Lieferengpass für Digitoxin: DGK zeigt Alternativen zum Herzmedikament auf

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Digitoxin wird zur Behandlung verschiedener Herzprobleme wie Vorhofflimmern und chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt. Da es fortdauernde Lieferprobleme gibt, veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) eine Handlungsempfehlung für den Einsatz alternativer Medikamente bei unterschiedlichen Anwendungsfällen.

Die kardiologische Fachgesellschaft geht davon aus, dass es „fortdauernde Nachschubprobleme“ geben wird. Beispielsweise hat die Firma Merck mitgeteilt, die Produktion von Digimerck® komplett einzustellen. „Inwieweit Präparationen anderer Hersteller verfügbar sein werden, ist aktuell nicht sicher zu beurteilen“, betont die DGK. „In unserer aktuellen Stellungnahme wollen wir Ärztinnen und Ärzten konkrete Handlungsempfehlungen zum Beenden bzw. Ersetzen der Digitoxin-Medikation anbieten. Diese können dabei helfen, die aktuellen Lieferprobleme bestmöglich zu überbrücken“, sagt DGK-Präsident Prof. Stephan ­Baldus.

Der Vorteil von Digitoxin besteht allgemein darin, entero-hepatisch eliminiert zu werden. Als Alternative kann sich das verfügbare Digoxin anbieten, wie Prof. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Teil der Expertenkommission, erläutert. „Allerdings wird es ausschließlich über die Niere abgebaut und ist somit für Patienten mit höhergradiger Niereninsuffizienz ungeeignet. Diese und andere Umstände werden in der Stellungnahme berücksichtigt. Wir zeigen eine Vielzahl von Anwendungsfällen auf und geben umfassende Empfehlungen für den Einsatz verschiedener Medikamente“, so Bauersachs. Das Dokument thematisiert, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Maße u. a. Betablocker bzw. bradykardisierende Calciumantagonisten, ACE-Hemmer/ARNI, Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten und SGLT-2-Inhibitoren verwendet werden können.

„Es wird genau geklärt, welches Medikament in welchem speziellen Fall wie verabreicht werden sollte – v. a. unter Berücksichtigung einer etwaigen Vorindikation mit Digitoxin. Wir möchten allen Kolleginnen und Kollegen die Lektüre dieser Stellungnahme ans Herz legen“, rät DGK-Pressesprecher Prof. Micheal Böhm.

Die vollständige Fassung inklusive ausführlicher Handlungsempfehlungen steht frei zugänglich unter https://leitlinien.dgk.org/2022/lieferengpass-digitoxin/ als PDF zum Download zur Verfügung.