Lecithin: Heilsam bei einer seltenen Nervenkrankheit?12. März 2019 Lecithin ist in Sojabohnen enthalten und könnte eine Therapieoption bei der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit sein. (© smirart – Fotolia.com) Lecithin scheint die Isolierung und Funktion von beeinträchtigten Nervenzellen wieder zu verbessern. Das berichten Forscher der Universitätsmedizin Göttingen und des Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin. Dies könnte für Patienten mit der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit ein echter Durchbruch sein und eine allererste Behandlungsoption eröffnen. Bei elektrischen Anlagen kennt man das ja: Ist nur ein kleiner Teil der Verkabelung nicht richtig isoliert, funktioniert nichts mehr – im schlimmsten Fall kommt es sogar zum Kurzschluss. Ähnlich ist das bei unseren Nervenfasern: Nur gut isolierte Nerven können die Impulse des Gehirns störungsfrei weiterleiten. Für diese Isolierung spielt ein natürlicher Fettstoff eine große Rolle: Lecithin. Er ist unter anderem in Ei-Dottern, Sojabohnen oder Lammfleisch enthalten. Die elektrischen Nervenimpulse können dank Lecithin schnell und effektiv weitergeleitet werden. Doch diese Signalweitergabe scheint bei einer seltenen Erkrankung, der „Charcot-Marie-Tooth“-Krankheit (CMT), beeinträchtigt zu sein. Die Folge sind schwere Krankheitssymptome: Betroffene haben oft bereits als Kind Fehlbildungen der Füße und Schwierigkeiten beim Gehen oder bei anderen Bewegungen. Später treten Empfindungsstörungen in Armen und Beinen auf, wie Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen. Schließlich nimmt die Kraft der Muskeln zunehmend ab, und in seltenen Fällen sind Betroffene auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Mechanismus, der dieser Erkrankung zugrunde liegt, ist bis heute nicht geklärt. Ärztinnen und Ärzte können daher die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit nicht heilen, sondern nur ihre Symptome mildern. CMT betrifft etwa 30.000 Menschen in Deutschland und rund zwei Millionen Menschen weltweit. Neue Forschungsergebnisse bieten nun einen vielversprechenden Behandlungsansatz. „Wir konnten erstmals an Nagetieren zeigen, dass Lecithin die Isolierung und Funktion von beeinträchtigten Nervenzellen wieder verbessert“, sagte Prof. Michael Sereda von der Klinik für Klinische Neurophysiologie der Universitätsmedizin Göttingen und dem Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin. „Unsere Ergebnisse könnten für Patientinnen und Patienten mit der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit ein echter Durchbruch sein und eine allererste Behandlungsoption eröffnen.“ Sereda koordiniert diese Arbeiten im deutschlandweit einzigarten Forschungsverbund „CMT-NET“, der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Dem Krankheitsmechanismus auf der Spur „Wir wissen, dass die meisten Betroffenen eine Gen-Auffälligkeit haben. Nun konnten wir Nagetiere mit diesem Gen-Defekt untersuchen, die ähnliche Symptome aufweisen. Wir fanden heraus, dass diese Tiere einen gestörten Fettstoffwechsel haben und die sogenannte Myelinschicht der Nervenfasern nicht richtig ausbilden“, erklärte Sereda weiter. „An dieser Stelle kam uns ein einfacher Gedanke: Der natürliche Stoff Lecithin ist ein Hauptbestandteil der Myelinschicht. Womöglich könnte er Heilung bringen“, ergänzte Dr. Robert Fledrich, der bei diesem Projekt eng mit Sereda zusammengearbeitet hat und mittlerweile an der Universität Leipzig tätig ist. Die Forschenden gaben betroffenen Tieren daraufhin eine lecithinreiche Kost. In mehreren aufeinanderfolgenden Studien konnten sie sodann zeigen, dass dies die Myelinschicht wieder aufbaute und maßgeblich Besserung brachte. Zudem war Lecithin in verschiedenen Stadien der Erkrankung wirksam, sowohl zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Erkrankung, an dem sich noch kaum Symptome zeigten, als auch zu einem Zeitpunkt, an dem die Erkrankung bereits ausgebildet war. „Wir wissen bereits, dass Lecithin für Menschen gut verträglich ist. Als Nahrungsergänzungsmittel ist es bereits heute frei verfügbar“, sagte Fledrich. Ob Betroffene der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit hiervon profitieren, ist aber noch nicht geklärt. „Unser Ziel ist es, dies in Zukunft durch eine Klinische Studie systematisch zu untersuchen. Wenn wir Erfolg haben, wäre dies ein echter Meilenstein für die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen weltweit“, sagte Sereda und ergänzte: „Zudem wäre es dann sehr interessant zu prüfen, ob dieser Mechanismus auch für andere Nervenerkrankungen bedeutsam ist.“
Mehr erfahren zu: "Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei" Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei Multiple Sklerose wird durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus mitverursacht. Daneben spielen aber auch bestimmte Genvarianten eine wichtige Rolle. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, führt erst das molekulare Zusammenspiel […]
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.