Lipide treiben Metastasierung bei Eierstockkrebs an28. Juli 2023 Schematische Darstellung der Forschungsergebnisse. (© Kaire Ojasalu) Die aggressivste Form von Eierstockkrebs, das hochgradige seröse Karzinom, hat meist bereits vor der Diagnose im Bauchraum gestreut. Marburger Forschende haben in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 142.000 Euro geförderten Projekt nun die Wirkung eines Fettes im Aszites (Lysophosphatidsäure) auf die Grundlagen der Metastasierung von Tumorzellen aufgeklärt. Das Ovarialkarzinom wird oft erst spät und nach der Streuung von Metastasen im Bauchraum entdeckt. Die verfügbaren Therapeutika zeigen zwar initial Wirkung, diese ist aber nicht von Dauer. Dadurch liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei unter 40 Prozent. Ein tiefergehendes Verständnis für seine Biologie und neue Ansatzpunkte zur Therapie sind dringend erforderlich. Eine häufige Begleiterscheinung des Ovarialkarzinoms ist eine maligne Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum – Aszites. Diese Flüssigkeit enthält neben Tumor- und Immunzellen eine Vielzahl von Stoffen, die das Tumorwachstum und die Metastasierung fördern und ist somit als Untersuchungsmaterial besonders wertvoll. Die Arbeitsgruppen um Dr. Florian Finkernagel, und Prof. Rolf Müller, beide vom Zentrum für Tumor- und Immunbiologie (ZTI) der Philipps-Universität Marburg, untersuchen in einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Klinik für Gynäkologie die Signalnetzwerke und Wechselwirkungen zwischen Tumor- und Wirtszellen in diesem durch Aszites geprägten Mikromilieu. „Aszites enthält Millionen von frei schwimmenden Tumorzellen – aber nur wenige wachsen als Metastasen an. Wir wollen die Bedingungen, die dafür notwendig sind, genau verstehen“ sagt Finkernagel. Es gelang ihnen, die Wirkung einer der im Aszites vermehrt vorhanden Stoffgruppen – Lysophosphatidsäuren (LPA) – auf Tumorzellen zu beleuchten. LPA gelten als Ovarialkarzinom aktivierender Faktor. Sowohl ihre Konzentration im Aszites als auch die vermehrte Expression bestimmter LPA-bindender Rezeptoren im Tumor sind mit kürzerer rückfallfreier und totaler Überlebensdauer assoziiert. Wie die Marburger Forschenden nun im Journal „Theranostics“ beschrieben, wirken die in Aszites vorkommenden LPA-Varianten auf das Zytoskelett, die Tumorzellmigration und die Zell-in-Zell-Invasion von Tumorzellen mittels eines komplexen Signalnetzwerkes. Als zentraler Bestandteil des Netzwerkes stellte sich dabei die Proteinkinase MYPT1 heraus. Die Forschenden konnten zeigen, dass die Hemmung von MYPT1 die LPA-vermittelte Migration und Zell-in-Zell-Invasion von Tumorzellen verhindert. Da MYPT1 prinzipiell medikamentös beinflussbar ist, eröffnet sich hier ein vielversprechender Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapien. Im Zuge des Forschungsprojektes entstand eine einmalige Biomaterial – und Datenbank am Zentrum für Tumor- und Immunbiologie: „Als Beitrag hin zu einer personalisierten Medizin haben wir eine Bio- und Datenbank speziell für Tumorzellen, Immunzellen und andere Bestandteile des Aszites von Ovarialkarzinom-Patientinnen aufgebaut“, sagt Müller, Leiter der Arbeitsgruppe „Translationale Onkologie“ am ZTI. Sie erfasst alle relevanten experimentellen Labor- sowie Patientendaten einschließlich klinischer Verläufe in anonymisierter und vereinfachter Form und ist online für alle beteiligten Kooperationspartnern abrufbar.
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