Leitlinie „Neurogene Dysphagie“ komplett überarbeitet19. Mai 2020 Neurogene Dysphagien bezeichnen Schluckstörungen, die durch Erkrankungen des ZNS, PNS, der neuromuskulären Übertragung oder der Muskulatur versursacht werden. (Foto: ©Naeblys – stock.adobe.com) Die S1-Leitlinie „Neurogene Dysphagie“ (AWMF-Registernummer: 030/111) wurde unter Federführung von Prof. Rainer Dziewas, Münster, und PD Dr. Christina Pflug, Hamburg, komplett aktualisiert. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hin. Neurogene Dysphagien gehören zu den häufigsten und zugleich gefährlichsten Symptomen vieler neurologischer Erkrankungen. Die neue Leitlinie fasst die wichtigsten Erkenntnisse zur Diagnostik und Therapie der neurogenen Dysphagien in 53 Empfehlungen zusammen. Dysphagiediagnostik erfolgt interdisziplinär Für das Aspirationsscreening stehen Wasser-Schluck-Tests und Mehr-Konsistenzen-Tests zur Verfügung. Das Dysphagie-Assessment sollte eine klinische Schluckuntersuchung sowie instrumentelle Diagnostik umfassen. FEES und VFSS sind komplementäre Methoden der instrumentellen Dysphagiediagnostik und sollten daher idealerweise beide zur Verfügung stehen. Die FEES-Register-Studie hat bestätigt, dass die FEES eine sichere und für die Entscheidungsfindung im klinischen Alltag relevante Untersuchung ist. Sie sollte bevorzugt für bettseitige Untersuchungen eingesetzt werden, außerdem zur Beurteilung des pharyngealen Sekretmanagements und zur Beurteilung der laryngealen und pharyngealen Sensibilität. Die VFSS kommt bevorzugt zur differenzierten Beurteilung der pharyngealen und ösophagealen Phase des Schluckaktes zum Einsatz. Die Abklärung einer ätiologisch ungeklärten Dysphagie erfordert eine interdisziplinäre Diagnostik. Neue Therapieverfahren verbessern Schluckfunktion Grundsätzlich sollten Patienten mit neurogener Dysphagie frühzeitig eine systematische, regelmäßige und individualisierte logopädische/sprachtherapeutische Schlucktherapie erhalten. Studien konnten zudem für verschiedene neuere Therapieverfahren wie das Exspiratory Muscle Strength Training, transkranielle Stimulationsverfahren, die pharyngeale elektrische Stimulation und medikamentöse Therapieansätze eine Verbesserung der Schluckfunktion nachweisen. Die Leitlinienautoren empfehlen, vor Einleitung einer Dysphagietherapie die Ätiologie und das Störungsmuster der Dysphagie zu ermitteln.
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