Stimmstörungen als Frühzeichen für kognitive Beeinträchtigungen?28. September 2026 Foto: Satjawat/stock.adobe.com Hörverlust gilt als gut beeinflussbarer Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigungen. Jetzt zeigt eine groß angelegte Datenanalyse, dass Stimmstörungen ein genaueres Frühzeichen für kognitiven Verfall sein könnten als Hörverlust allein. Tonhöhe, Klarheit, Lautstärke, eingeschränkter Stimmumfang oder andere Stimmstörungen: Personen, bei denen sich die Stimmqualität verschlechtert, die aber keinen Hörverlust aufweisen, haben laut einer aktuellen US-amerikanischen Studie möglicherweise ein um 58 Prozent höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen oder Demenz als Personen ohne Stimmstörung. Wachsendes Problem: Demenz und kognitive Beeinträchtigungen Laut den National Institutes of Health (NIH) geben etwa 17,9 Millionen Erwachsene in den USA an, in den letzten zwölf Monaten ein Problem mit der Stimme gehabt zu haben. Bei 9,4 Millionen von ihnen dauerte die Stimmstörung eine Woche oder länger an. An Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz leiden mehr als sechs Millionen US-Amerikaner. Voraussichtlich wird sich diese Zahl bis 2060 mehr als verdoppeln, schätzt das NIH. Die Ergebnisse der groß angelegten Studie zu diagnostizierten Stimmstörungen und kognitivem Verfall deuten darauf hin, dass Stimmstörungen ein genaueres Frühzeichen für kognitiven Verfall sein könnten als Hörverlust allein. Das Team um Erstautor Anthony G. Russo vom Drexel University College of Medicine in Philadelphia (USA) hat seine Arbeit kürzlich im „Journal of Voice“ veröffentlicht. Stimmstörungen gehen mit einem erhöhten Demenzrisiko einher Das Forschungsteam um Russo erfasste Daten von 833.417 Patienten bei Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt, beginnend mindestens ein volles Jahr nach der Diagnose einer Stimm- oder Hörstörung. Das Team verglich Patienten mit diagnostizierten Stimmstörungen mit einer Kontrollgruppe von Patienten ohne Stimm- oder Hörprobleme. Die zentrale Frage dabei: Wer entwickelte im weiteren Verlauf eine Demenz oder kognitive Beeinträchtigung? Dabei stellte das Team um Russo fest, dass Stimmstörungen im Vergleich zur Kontrollgruppe mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen neu auftretenden kognitiven Rückgang assoziiert waren (Hazard Ratio [HR] 1,291; 95 %-Konfidenzintervall[KI] 1,155–1,443; P<0,0001). Für Hörverlust allein zeigte sich eine Assoziation mit einem leicht geringeren Risiko für eine kognitiven Beeinträchtigung (HR 1,267; 95 % KI 1,203–1,334; P<0,0001). Stimmstörungen ohne begleitenden Hörverlust waren im Vergleich zu Hörverlust allein mit einem erhöhten Risiko für einen neu auftretenden kognitiven Rückgang assoziiert (HR 1,261; 95 %-KI 1,121–1,419; P=0,0001). Das höchste Risiko zeigte sich für die Kohorte mit Stimmstörungen in Verbindung mit Hörverlust (HR 2,038 im Vergleich zur Kontrollgruppe; HR 1,545 im Vergleich zu Hörverlust). Die beiden Untergruppen der Stimmstörungen unterschieden sich im direkten Vergleich nicht voneinander (HR 1,088, P=0,376). Stimmstörungen sind früheres und stärkeres Anzeichen als Hörverlust allein Damit stellen die Ergebnisse nach Einschätzung der Autoren den Hörverlust als vorherrschenden Schwerpunkt bei der Diagnose kognitiver Beeinträchtigungen infrage. Der leitende Autor der Studie, Dr. Robert Sataloff vom College of Medicine der Drexel University, betonte: „Unsere Arbeit zeigt, dass Stimmstörungen möglicherweise ein früheres und stärkeres Anzeichen für kognitiven Verfall sind als Hörverlust allein.“ Sataloff hob hervor, dass Patienten, die nur an einer Stimmstörung litten, ein höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen hatten als Studienteilnehmer, die nur einen Hörverlust aufwiesen. Die Studienautoren betonten außerdem, dass es sinnvoll sei, in weiteren Studien zu untersuchen, welche Auswirkungen eine frühzeitige Behandlung von Stimmstörungen hinsichtlich möglicher positiver kognitiver Effekte hat. Der Zusammenhang zwischen Hörverlust und kognitivem Verfall ist gut belegt – beispielsweise durch eine dänische Kohortenstudie. Hörverlust gilt bislang als größter beeinflussbarer Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigungen. Einer „Lancet“-Studie zufolge reduzierten Beratung und Nutzung von Hörgeräten kognitive Veränderungen bei Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko. (ja/BIERMANN) Originalpublikation: Russo AG et al. Voice Disorders as Early Biomarkers of Cognitive Decline. J Voice 2026 Aug 11:S0892-1997(26)00390-5. Erkrankungen an Stimmveränderungen erkennen? – Mehr dazu: Asthma und COPD: Exazerbationen an Veränderungen der Stimme früh erkennen Stimme als Indikator für Herzschwäche
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