Liegt der Schmerz in den Genen? Genomweite Assoziationsstudien geben Hinweise19. Dezember 2023 Bild: koya979 – stock.adobe.com Es existieren erste Hinweise darauf, dass genetische Faktoren die individuelle Anfälligkeit für Schmerzen und zwischenmenschliche Unterschiede in der Reaktion auf Schmerzbehandlungen teilweise erklären könnten. Um die zugrundeliegenden genetischen Mechanismen von Schmerzen besser zu verstehen, haben Wissenschaftler aus den Niederlanden genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die den Zusammenhang zwischen genetischen Varianten und Schmerzen bzw. schmerzbezogenen Phänotypen (Nozizeption, Neuropathie und Reaktion auf Schmerzbehandlung) beim Menschen untersuchen, systematisch überprüft und zusammengefasst. So sichteten Song Li und Kollegen vom Radboud University Medical Center (Niederlande) 57 GWAS-Volltextartikel und identifizierten darin 30 Loci, die in mehr als einer Studie beschrieben wurden. Bei einem Großteil der inkludierten GWAS-Studien waren Tumorschmerzen Gegenstand der Untersuchung (n=17), gefolgt von muskuloskelettalen (n=14) und neuropathischen Schmerzen (n=9). Um zu prüfen, ob die in ihrer Übersichtsarbeit beschriebenen Gene mit (anderen) Schmerzphänotypen in Verbindung stehen, durchsuchten die Forscher jeweils eine schmerzgenetische Datenbank für Menschen und Mäuse. Überlappend mit den GWAS-Studien identifizierten sie hierbei sechs Gene/Loci, die hauptsächlich an neurologischen Funktionen und Entzündungen beteiligt sind. Diese Funktionen seien für die Entstehung von Schmerzen von entscheidender Bedeutung, da chronische Schmerzen hauptsächlich durch Entzündungen und Nervenverletzungen auf der peripheren Ebene und durch Neuroplastizität auf der zentralen Ebene entstehen, wie Li et al. diskutieren. Die Ergebnisse ihres systematischen Reviews verdeutlichen, dass genetische Faktoren einen wichtigen Beitrag zum Risiko von Schmerzen und schmerzbezogenen Phänotypen leisten. Es seien jedoch Replikationsstudien mit einheitlichen Phänotypdefinitionen und ausreichender statistischer Aussagekraft erforderlich, um diese schmerzassoziierten Gene weiter zu validieren, betonen die Verfasser. Weiterhin merken sie an, dass ihre Übersichtsarbeit auch den Bedarf an bioinformatischen Werkzeugen unterstreicht, um die Funktion der identifizierten Gene/Loci zu klären. „Wir glauben, dass ein besseres Verständnis des genetischen Hintergrunds von Schmerzen Licht auf die zugrundeliegenden Faktoren werfen wird“, schreibt das Team um Li abschließend in „Pain“. (ah)
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