Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen9. Januar 2026 Abbildung: © olgakris/stock.adobe.com US-Forscher berichten, dass höhere Blutwerte zweier häufiger Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) die Wahrscheinlichkeit für eine früh im Leben beginnende Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) steigen lassen. Beteiligt an der Leitung der Untersuchung waren Wissenschaftler vom Southern California Superfund Research and Training Program for PFAS Assessment, Remediation and Prevention (ShARP) Center und von der Universität Hawaii. Sie haben ihre Forschungsergebnisse jüngst im Journal „Environmental Research“ publiziert. „Eine MASLD kann über Jahre still voranschreiten, bevor es zu schweren gesundheitlichen Problemen kommt“, erläutert Dr. Lida Chatzi, Direktorin des ShARP Center. An dem vom National Institute of Environmental Health Sciences geförderten Zentrum erforschen die Mitarbeiter den Einfluss von PFAS auf die Gesundheit und bemühen sich um die Weiterentwicklung von Technologien zu deren Eliminierung. „Wenn bei Jugendlichen eine Akkumulation von Leberfett beginnt, kann dies den Boden für lebenslange Stoffwechsel- und Leberprobleme bereiten. Wenn man die PFAS-Exposition frühzeitig reduziert, kann dies zur Vermeidung von Leberkrankungen zu einem späteren Zeitpunkt beitragen.“ Praktisch jeder hat PFAS im Blut Laut einer Mitteilung der Keck School of Medicine der University of Southern California (USC) anlässlich der Veröffentlichung der Studie haben 99 Prozent aller US-Amerikaner messbare PFAS im Blut. Mindestens ein PFAS sei in rund der Hälfte des Trinkwassers nachweisbar. „Jugendliche sind insbesondere stärker empfindlich, was die gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS angeht, weil sie sich in einer wichtigen Phase der Entwicklung und des Wachstums befinden“, erklärt Erstautor Shiwen Li, Assistenzprofessor an der Universität Hawaii. „Neben Lebererkrankungen ist die PFAS-Exposition mit einer Reihe anderer negativer Ereignisse die Gesundheit betreffend in Verbindung gebracht worden, wie beispielsweise mit verschiedenen Krebsarten.“ Zusammenhang zwischen PFAS, Genetik und Lebensstil hergestellt Die Studienkohorten bildeten 284 Jugendliche und junge Erwachsene aus Südkalifornien, die an zwei Längsschnittstudien der University of Southern California (USC) teilgenommen hatten. Die Teilnehmenden wiesen bereits ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen auf: Ihre Eltern litten entweder an Typ-2-Diabetes oder an Übergewicht. Die Forschenden ermittelten die PFAS-Konzentrationen bei den Probanden mit Bluttests und den Leberfettgehalt durch Magnetresonanztomographie. Höhere Blutwerte für Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluorheptansäure (PFHpA) waren mit einem gesteigerten MASLD-Risiko verbunden. Jugendliche mit der doppelten PFOA-Konzentration im Blut besaßen ein fast dreimal so hohes Risiko für MASLD. Noch höher war die Wahrscheinlichkeit, wenn eine Mutation des Gens PNPLA3 (Genotyp GG) vorlag, die bekanntermaßen den Leberfettgehalt beeinflusst. Bei jungen Erwachsenen verstärkte Rauchen die PFAS-bedingten Auswirkungen auf die Leber zusätzlich. Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass PFAS-Belastung, genetische Aspekte und Lebensstilfaktoren gemeinsam das Risiko beeinflussen, je nach Lebensphase an einer MASLD zu erkranken“, erklärt Max Aung. Er ist Assistenzprofessor für Bevölkerungsforschung und Public Health Sciences an der Keck School of Medicine. „Das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt kann dazu beitragen, die präzisionsmedizinische Versorgung von MASLD zu verbessern.“ Laut Li ist diese Studie die erste, in der man PFAS und MASLD bei Kindern anhand von Goldstandard-Diagnosekriterien untersuchte. Sie sei auch die erste, in der erforscht wurde, wie genetische Faktoren und Lebensstilfaktoren mit der PFAS-Belastung interagieren können. Eine MASLD trat auch häufiger mit zunehmendem Alter der Jugendlichen auf: Dies bestärkt die Annahme, dass Pubertät und frühes Erwachsenenalter die Anfälligkeit für Umwelteinflüsse erhöhen können. Reales Risiko für Lebererkrankungen bei Jugendlichen Die Studie baut auf einer kürzlich an der USC durchgeführten Studie auf. Diese hatte gezeigt, dass bei adipösen Jugendlichen, die sich einer bariatrischen Operation unterziehen, ein PFAS namens PFHpA mit schwereren Lebererkrankungen, einschließlich Entzündungen und Fibrose, in Verbindung steht. „Zusammengenommen zeigen die beiden Studien, dass die Belastung mit PFAS nicht nur die Leberfunktion beeinträchtigt, sondern auch ein reales Risiko für Lebererkrankungen bei Jugendlichen darstellt“, konstatiert Chatzi. „Die Adoleszenz scheint ein kritisches Zeitfenster der Anfälligkeit zu sein. Dies deute darauf hin, dass die Belastung mit PFAS besonders dann relevant sein könnte, wenn sich die Leber noch entwickelt.“
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