Leitlinie für den Einsatz von Reserveantibiotika veröffentlicht3. März 2026 Die Behandlung von Intensivpatienten mit multiresistenten Infektionen ist äußerst komplex. Eine neue S3-Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Anwendung von Reserveantibiotika. (Symbolfoto: ©pirke/stock.adobe.com) Weltweit steigt die Zahl der Bakterien, die gegen gängige Antibiotika resistent sind. Eine neue Leitlinie hilft dabei, infizierte schwerkranke Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen gezielt mit Reserveantibiotika zu behandeln. Die S3-Leitlinie zur „Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien“ (MRETher) soll helfen, sowohl die besten Heilungschancen zu ermöglichen als auch die kostbaren Reserveantibiotika sinnvoll einzusetzen. Sie wurde federführend koordiniert von Prof. Sören Gatermann, Abteilung für Medizinische Mikrobiologie der Ruhr-Universität Bochum, und Prof. Matthias Pletz, Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Jena. Leitlinie hilft beim gezielten Antibiotikaeinsatz Die Leitlinie richtet sich an in Kliniken tätige Ärztinnen und Ärzte, die Schwersterkrankte auf Intensivstationen behandeln. „Wer nicht täglich mit solchen Infektionen zu tun hat, kann unmöglich alles überblicken, was man wissen muss, um sie gezielt zu behandeln“, erklärt Gatermann den Nutzen der Leitlinie. Sie gibt Hinweise darauf, welche Erreger für welchen Wirkstoff empfänglich sind und wie sich das anhand von mikrobiologischen Tests vorhersagen lässt. Allein die Gruppe der multiresistenten gram-negativen Erreger umfasst rund 100 verschiedene Bakterien mit etwa 10.000 unterschiedlichen Resistenzmechanismen. Hinzu kommen andere Bakterienarten mit den ihnen eigenen Resistenzen. Demgegenüber stehen neue oder kombinierte Wirkstoffe, die teils ein enges Wirkspektrum haben und nur für sehr spezifische Einsatzbereiche geeignet sind. „Es geht darum, hier ausschließlich ganz gezielt zu behandeln“, unterstreicht Gatermann. Verantwortungsbewusst behandeln Die Leitlinie basiert auf über zweijähriger Arbeit der beteiligten Expertinnen und Experten. Insgesamt 14 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen aus Deutschland und Österreich waren daran beteiligt. „Jeder Einsatz antimikrobieller Agentien ist verantwortungsbewusst zu gestalten“, betont die Leitliniengruppe. Antibiotika seien im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln als sozial-wirksame Medikamente zu betrachten, da ihr Einsatz nicht nur Auswirkungen auf den einzelnen Patienten, sondern durch Selektionsdruck und Resistenzverbreitung auf die gesamte Gesellschaft hat.
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