoren – insbesondere die Schwere der Erkrankung. Die Forscher stellten fest, dass die Patienten nach der akuten Infektion vor allem an Fatigue oder Muskelschwäche sowie Schlafstörungen und Angstzuständen oder Depressionen litten. Patienten, die schwerer erkrankt gewesen waren, wiesen eine stärkere Beeinträchtigung der Lungendiffusionskapazität und Anomalien bei der Thoraxbildgebung auf. Letztere stellten die wichtigste Zielgruppe für Interventionen dar, die einer langfristigen Genesung führen sollen, unterstreichen die Studienautoren. Insgesamt wurden 1733 von 2469 entlassenen COVID-19-Patienten in die Auswertung eingeschlossen. Die Patienten waren im Median 57,0 Jahre alt (IQR 47,0–65,0), 897 (52%) von ihnen waren Männer. Die Nachuntersuchungen wurden im Zeitraum 16.06.–03.09.2020 durchgeführt, wobei die mediane Zeit bis zum Follow-up nach Auftreten der Symptome 186,0 Tage betrug (175,0–199,0). Fatigue oder Muskelschwäche (63%; 1038 von 1655) und Schlafstörungen (26%; 437 von 1655) waren die häufigsten Symptome. Bei 23% (367 von 1617) der Patienten wurde über Angst oder Depression berichtet. Die Anteile der medianen beim 6-Minuten-Gehtest zurückgelegten Strecke, die unter der Untergrenze des Normbereiches lagen, betrugen 24% für Patienten mit einem Schweregrad 3 sowie 22% beim Schweregrad 4 und 29% beim Schweregrad 5–6. Die entsprechenden Anteile von Patienten mit Diffusionsstörungen betrugen 22% beim Schweregrad 3 sowie 29% beim Schweregrad 4 und 56% beim Schweregrad 5–6. Die Wissenschaftler errechneten einen CT-Score für jeden der 5 Lungenlappen entsprechend ihrer anatomischen Beteiligung am Krankheitsgeschehen (keine Beteiligung=0; <5% Beteiligung=1; 5–25% Beteiligung=2; 26–50% Beteiligung=3; 51–75% Beteiligung=4; >75% Beteiligung=5). Der CT-Gesamt-Score wurde durch die Summe derjenigen für die 5 Lungenlappen gebildet (0–25). Die medianen CT-Werte lagen bei 3,0 (IQR 2,0–5,0) beim Schweregrad 3 sowie bei 4,0 (IQR 3,0–5,0) beim Schweregrad 4 und bei 5,0 (IQR 4,0–6,0) beim Schweregrad 5–6. Nach multivariabler Anpassung ergab sich für Diffusionsstörungen eine OR von 1,61 (95%-KI 0,80–3,25) bei Schweregrad 4 vs. 3 und von 4,60 (95%-KI 1,85–11,48) beim Schweregrad 5–6 vs. 3. In Bezug auf Angst oder Depression lag die OR bei 0,88 (95%-KI 0,66–1,17) für Schweregrad 4 vs. 3 bzw. 1,77 (95%-KI 1,05–2,97) für Schweregrad 5–6 vs. 3. Für Fatigue oder Muskelschwäche berechneten die Studienautoren eine OR 0,74 (95%-KI 0,58–0,96) für Schweregrad 4 vs. 3 bzw. von 2,69 (95%-KI 1,46–4,96) für Schweregrad 5–6 vs. 3. Bei 94 Patienten mit Antikörpern im Blut, die bei der Nachuntersuchung getestet wurden, erwiesen sich die Seropositivität (96,2% vs. 58,5%) und der Median der Titer neutralisierender Antikörper (19,0 vs. 10,0) im Vergleich zur akuten Phase signifikant niedriger. 107 von 822 Teilnehmern ohne akute Nierenschäden und mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von ≥90 ml/min pro 1,73 m2 in der akuten Phase hatten bei der Nachuntersuchung eine eGFR <90 ml/min pro 1,73 m2. Fazit 6 Monate nach der akuten Infektion litten Patienten nach der akuten Infektion hauptsächlich an Müdigkeit oder Muskelschwäche, Schlafstörungen sowie Angstzuständen oder Depressionen. Patienten, die schwerer erkrankt gewesen waren, wiesen eine stärkere Beeinträchtigung der Lungendiffusionskapazität und Anomalien bei der Thoraxbildgebung auf. (ac) Autoren: Huang C et al. Korrespondenz: Bin Cao; [email protected] Studie: 6-month consequences of COVID-19 in patients discharged from hospital: a cohort study Quelle: Lancet 2021;397(10270):220–232. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32656-8
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